Samstag, 7. Dezember 2019

Testfahrt im Porsche Macan Turbo Klein, aber laut

Porsche Macan: Spurtstarker kleiner Bruder
Porsche

Spurtstark, kurvenstramm und präzise: Der Macan hat mehr von Porsches Sportwagen-Genen als sein großer Bruder Cayenne.

Hamburg - Lange hat es gedauert, nun ist er da: der Macan, das neue Kerlchen von Porsche. Und er verhält sich gegenüber seinem großen Bruder, dem Cayenne, so, wie das alle kleineren Geschwister tun: Er muckt auf, will den Großen beweisen, dass er genauso stark ist. Besonders ausgeprägt ist dieses Verhalten beim Macan Turbo, der - trotz seiner zwei Tonnen Gewicht - kaum weiß, wohin mit seinen 400 PS.

Dass der Macan ein vollwertiges SUV ist, beweist er im Gelände. Da turnt er dank seiner aufwendigen Antriebs- und Fahrwerkstechnik ähnlich behände herum wie der Cayenne. Aber hat er auch die Sportwagen-DNA, die man von einem Porsche erwartet?

Erste Prüfung: Katapultstart. Der Turbo benötigt keine fünf Sekunden, um auf 100 zu beschleunigen. Bestanden! Auf der Autobahn zeigt sich der Macan ebenfalls spurtstark und schnell, auch jenseits der 220 Stundenkilometer. Auf der Landstraße nimmt er trotz seiner vergleichsweise hohen Bauweise die Kurven stramm, präzise und ohne Wankbewegungen - zumindest wenn er, wie der Testwagen, mit so teuren Extras wie einer Luftfederung, einer elektronischen Hinterachsquersperre und einer ebensolchen Dämpfersteuerung ausgerüstet ist.

Mehr als 50 Schalter im Cockpit

Porsches Soundingenieure haben in alle Trickkisten gegriffen, sodass bei hohen Drehzahlen ein kernig-kehliges Motorgeräusch das ganze Cockpit ausfüllt. Der Klang reicht zwar nicht an die blecherne Bissigkeit der Carrera-Maschine heran. Dennoch dominieren die Porsche-Gene über alle sonstigen Bauelemente, die aus den Regaltiefen der Volkswagen-Teilelager in die Macan-Produktion gefunden haben mögen.

Allein das antiquierte Bedienkonzept des Macan trübt das Fahrvergnügen. Gut 13 Jahre nachdem BMW mit seinem iDrive die Menüsteuerung eingeführt hat, setzt Porsche noch immer auf Knöpfe, Hebel, Wippen und Roller. Über 50 solcher Schalter finden sich über das ganze Cockpit verteilt bis hinauf in den Dachhimmel.

Die Anordnung ist teilweise so wirr, dass auch gutwillige Piloten nicht immer die passende Taste finden - und wer sich bei Tempo 200 auf die Suche nach dem richtigen Schalter macht, kann sich nur schwer auf die Straße konzentrieren. Dass das zwölf Jahre ältere Bedienkonzept des Cayenne ähnlich umständlich ist, tröstet wenig.

Fazit: Wem Schalter egal sind, der bekommt mit dem kleinen Bruder Macan ein echtes Porsche-SUV - für deutlich weniger Geld.

© manager magazin 10/2014
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