Libor-Manipulation und die Folgen Chronik zweier Skandale

Erst manipulierte eine Bankerclique den Libor, dann kamen die Chefs auch noch unbehelligt davon.
Als einzige an seinder Seite: Anwältin Sarah Tighe, Ehefrau des verurteilten UBS-Bankers Tom Hayes

Als einzige an seinder Seite: Anwältin Sarah Tighe, Ehefrau des verurteilten UBS-Bankers Tom Hayes

Foto: REUTERS

Der frühere UBS-Starhändler Tom Hayes ist der bekannteste jener Trader, die den wichtigsten Zinssatz der Welt manipulierten, den Libor. Die Gang sorgte für mal zu hohe, mal für zu niedrige Datenmeldungen ihrer Banken an das Libor-Komitee - und beeinflusste so den Zins zu ihren Gunsten. Damit schadete sie Millionen von Menschen, deren Hypothekenkredite davon abhingen.

Für sein Buch über diesen Skandal hat "Wall Street Journal"-Reporter David Enrich ausführlich mit Hayes und anderen Beteiligten gesprochen und die Ermittlungsakten ausgewertet. Das Ergebnis ist eine sehr lesenswerte Rekonstruktion eines der größten Bankenskandale - und eine Abrechnung mit dem "korrupten, kaputten Finanzsystem".

Das Werk ist prall gefüllt mit erhellenden Details. Der menschenscheue Mathe-Nerd Hayes lernte früh den Wert des Geldes kennen: Seit einem Besuch des Gerichtsvollziehers bei den Eltern trug der Londoner als Teenager seine liebsten Stücke immer im Rucksack bei sich. Die Mutter arbeitete für Finanzminister und Bankenderegulierer Gordon Brown. Hayes' Großvater war Aktienhändler und schwärmte ihm von seinen Insidergeschäften vor.

Dass Hayes heute als alleiniger Sündenbock dasteht, ist der zweite Skandal neben der Manipulation selbst, so die Botschaft des Buchs. Der heutige CEO der Deutschen Börse, Carsten Kengeter, damals Co-Chef der UBS-Investmentbank , warb persönlich um Hayes und setzte sich für höhere Boni ein - als Kollegen schon über Hayes' Libor-Tricks lästerten. Als der Skandal schließlich aufflog, nutzte die UBS eine Kronzeugenregelung und prägte damit den Verlauf der Ermittlungen.

Hier geht es zu den Wirtschafts-Bestellern vom manager magazin

Hayes, Vater eines fünfjährigen Sohnes, verbüßt derzeit eine elfjährige Haftstrafe und wehrt sich zusammen mit seiner Frau gegen die ihm angelasteten Vorwürfe; kaum einer sonst wurde zu Haft verurteilt. So viel ist klar: Vertrauen in das Bankensystem weckt die halbherzige Aufklärung des Libor-Skandals nicht.

Mehr lesen über Verwandte Artikel