Freitag, 18. Oktober 2019

Fünf Minuten mit Boris Palmer, Tübingens grüner Oberbürgermeister "Maul aufmachen"

Boris Palmer, Grünen-Politiker mit eigener Meinung.
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Boris Palmer, Grünen-Politiker mit eigener Meinung.

2. Teil: "Kreuzbrave Kinder wären mein Albtraum"

mm: Stimmt es, dass Ihr Vater Ihr Abizeugnis (1,0) ohne Ihr Wissen an Zeitungen gefaxt hat?

Boris Palmer: Mein Vater war nur nach außen der Remstal-Rebell, nach innen war er absolutistischer Herrscher. Er redete vom Widerspruch als erster Bürgerpflicht - aber wehe, in der Familie widersprach ihm einer. Mit dem Fax wollte er beweisen, dass er selbst ein heller Kopf ist, da er so einen g'scheiten Sohn hat.

mm: Er war sicher sehr stolz auf Sie.

Boris Palmer: Gesagt hat er's nicht. Es galt der alte schwäbische Spruch: "Ned g'schimpft isch gnuag g'lobt." Auch das halte ich anders. Bei meinen Kindern setze ich auf Diskurs statt Dominanz.

mm: Es wachsen also neue Querköpfe heran im Hause Palmer.

Boris Palmer: Erziehung zur Freiheit halte ich für fundamental. Für Eltern mag das bisweilen anstrengend und auch schmerzhaft sein - vor allem wenn die Freiheit genutzt wird. Aber kreuzbrave Kinder wären mein persönlicher Albtraum.

mm: Ihren Dienstwagen haben Sie brav durch ein E-Bike ersetzt. Kleine moralische Schubser sind offenbar erlaubt?

Boris Palmer: Eine wichtige Aufgabe als Politiker ist es, komplexe Inhalte in Symbole zu verpacken. Die Welt ist komplex, stark reduzierte Botschaften helfen bei der Einordnung. Aber in der Verpackung müssen auch Inhalte sein.

mm: Sind Sie einer dieser Radfahrer, die andere rundmachen, wenn sie ohne Licht unterwegs sind?

Boris Palmer: Da halte ich mich zurück. Theoretisch dürfte ich sogar polizeiliche Maßnahmen ergreifen und Strafzettel verteilen. Aber Disziplinierung aus dem Sattel heraus ist zu gefährlich. Und zum Absteigen fehlt mir meistens die Zeit.

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