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Fondsmanager: Helden von einst

Geldanlage Die sieben häufigsten Renditefallen

Selbst Geldanlage-Gurus wie Mark Mobius, Edouard Carmignac und Warren Buffett sind keine Erfolgsgaranten mehr. Wie man die sieben häufigsten Ertragsfallen umgeht.

Hamburg - Mark Mobius (77) sitzt im Café des feinen "Elysée"-Hotels an der Hamburger Rothenbaumchaussee und sieht genau so aus wie auf dem Buchumschlag seiner Autobiografie. "Vater der Emerging Markets Funds" und "Indiana Jones der Emerging Markets" nennt er sich in dieser Lebensbeschreibung, die ein japanischer Manga-Autor als Comic gezeichnet hat. Nach Hamburg ist der Fondsmanager mit dem Firmenjet gereist, einer Gulfstream.

Glatze, heller Anzug, Privatjet: Das sind Mobius' Markenzeichen. Seit 1987 investiert er für die Fondsgesellschaft Franklin Templeton in Schwellenländer-Aktien. Der zweistrahlige Jet trägt ihn an mehr als 200 Tagen im Jahr um die Welt. In Manila geriet "der kahlköpfige Adler" (so der Titel von Kapitel eins des Comics) 1989 in den Kugelhagel eines Militärputsches.

Seinen Gastgebern, die angesichts des siebten Putschversuchs binnen drei Jahren verzagt vor ihm saßen, spendete der Guru aufmunternde Worte: "Höheres Risiko und höhere Renditen, das ist die Natur der Schwellenländer." "Vielen Dank, Dr. Mobius", riefen die so getrösteten Philippiner.

Heute in Hamburg muss Mobius wieder trösten, diesmal allerdings seine Anleger. Denn sein großer Fonds läuft schlecht. "In den Schwellenländern ist Wachstum", sagt er unbeirrt, "es gibt viele gute Investmentchancen."

Die alten Rezepte funktionieren nicht mehr

Warum aber beflügelt das dann den 1,1 Milliar- den Dollar schweren Templeton Emerging Markets nicht? Der hängt dem Schwellenländer-Aktienindex seit Jahren hinterher. "Wir schauen nicht auf den Index, das ist nicht unser Maßstab", entgegnet Mobius.

Doch mit solchen Ausflüchten kommt er bei seinen Geldgebern nicht mehr durch. Seit dem Jahr 2003 ist seine durchschnittliche Performance schlechter als die anderer Fondsmanager. "In Marktrallys ebenso wie in Abschwungphasen", kritisieren die Analysten des Research-Anbieters Morningstar. Ihr Rating lautet daher: "Negativ".

Selbstbild und Leistung klaffen inzwischen bei vielen Fondsmanagern weit auseinander, nicht allein bei Mobius. Helden wie Warren Buffett, Bill Gross oder Jim Rogers zehren vom Ruhm vergangener Tage, viel mehr als Mittelmaß fördern sie kaum noch zutage. Vor der Finanzkrise fiel dies meist nicht weiter auf, denn Wirtschaft und Börse florierten, Anleihen brachten auskömmliche Renditen ein. Die blutleere Konjunkturerholung in den USA, Europa und Japan, die nachlassende Dynamik in den Schwellenländern und das Dauerzinstief legen die Schwächen der Gurus nun gnadenlos offen.

Die alten Rezepte funktionieren nicht mehr. Wer sich von einem Fonds heute noch eine auskömmliche Rendite verspricht, sollte wissen, wo die Gefahren lauern.

Renditefalle I: Hohe Fondsgebühren

Hohe Verwaltungskosten fressen bei vielen Fonds einen großen Teil der Rendite auf, selbst wenn ein Anleger Fonds ohne Ausgabeaufschlag an der Börse kauft. Der Templeton Emerging Markets von Mark Mobius ist ein Beispiel für das Problem. Die Gesamtkosten betragen 2,49 Prozent pro Jahr, "0,4 Prozentpunkte mehr als beim Durchschnitt der Vergleichsgruppe", kritisiert Morningstar.

Wohlgemerkt: Auch die Konkurrenz schafft es nicht, die selbst erzeugten Kosten zu kompensieren und ist deshalb schlechter als der Index - obwohl diese Manager Linie fliegen.

Anleger sollten daher auf börsengehandelte Indexfonds (Exchange Traded Funds, ETFs) setzen, die ohne Fondsmanager auskommen und einfach stur den Index nachbilden. Gesamtkosten pro Jahr: rund 0,75 Prozent. Dieser Kostenvorteil bringt mehr als die jahrzehntelange Erfahrung von Mobius.

Hat also Wirtschaftsnobelpreisträger Eugene Fama recht, wenn er sagt, dass Fondsmanager den Markt nach Kosten nicht dauerhaft schlagen können, weil der Markt alle relevanten Informationen stets zuverlässig und schnell verarbeitet?

Nicht unbedingt, sagt der gemeinsam mit Fama ausgezeichnete Yale-Ökonom Robert Shiller. Alles eine Frage des richtigen Ansatzes und der Zeitspanne.

Renditefalle II: Zu viel Trading

Ein guter Fondsmanager sollte von seinem Anleger mehrere Jahre Zeit bekommen. Über kurze Zeiträume von Tagen, Wochen oder Monaten, haben Fama und Shiller erkannt, ist es unmöglich, den Markt zu übertreffen.

Über längere Zeiträume zahlt es sich hingegen aus, auf Basis des Kurs-Gewinn-Verhältnisses Marktübertreibungen auszunutzen. Wenn Anleger also ihre Fonds alle paar Monate verkaufen, um einen vermeintlich besseren zu erwerben, machen sie damit jede Anlagestrategie zunichte.

Diesen Fehler begehen oft jene, die Renditefalle Nummer eins umgangen haben. Ständiges ETF-Trading ist teuer, auch wenn die Stückkosten niedriger sind. Eine Studie des Frankfurter Finanzprofessors Andreas Hackethal vom Februar 2013 belegt, dass Privatanleger beim Versuch, den richtigen Ein- und Ausstiegszeitpunkt zu finden, immer wieder scheitern.

Auch hektisches ETF-Trading ist teuer

Niemand sollte Zeit und Geld damit verschwenden, die Zukunft vorhersehen zu wollen, sagt James Montier vom US-Vermögensverwalter GMO: "Anleger sind im Allgemeinen hoffnungslos schlecht darin, Prognosen zu treffen."

Stattdessen sollten sie auf wenige, entscheidende Indikatoren achten, insbesondere auf die Bewertung im Verhältnis zu den langfristig realistischen Unternehmensgewinnen, rät Montier. Investieren sollten sie dort, wo ein attraktiver Preis im Verhältnis zu den erwarteten Zinsen und Dividenden ein günstiges Rendite-Risiko-Verhältnis erzeugt.

Dann heißt es abwarten, bis die Bewertungsverhältnisse sich wieder ihrem langfristigen Trend angeglichen haben.

Renditefalle III: Wenn Treue zum Problem wird

Für manchen Fondsmanager wird ausgerechnet die Treue seiner Fans zum Problem. Wenn ein Fonds durch immer neue Milliardenzuflüsse zu groß wird, kann der Manager seine Erfolgsstrategie kaum noch anwenden.

Ein Opfer seines eigenen Erfolgs ist Warren Buffett (83). Der geniale Investor aus Omaha hat es durch seine Aktieninvestments in unterbewertete Unternehmen innerhalb von mehr als 50 Jahren zu einem der reichsten Menschen der Welt gebracht. Bewunderer legen ihr Geld in Buffetts Holding Berkshire Hathaway  an und halten das für die solideste Vermögensverwaltung überhaupt.

Doch seit der Finanzkrise hat sich Berkshire schlechter entwickelt als der US-Leitindex S&P 500. Buffetts Aktie bot Anlegern keinen Schutz vor dem Crash.

Thomas Lange, Gründer und Chef des Hamburger Vermögensverwalters Lange Assets, überrascht das nicht. Buffett halte in seiner Holding "durchweg die größten US-Aktien wie Coca-Cola  und McDonald's ", sagt Lange, "da kann ich mir gleich ein ETF auf den Dow-Jones-Index kaufen."

Der Schweizer Autor Otto von Schwamendingen kommt in einer Analyse für die Anlagegesellschaft Edelweiss zu dem Schluss, dass es einen guten alten Buffett und einen enttäuschenden neuen Buffett gebe. Der neue habe den alten Buffett Ende der 90er Jahre ersetzt, rechnet Schwamendingen vor: In den zehn Jahren bis 2001 hätten Berkshire-Aktionäre eine Rendite von 536 Prozent erzielt. In den folgenden zehn Jahren bis 2011 waren es nur 18,6 Prozent.

An mangelndem Engagement kann es nicht liegen. Buffett hat kaum andere Hobbys, er steckt den Großteil seiner Zeit ins Unternehmen, anders als manche Kollegen.

Renditefalle IV: Viel beschäftigte Fondsmanager

Der Franzose Edouard Carmignac (66) ist im Gegensatz zu Warren Buffett an vielen Dingen interessiert. Neben der Leitung seiner Fondsgesellschaft mit inzwischen mehr als 55 Milliarden Euro Kundeneinlagen findet er zum Beispiel Zeit, einen Skulpturenpark an der südfranzösischen Küste für seine Kunstsammlung zu planen. Außerdem spielt er auf erstaunlich hohem Niveau Polo. Ende August gewann er mit seinem Sohn Hugues und zwei Profispielern die Coupe d'Or in Deauville. Ende Mai bis Mitte Juni war Carmignac bereits beim britischen Cartier Queen's Cup angetreten, im März 2012 hatte er erstmals an der Copa República Argentina teilgenommen - durchweg mit respektablen Resultaten.

Weniger beeindruckend waren zuletzt die Ergebnisse bei den von Edouard Carmignac  verwalteten Aktienfonds. Noch schlechter sieht es beim Mischfonds Patrimoine aus, dessen Aktienanteil Carmignac verantwortet. Seit Beginn der heißen Phase der Finanzkrise im Oktober 2008 schaffte der knapp 7 Prozent pro Jahr - sein Vergleichsindex jedoch 10 Prozent. Als Fehler erwiesen sich zuletzt Carmignacs Wetten auf die Schwellenländer.

Im Interview mit der "Financial Times" gibt sich der Franzose kämpferisch: "Ich könnte Warren Buffetts Sohn sein. Und trotz der Tatsache, das die Performance zuletzt etwas unbefriedigend war, habe ich meine geistigen Fähigkeiten noch."

"Wir sind vorsichtig, wenn ein Fonds extrem wächst"

Großanleger zeigen sich von dem Getöse allerdings unbeeindruckt. Jens Spudy vom Hamburger Multi-Family-Office Spudy & Co. hat den Carmignac-Aktienfonds bereits 2011 verkauft. Eingestiegen war er mit dem Geld seiner vermögenden Kundschaft vier Jahre zuvor, als der Fonds weniger als zwei Milliarden Euro enthielt; bei Verkauf waren es fast zehn Milliarden. "Wir sind vorsichtig, wenn ein Fonds so schnell so extrem wächst", sagt der Vermögensverwalter. Ebenfalls negativ fiel ihm auf, dass Carmignac zuletzt bei einem Analystenbesuch an dem Pariser Place Vendôme selbst keine Zeit hatte, sondern ein Mitglied des Anlagekomitees vorschickte.

Auch Vermögensverwalter Thomas Lange hat den Eindruck gewonnen, Edouard Carmignac delegiere immer stärker. Andreas Meißner vom Münchener Vermögensverwalter Novethos hat 2011 alle Fonds des Hauses veräußert.

Fondsexperten wie Meißner, Lange oder Spudy suchen heute abseits der milliardenschweren Branchengrößen nach Investmentboutiquen mit neuen Ideen und jungen, hungrigen Teams. Es lohnt sich, den Kleinen eine Chance zu geben. Besonders hohe Renditen erzielen viele Fondsmanager insbesondere in den ersten Jahren nach dem Start, wenn ihre Strategie innovativ ist, noch keine Nachahmer findet und sie wegen der geringen Größe flexibel agieren können.

Innovative Fonds eignen sich als Renditeturbos und Beimischung neben dem Basisdepot aus Aktien-ETFs. Novethos-Fachmann Meißner setzt derzeit auf die Optionsstrategie Paragon des Frankfurter Hedgefonds Tungsten sowie auf den Schroder GAIA Cat Bond, der in Katastrophenanleihen investiert, mit denen sich die Assekuranz gegen Sturm- und Flutschäden absichert. Thomas Lange schätzt den WHC Global Discovery, einen flexiblen Mischfonds.

Renditefalle V: Zu viele Anleihen in der Zinsflaute

Eine der größten Boomphasen der Finanzgeschichte ist an ihr Ende gekommen: der seit 1981 tendenziell anhaltende Anstieg der Anleihekurse. Parallel dazu sank die Rendite lang laufender US-Bonds von anfangs 15 Prozent auf weniger als 1,4 Prozent im Juli 2012. Es waren hochprofitable Zeiten für Manager wie Bill Gross (69), den Lenker des weltgrößten Anleihefonds Pimco Total Return.

Bond-König Gross ist eine ehrliche Haut. Er warnte seine Kunden schon vor mehr als einem Jahr, dass die guten Zeiten zu Ende sind. Den Markt hält er für manipuliert. Gestiegen seien die Kurse der Bonds und der Anleihefonds lange Jahre nicht "wegen der Weisheit der Investment-Community", sondern allein dank der Notenbanken, "die Geld druckten, Zinsen senkten und ein falsches Gefühl monetären Reichtums erzeugten".

"Zentralbanken haben den Finanzmarkt eingeseift"

Die Zentralbanken hätten den Finanzmarkt eingeseift und shampooniert wie ein Coiffeur seinen besten Kunden, klagt Gross, "ohne jede Vorahnung, dass die Shampooflasche irgendwann leer sein würde. Aber jetzt ist sie es."

Seit dem Zinstief vom Juli 2012 sind die US-Anleiherenditen auf 2,5 Prozent geklettert und die Kurse alter Anleihen mit niedrigeren Kupons deutlich gefallen. Die Trendwende bekam dem Pimco Total Return schlecht, mit einer Rendite von 3,4 Prozent pro Jahr liegt er seit Oktober 2010 einen Prozentpunkt unter dem Vergleichsindex.

Anhaltender Rückenwind für Gross ist nicht zu erwarten. "Am Rentenmarkt sind die Aussichten schlecht", sagt Dimitri Felber, Gründer von Felber FamilienConsulting. Das trifft auch Mischfonds wie den von Edouard Carmignac, der nach Alternativen suchen muss. Keine einfache Aufgabe.

Renditefalle VI: Alles auf einen Trend setzen

Jim Rogers (71) schien sich vor zehn Jahren sehr sicher zu sein, als er sein Buch "Rohstoffe - der attraktivste Markt der Welt" veröffentlichte. Diese These hat er seitdem häufig wiederholt. Noch im April ließ der Guru alle Welt wissen, dass er weiterhin Rohstoffe kaufe, weil der Boom nicht vorüber sei.

Doch seinen Investoren half dieser einseitige Optimismus wenig. Auf Dreijahressicht haben Anleger mit dem Jim Rogers International Commodity Index Fund Geld verloren. So geht es vielen Trendpropheten und ihren Jüngern.

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"Manche Leute haben nur ein Thema", warnt Vermögensverwalter Jens Spudy. "Die haben eine Zeit lang recht - und dann irgendwann nicht mehr."

Wetten auf einzelne Trends sollten deshalb höchstens einen kleinen Teil des Anlagedepots ausmachen.

Renditefalle VII: Automatisierte Handelssysteme

Mitunter versprechen Finanzgenies, ein Computermodell zu besitzen, das Trends aufspürt und so dauerhaft für eine höhere Rendite sorgt als der Markt. So wie John Taylor (70). Mit dem Global Currency Program und anderen Währungsstrategien wurde sein Unternehmen FX Concepts zum größten Devisen-Hedgefonds der Welt. Auf seinem Zenit, im Jahr 2008, hatten ihm Kunden 14 Milliarden Dollar anvertraut.

Mitte Oktober teilte FX Concepts nach herben Verlusten mit, dass es den Betrieb einstellen werde. Der Fonds war mit nur noch 661 Millionen Dollar nicht mehr profitabel weiterzuführen. "Das Ende von FX Concepts zeigt, dass viele Modelle nicht mehr funktionieren, weil die Zentralbanken stark in den Markt eingreifen und die unerwartete Wortmeldung irgendeines Staatssekretärs stärkere Reaktionen an der Börse verursacht als harte Wirtschaftsdaten", warnt Fondsexperte Julien Zornig von Astorius Capital in Hamburg.

FX Concepts ist kein Einzelfall. Schon vor einem Jahr schloss John W. Henry seinen nach ihm benannten Hedgefonds. Dessen Volumen war von mehr als 2,5 Milliarden Dollar im Jahr 2006 auf weniger als 100 Millionen Dollar geschrumpft. Henry galt lange als einer der größten Trendfolger aller Zeiten.

Seit einigen Jahren nun investiert er sein von "Forbes" auf 1,7 Milliarden Dollar geschätztes Privatvermögen antizyklisch, also gegen den Trend. 2002 erwarb er die Baseball-Mannschaft Boston Red Sox, die seit 1918 nicht mehr die World Series gewonnen hatte. 2010 kaufte er den britischen Fußballklub Liverpool FC.

Heute steht Liverpool auf einem der Spitzenplätze der Tabelle und die Red Sox holten Ende Oktober wieder den Titel, wie schon 2004 und 2007.

Der Fall zeigt, dass es für alle Seiten das Beste sein kann, wenn Anleger einem Starfondsmanager den Rücken kehren und ihn zwingen, sich neue Aufgaben zu suchen.

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