Freitag, 19. April 2019

BMW-Chef Harald Krüger greift an BMW - das deutsche Apple

Krügers Strategie: BMW - Apple inside
Dirk Bruniecki für manager magazin

Neuer Chef, neue Strategie, neue Welt: Die Titelgeschichte des manager magazins aus dem August zeigt, wie Harald Krüger den Marktführer auf die Zukunft vorbereitet. Krügers Vorbild baut gar keine Autos.

Wozu, verdammt noch mal, brauchen wir eigentlich Autos? Blöde Frage, oder? "Früher war das Pferd ein Transportmittel", erklärte unlängst der Chef eines amerikanischen Hightechunternehmens einer Gruppe von BMW-Vorständen und -Bereichsleitern. "Heute fällt es unter die Kategorie, Sports, Arts, Leisure." Und das Auto? "Ist Transportmittel und Milliardengeschäft." Aber in 15 Jahren? "Sports, Arts, Leisure." "Die Runde hat gestaunt", berichtet ein Teilnehmer.

Sport, Kunst, Freizeit. Klingt verwegen. Stimmt die These, braucht künftig niemand mehr einen BMW.

Für die Manager eines Konzerns, der 2014 Autos und Motorräder für 80 Milliarden Euro verkaufte und reparierte, der netto fast 6 Milliarden Euro Gewinn einfuhr und 118.000 Mitarbeiter beschäftigt, ist das eine düstere Prognose. Eine, die das Geschäftsmodell der Münchener aus den Angeln hebt. Transportmittel wären dann autonom fahrende Google-Eier, und nur wer mal sportlich ausreiten will, nimmt sich einen BMW, beispielsweise.

Die Vision des CEOs aus dem Silicon Valley war nicht der einzige aufrüttelnde Moment, den die Automanager bei ihren Workshops auf Gut Schwärzenbach erlebten. In die Postkartenidylle am Tegernsee lädt Konzernchef Harald Krüger (49) alle fünf Wochen seine Vorstände. Im BMW-Tagungszentrum diskutieren sie dann, wie das Unternehmen 2025 und in der ferneren Zukunft funktionieren und was es herstellen soll.

Das Ziel der Runde: Auch wenn sich die Autowelt radikal wandelt - BMW soll der führende Hersteller von Premiumautos bleiben. Vor Audi. Vor Mercedes. Und natürlich vor neuen Rivalen wie dem kalifornischen Elektrospezialisten Tesla Börsen-Chart zeigen.

Neun Jahre ist es her, da entwarf Krügers Vorgänger, der heutige Aufsichtsratschef Norbert Reithofer (59), auf Gut Schwärzenbach das Programm für seine Amtszeit: die Strategie "Number One". Sie war, kein Zweifel, ein großer Erfolg.

Vor wenigen Monaten hat Harald Krüger Reithofer als Konzernchef abgelöst. Er braucht jetzt ein neues, wahrscheinlich ganz anderes Programm. Wer ihn fragt, wie es aussehen wird, muss mit einer Gegenfrage rechnen: Was glauben Sie denn, was nötig ist?

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