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Von wegen Anhängsel: Erfolgreiche Entrepreneurinnen

Foto: Thies Raetzke, Hintergrund: "Den ganzen Tag am Strand" von F.C. Gundlach (1966)

Die Trophy Wife wird zum Auslaufmodell Erfolg ist das neue sexy

Im Schatten der Göttergatten verkümmern? Frauen von Unternehmern und Topmanagern machen heute lieber ihr eigenes Ding. Die Trophy Wife wird zum Auslaufmodell.

Judith Dommermuth (39) hat es gern gemütlich. So auch an jenem trüben grauen Winterabend vor drei Jahren, als sie nach einem Tag voller Termine, Flüge, Fotoshootings nach Hause kam, die Tür aufschloss, den Mantel ablegte und sofort in die Lieblingsjogginghose schlüpfte. Ralph Dommermuth, Ehemann und Webmilliardär, hatte den Kleiderwechsel verfolgt, viele Male schon. Jetzt fasste er sich ein Herz: "Sieht bequem aus", sagte er. "Gibt's das auch in schön?"

Drei Jahre später steht Frau Dommermuth in ihrem Kölner Atelier, im alten Zollhafen direkt am Rhein. Blick auf den Dom, in der Tiefgarage wartet ihr Audi neben diversen Nobelkarossen von Lukas Podolski. Dommermuth schaut sich Schnitte an, befühlt Stoffe, ändert hier eine Naht, dort eine Farbe.

Juvia heißt ihr Modelabel, für das sie Anfang 2013 die erste Kollektion produzierte. Als "kuschelige und komfortable urbane Loungewear" beschreibt Dommermuth im branchennotorisch aufgeschäumten Vokabular die Kleider, Motto: "von Couch bis Clubbing". Kurz: Wohlfühlklamotten ohne Schlabberlook. Aus der spitzen Bemerkung des Gatten ist eine Marke geworden. "Ralph jedenfalls gefällt's", sagt Dommermuth. Ist das Paar irgendwo eingeladen, fragt er regelmäßig: "Wollen wir nicht was von Juvia mitbringen?"

Doch um Ralph, den Gründer und Chef von United Internet , geht es nur am Rand. "Ich bin einfach nicht der Typ fürs Nichtstun, ich habe immer mein eigenes Ding gemacht", sagt Judith Dommermuth. Juvia ist kein weiterer Brillant im funkelnden Gattinnendiadem, "kein Hobby für eine verwöhnte Ehefrau, sondern mein Unternehmen, für dessen Erfolg ich verantwortlich bin".

Mann: erfolgreich, Frau: schön, gern deutlich jünger, aber ohne jede Ambition jenseits der Aufzucht - die alte Trophy-Wife-Formel landet gerade in der sozialen Abstellkammer. Frauen wie Dommermuth, die als Model arbeitete und lange das Werbegesicht von Air Berlin  war, können bestenfalls lachen über die Rolle als Grüß-und-Wink-Mannequin mit Zusatzfunktion Small Talk, die einst viele Frauen von Topmanagern und Unternehmern spielten. "Nur Anhängsel sein, das geht gar nicht mehr, das ist so ,Opfer'", sagt Paula-Irene Villa, Professorin für Soziologie und Gender Studies an der Universität München. "Die Idee der Trophy Wives gibt es nur noch auf RTL 2."

Frauen erfolgreicher Männer sind heute keine Spiegelungen maskuliner Performance mehr, sie sind selbst erfolgreich. Klassische Power Couples wie die Achleitners oder die Blessings absolvieren ihre Karrieren schon länger im Gleichschritt, nach ähnlichen managerialen Mustern. Nun entdecken immer mehr bestens situierte Ehefrauen auch das Unternehmertum für sich: Statt mit Cocktails auf der Chaiselongue die Rückkehr des vielbeschäftigten Gatten abzuwarten, ziehen sie ihr eigenes Geschäft hoch - und längst nicht mehr nur in Form der vom Gatten durchfinanzierten Modeboutique. Natalie von Matt etwa, Frau von Starwerber Jean-Remy, hat sich als Schmuckdesignerin etabliert, Natascha Grün, die mit dem Filmproduzenten Quirin Berg liiert ist und Judith Dommermuth einst bei Modelwettbewerben begegnete, hat Dresscoded.com gegründet.

Solche Duos sind mehr als nur ein Paar, sie wurden zur Familienmarke: selbstständig, auf der Höhe der Zeit, entrepreneurig. Es ist, wie Soziologin Villa sagt, "Ausdruck des individualistischen, selbstoptimierenden Zeitgeists. Und zugleich ein emanzipatorischer Akt."

So weit würde Dommermuth, schlank, brünett, blaue Augen, nicht gehen. Aber dass sie den Juvia-Start mit ihren ersparten Modelgagen finanziert und später von ihrem Mann einen Kredit zu marktüblichen Zinsen bekommen hat, darauf weist sie ebenso sanft wie bestimmt hin. Ihr Mann gibt gern Ratschläge, als Pro-Bono-Unternehmensberater, aber: "Geld und Betriebswirtschaft allein reicht nicht, es braucht ein gutes Auge, ein Gespür für den Markt und Modebegeisterung."

Dass sie neben dem Modeln früher auch Schauen und Shootings organisierte, erleichterte den Zugang. Im Sommer 2013 stellte sie die erste Kollektion auf einer Düsseldorfer Messe vor: saisonale Prints, verschiedene Formen, mit weichem Cashmeremix passend für Sofa- wie Klubnächte. Die Hoodies, T-Shirts und Leggings pries Dommermuth selbst an, 80 Händler orderten. Heute verschickt Juvia gut 200.000 Teile im Jahr an mehr als 300 Kunden in 11 Ländern. Das Berliner KaDeWe gehört dazu, das Hamburger Alsterhaus, der Stanglwirt in Kitzbühel. Auf Sylt hat Different-Fashion-Chef Manuel Rivera einen eigenen Juvia-Shop aufgemacht.

Es lebe die Business Wife!

Für Dommermuth heißt das: ranklotzen. Jeden Tag von Montabaur ins Büro in Köln, Kundengespräche, Designmeetings, Überwachung der Produktion in Portugal. "Ich stecke viel Zeit und Gedanken in die Firma, das soll sich auch lohnen", sagt Dommermuth. Ende 2015 hat sie den Break-even geschafft, elf Leute und einige Freelancer arbeiten jetzt für sie. "Ein schöner Nebeneffekt ist, dass Ralph und ich ein weiteres Thema haben, über das wir uns gern austauschen. Sonst würde er von seinen Geschäftsterminen erzählen und ich von Shopping, Yoga und Sport."

Business Wives: Erfolg ist das neue sexy - Wie Männer Frauen sehen, Angaben in Prozent

Business Wives: Erfolg ist das neue sexy - Wie Männer Frauen sehen, Angaben in Prozent

Foto: manager magazin

Es lebe die Business Wife! Der "Tatler", Zentralorgan der hedonistischen Klassengesellschaft, hat unlängst das Update der einstigen "Frau an seiner Seite" ausgerufen. Echte "Trophäenfrauen", das sind nicht mehr die stets etwas zu blonden, etwas zu stark geschminkten Damen im etwas zu körperbetonten Hervé-Léger-Kleidchen, die etwas zu laut kichern über die Scherze älterer Herren. Sie erzählen die Witze jetzt selbst.

Der Wandel gefällt den Männern. In einer Umfrage der Zeitschrift "Brigitte" gaben mehr als drei Viertel der jungen Herren an, sie wünschten sich eine Partnerin, die sich um den eigenen Lebensunterhalt kümmert - 2007 waren es noch 54 Prozent. Society-Reporterin Anne Meyer-Minnemann ("Gala") hat beobachtet: "Ich sehe zum Glück nie, dass irgendwelche ernst zu nehmenden Männer mit irgendwelchen Häschen anbändeln."

Die weiblichen Partner der Wirtschaftselite sind nicht länger bereit, im Windschatten ihrer Göttergatten zu verkümmern. Sie sind meinungsstark, bevorzugen Outfits, die nicht "Reich!" brüllen, sondern hintergründigen Luxus ausstrahlen - und sind stolz auf ihren Job. Nadja Schildknecht, Ex-Model und Freundin von Credit-Suisse-Verwaltungsratschef Urs Rohner, managt mit Charme und fester Hand das Zurich Film Festival. Dagmar Sikorski, die Frau von Ex-RWE-Boss Jürgen Großmann, führt einen Musikverlag. Alison Pincus, verheiratet mit Zynga-Schöpfer Mark Pincus, gründete das angesagte Einrichtungsportal One Kings Lane.

"Anfangs mochten die Leute gedacht haben: ,Oh ja, klar, jetzt muss Soundsos Frau natürlich auch noch gründen'", erinnert sich Pincus' Freundin Randi Zuckerberg. "Aber sie hat's allen gezeigt." One Kings Lane wurde zwischenzeitlich mit einer Milliarde Dollar taxiert, zu den Investoren gehören Yahoo-Chefin Marissa Mayer und Linkedin-Gründer Reid Hoffman.

Die Pincus-Ehe ist eine Art Ideal der neuen Zeit: zwei willensstarke Unternehmercharaktere, beruflich extrem eingebunden, aber immer bedacht, der Familie ausreichend Zeit einzuräumen. Und beim Abendbrot - das, wie Alison Pincus fröhlich notiert, ziemlich oft vom Lieferdienst kommt - herrscht buntes Themenkuddelmuddel von der Wochenplanung bis zum Launch der neuen Website in China.

Gestern Haushalt, heute Business

Noch ist der Alltag der meisten Hochperformance-Ehen von diesem Valley-Ideal indes weit entfernt. In New Yorks Geldelite etwa belohnen reiche Hedgefondsmanager ihre "SAHMs" (Stay-at-home-Moms) mit Boni, wenn sie das Haushaltsgeld mit Augenmaß verwalten oder die Kinder in der Schule glänzen. Und auch in Deutschlands Topmanagerhaushalten herrscht nach Erkenntnis des Heidelberger Soziologen Markus Pohlmann zumeist noch die "klassische Rollenverteilung": dauerhafte, solide gewirkte Ehen, überdurchschnittlich viele Kinder, die Frau unterstützt ihren Mann bei der Karriere und nimmt, meist nach dem ersten Kind, eine Auszeit von der eigenen. "Ohne diese formal intakten Enklaven bürgerlicher Familie als sicherer Hafen wären die meisten Topkarrieren nicht möglich", sagt Pohlmann.

Aufholjagd: Antel weiblicher Milliardäre in Prozent weltweit

Aufholjagd: Antel weiblicher Milliardäre in Prozent weltweit

Foto: manager magazin

Für so manche Frau in Angestelltenposition dagegen ist der Wunsch nach Selbstverwirklichung in den Topetagen der Gesellschaft eher ein Luxusproblem. Das mag sein. Doch das soziale Leitbild ist in Bewegung geraten, es verändert sich. Dazu passt, dass die Zahl der Milliardärinnen weltweit schneller wächst als die ihrer männlichen Pendants. In Asien etwa gibt es mehr als achtmal so viele weibliche Milliardäre wie vor 20 Jahren - und jede Zweite hat ihr Vermögen selbst aufgebaut.

Schon im Jahr 2000 notierte die "taz" weitsichtig: "In postfeministischen Zeiten von Karrierefrauen wird das Leben als Hausfrau und Mutter, als Gastgeberin und ehrenamtlich karitativ Tätige plötzlich in einem anderen, durchaus fragwürdigen Sinne auffällig." Auch weil immer seltener nach oben geheiratet wird: Früher ehelichten rund die Hälfte aller Männer in Deutschland eine Frau mit deutlich geringerer Bildung und weniger Einkommen als dem eigenen - Ferdinand Piëch und das Kindermädchen oder der Klassiker Chefarzt und Krankenschwester. Heute lässt sich nur noch ein Fünftel der gut ausgebildeten und gut verdienenden Männer mit einer Frau außerhalb der eigenen Schicht ein. Der Pilot heiratet nicht mehr die Stewardess - sondern die Kopilotin.

Die Bildungsexpansion der 70er Jahre brachte zudem zahlreiche hervorragend qualifizierte Frauen hervor, die nicht mehr nur "ein Haus führen" wollen - sondern lieber ein eigenes Business. Spätestens wenn die Kinder aus dem Haus sind. "Je höher die Bildung, umso wichtiger das Leitbild der Selbstverwirklichung", sagt Soziologin Villa. Der unternehmerische Mensch, der sich ständig optimiert und das Beste aus seinen Talenten herausholt, gilt als neuer Archetyp.

Das Talent von Daniela Hinrichs (40) ist die Kommunikation. Die Frau von Xing-Gründer Lars Hinrichs steht mitten in einer Ausstellung ihrer Firma Dear Photography in der Hamburger Innenstadt. Blaue Augen, kurze blonde Haare, schwarze Sneaker mit neongelben Schnürsenkeln. Um sie herum, im "Erkenntnisraum", Dutzende große Fotos, alles Selbstporträts des Künstlers Klaus Elle, alle verfremdet, mit Sand, mit Holz, mit Platinen. Hinrichs, die vor sechs Jahren von F.C. Gundlach mit der Begeisterung für die Fotokunstsammlerei infiziert wurde und im Frühjahr 2013 ihr Geschäft startete, sagt: "Ich selbst bin keine Künstlerin, aber ich kann vermitteln und netzwerken."

Mit Dear Photography kuratiert und präsentiert die gebürtige Mecklenburgerin Fotografen, in der Galerie und, wichtiger noch, auf der Website. Sie besucht Kuratoren und Sammlungen, organisiert Ausstellungen, hilft beim Verkauf spezieller Editionen, nutzt ihre Kontakte, um Künstler sichtbar zu machen: "Es gibt zu viele gute Fotografen, die nicht alle von etablierten Galerien präsentiert werden können."

Neun Fotografen mit Werken im Wert von 1000 bis 35000 Euro sind derzeit auf der Seite zu finden. Um die Künstler als Marke aufzubauen, bringt Hinrichs ihre Erfahrungen als Sammlerin und als Onlineexpertin zusammen. Statt der galeristenüblichen 50 nimmt sie im Schnitt 30 Prozent Provision, alles ist mit eigenem Geld finanziert und macht ordentliche Gewinne: "Mein Steuerberater ist sehr glücklich."

Der Gatte: Berater, kein Sponsor

Vorgezeichnet oder gar vom Gatten geebnet war der Weg nicht. Die gelernte technische Zeichnerin für Heizungs- und Sanitärtechnik landete nach der Ausbildung zunächst in einem Ingenieurbüro, dann in einer PR-Agentur, baute später die interne Kommunikation für das Wealth Management der deutschen UBS auf. 2001, die Dotcom-Blase war geplatzt, wurden Daniela und Lars ein Paar, er hatte gerade die Böttcher Hinrichs AG an die Wand gefahren. "Mit unternehmerischem Ruhestand war da nix." Aber mit Expertise: Als sie ihrem Gatten Lars Jahre später die Fotoidee vortrug, sagte er hanseatisch-knapp, aber bestimmt: "Das funktioniert."

Was erstaunlich ist. Die Kunst kreist um Emotionen und Befindlichkeiten, "das ist so gar nicht meins", gesteht Hinrichs. "Ich bin eher der Typ für Prozesse und Organisation." Genau damit taten sich die Fotografen schwer. Zu scheu, zu fokussiert, zu beschäftigt. "Mach du das doch für mich" - den Satz hörte Hinrichs, Mutter von zwei Kindern, länger als ein Jahr, dann gab sie nach.

Dass sie Xing und die Kommunikation der Firma mit aufgebaut hatte, war ein Vorteil. Dass sie gern Dinge tut, "die ich nicht kenne und noch nicht kann", sicher nicht schädlich. Entscheidend aber war die unternehmerische Mission: Die Beobachtung, dass Galeristen sich zu sehr auf Sammler statt "normale" Kunden ausrichten. Die Dynamik des Netzes. Und die Idee, auch teure Kunst online zu verkaufen, wie Möbel und Mode. "Kunstwerke haben noch immer etwas Einschüchterndes. Das will ich ändern. Hier soll der Künstler nahbar sein."

Der Gatte als Berater, nicht als Sponsor - das Modell von Hinrichs und Dommermuth wirkt wie die Liveversion einer wissenschaftlichen Erkenntnis, mit der Elisabeth McClintock vor rund einem Jahr für Aufsehen sorgte. Die Soziologin untersuchte den "Beauty Status Exchange", den strategischen Handel von Schön gegen Reich - und stellte fest: Trophäenfrauen, wiewohl in Regenbogenpresse, Songs und sogar Gemälden ("Das ungleiche Paar" von Lucas Cranach dem Älteren) Teil des kollektiven Bewusstseins, sind viel seltener als gedacht.

Ja, erfolgreiche Männer sind häufiger mit schönen Frauen verheiratet. Übersehen wurde dabei aber lange: Viele erfolgreiche Männer sehen selbst gut aus - und viele gut aussehende Frauen sind ebenfalls erfolgreich. Ausschlaggebend, so McClintock, ist die Ähnlichkeit der Partner: "Am meisten stimmen Paare in ihrer Erziehung, ihrem Lebensstil und ihren Werten überein." Kurz: In dem, was auch Ambition, Disziplin und Zielstrebigkeit definiert.

Nun gründen nicht alle Unternehmergattinnen gleich Milliardenfirmen. Ausprägungen variieren nach Lebenssituation und Charakter. Das kann schon mal gigantische Ausmaße annehmen, wie bei Kleopatra, die sich von ihren Partnern und römischen Feldherren Cäsar und Mark Anton ein Königreich absichern ließ. Oder eher dezent daherkommen wie bei Ulrike Döpfner, studierte Psychologin und Gattin von Springer-CEO Mathias Döpfner, die mit einem Interviewbuch über die Kindheit von Prominenten Aufsehen erregte.

Es gibt das Modell "Grande Dame" (Regine Sixt) oder die Variante "Richelieu im Rock", geradezu prototypisch interpretiert von Claire Underwood ("House of Cards"), die den Ehrgeiz ihres Gatten Frank nutzt, um ihre eigenen Ziele zu erreichen - und nie auf die Idee käme, sich mit den üblichen Politikerfrauenthemen wie Charity und Sightseeing zu beschäftigen.

Eine Klasse für sich sind die (ehemaligen) Frauen berühmter Sportler wie Barbara Becker und Simone Ballack, die sich, hartnäckig und oft über den klassischen B-Promi-Parcour von "Let's Dance" und Co., mit Yogakursen, Wäschekollektionen oder Hähnchenrestaurants in Kaiserslautern selbst zur Marke aufbauen. Sowie die Liga von Victoria Beckham und Shakira - aber die waren ja schon Popstars, bevor sie Spielerfrauen wurden.

Bisweilen startet die weibliche Entrepreneurskarriere erst so richtig durch, wenn die Ehe schon vorbei ist. Etwa bei Arianna Huffington, die das Startkapital für die "Huffington Post" unter anderem aus der Scheidung von einem Ölmilliardär nahm; oder Tory Burch, die das Fundament für ihr milliardenschweres Modeimperium mit zwei Millionen Dollar des Unternehmers Christopher Burch legte - zwei Jahre später kam die Trennung, was dann noch mal ordentlich Liquidität reinspülte.

Dass die eigene Firma unter den neuen Powerfrauen so beliebt ist, hat durchaus auch profane Gründe. Sie erlaubt große Flexibilität. Denn bei aller Begeisterung der Unternehmer und Manager für die Unternehmungen ihrer Herzdame: Das Haus führt sich nicht von allein. "Was die faire Aufteilung von Hausarbeit angeht, sind wir heute nicht weiter als vor 40 Jahren", stellt die Soziologin Cornelia Koppetsch ernüchtert fest: In ihrem aktuellen Buch ("Wenn der Mann kein Ernährer mehr ist") legt sie dar, dass Gleichberechtigung im Privaten noch immer mehr Parole als Realität ist.

Ausnahmen wie das Pincus-Paar bestätigen die Regel. Sicher: Wo Geld keine Rolle spielt, können gute Hilfsgeister so manchen Spülstreit vermeiden. Dafür erweitern im Unternehmerhaushalt Repräsentationstermine die To-do-Liste.

Mehr Glanz für beide Seiten

Susanne Asbeck (54) fühlte schon als Jugendliche einen Zug zum Kreativen. Doch sie studierte Jura, arbeitete als Rechtsanwältin bei KPMG, Flick Gocke Schaumburg, Haarmann Hemmelrath. 2002 kam sie mit dem Unternehmer Frank Asbeck (Solarworld ) zusammen. Nach anderthalb Jahren beklagte sich der Sonnenkönig, Susanne habe zu wenig Zeit für ihn. Nach einer Zwischenstation als Finanzvorstand bei der Solarworld-Tochter Solarparc beschloss sie, ihre Jugendidee wieder aufleben zu lassen - und wurde Schmuckdesignerin. "Das konnte ich aber nur, weil ich mich zuvor als Rechtsanwältin und Steuerberaterin bewiesen hatte. Jetzt genieße ich die Freiheit. Ohne diese Erfahrung hätte es für mich zu sehr nach Beschäftigungstherapie ausgesehen."

Ihr Atelier hat sich Asbeck, dunkelblond, braune Augen, elegant, in einem Bonner Gründerhaus eingerichtet. Ein Feuer prasselt, kniehohe silberne Hirsche halten Kerzen, ein weißes Designersofa bewacht den Zugang zur Dachterrasse. Geschmack und Stil werden hier großgeschrieben. Ein Assistent bringt grünen Tee und holt mit weißen Handschuhen einige Stücke der aktuellen Kollektion aus dem Tresor. Schlichtes aus Silber ist dabei, aber auch mit Diamanten Eingefasstes, goldene Halsketten und große Ringe mit rosa Turmalin. "Schmuck muss ein Statement sein", sagt Asbeck.

Nomades heißt ihre Firma, ein Verweis auf die Zielgruppe: moderne, berufstätige Frauen im urbanen Alltag, die mittags dezente Ohrclips wollen und abends funkelndes Geschmeide. Juweliere in Baden-Baden, New York oder München haben ihre Kreationen im Angebot. Die Preise, etwa der Ringe mit schon mal wachteleiergroßen Edelsteinen, sind oft gut fünfstellig, im Jahr verkauft sie rund 100 Teile. "Ich mache meistens Einzelstücke, da ist mir beste Qualität wichtig, und ich mache das ja nicht als Hobby", sagt Asbeck, die sich von italienischen Meistern ebenso inspirieren lässt wie von Stoffen aus dem türkischen Basar oder neulich einem Graffito an einer Brücke in Köln.

Von der Prominenz ihres Mannes hat Asbeck kaum profitiert, im Gegenteil. "Anfangs habe ich Nomades nicht an die große Glocke gehängt, sonst hätte es wieder geheißen: Ach, jetzt muss die Asbeck auch noch Schmuck machen."

Immerhin: Ehemann Frank ist angetan von seiner Frau, der Designerin. "Die Wahl eines ebenbürtigen Partners verleiht beiden Seiten zusätzlichen Glanz", konstatiert Soziologin Koppetsch. Siehe Angelina Jolie und Brad Pitt oder Jay Z und Beyoncé.

So ist die Trophäenfrau im 21. Jahrhundert, wenn es sie denn überhaupt noch gibt, denkbar weit entfernt von ihrer adrett-unbedarften Vorgängerin: Sie hat sich gewandelt zur Überfliegerin, die alles im Leben richtig machen will. Job, Familie, eigene Firma. Und selbstredend braucht die Trophäenfrau keinen Angeber mit dicker Brieftasche mehr. Zum Partner wählt sie niemand anderen als - den Trophäenmann.

Der bekommt dann bisweilen Gelegenheit zu zeigen, was in ihm steckt: Kürzlich auf Sylt stapfte Frank Asbeck in den Laden des örtlichen Juweliers und sprach: "Hören Sie, meine Frau macht sehr schönen Schmuck. Der fehlt hier noch."

Wenig später war Nomades auf der Insel erhältlich.

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