Montag, 17. Juni 2019

Buchtipp: "Big Business" CEOs - die Helden der Gegenwart

Ein Ökonom schreibt einen Liebesbrief an die Unternehmenswelt.

Einsame Spitze: GM-Chefin Mary Barra - für Autor Cowen eine Heldin der Gegenwart

An der Börse der öffentlichen Werturteile ist Tyler Cowen so etwas wie der eigensinnige Value-Investor. Ist eine Idee momentan über- oder unterbewertet? Diese Frage ist das Markenzeichen des Ökonomen, Kolumnisten und Bestsellerautors von der George Mason University bei Washington, D. C.

Buchtipp

Tyler Cowen: Big Business

Macmillan USA, 288 Seiten, 17,50 Euro

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Das System des US-Business jedenfalls hält Cowen derzeit für krass unterbewertet. Die empörten Debatten über Riesenboni, Wall-Street-Zocker oder Techmonopolisten seien viel zu einseitig. Dagegen stellt er ein ganz unerwartetes Zartgefühl: "Wir lieben die Unternehmen nicht genug", heißt die Kernthese seines neuen Buchs.

Konsequent flicht Cowen also ein Argumenteband der Sympathie: Er preist die alltäglichen Glanzleistungen einer gut gemanagten Wirtschaft. Relativiert ihre Sünden als selten. Zerlegt gängige Klischees. Es ist ein Balanceakt zwischen intelligenter Ehrenrettung und Wirtschaftskitsch zum Fremdschämen.

Überbezahlte Vorstände? Für Cowen sind heutige CEOs die "erfolgreichen Philosophen der Moderne", wahre "Super-Überflieger", die so rar sind, dass sie eben viel Geld kosten. Das Vergütungssystem sei "nicht perfekt" - aber "viel besser, als die meisten denken".


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Überhaupt: die Systeme. Sie sind Cowens eigentliches Herzensding. Sein Manifest ist Erquickung für Managerseelen. Doch für den schlimmsten Denkfehler hält er es, dass "die Wirtschaft" ständig zu einer Art Person gemacht werde. Wo ihre Kraft zum Guten doch in Wahrheit in abstrakten Regeln stecke.

Da schimmert echte Liebe durch. Allerdings die eines ausgeprägten Kopfmenschen.

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