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VW XL1 im Fahrtest: Unterwegs Richtung Zukunft

Foto: Michael Danner für manager magazin

Testfahrt im VW XL1 Aus Spaß am Sparen

Die ultramoderne Zweisitzflunder VW XL1 verbraucht weniger als einen Liter Sprit auf 100 Kilometer. Für manager magazin testete Martin Halder, Vorstand der Berliner Meilenwerk AG, den coolen Plug-in-Hybrid.

Berlin - Martin Halder ist ein Mann, der mit Widersprüchen souverän umgeht: Als "Hohepriester der Automobilität mit Verbrennungsantrieb" bezeichnet er sich gern selbst, einerseits. Andererseits wollte der Gründer und Vorstand der Berliner Meilenwerk AG unbedingt Volkswagens neuestes Versuchsauto Probe fahren, bei dem das Dieselmotörchen mit gerade mal 0,8 Liter Hubraum nur eine untergeordnete Rolle spielt: Der in Kleinserie gebaute XL1 heißt so, weil sein Plug-in-Hybridantrieb weniger als einen Liter Sprit auf 100 Kilometer verbraucht, gemessen nach Euronorm.

Hinter Halders Wunsch steht ein starkes berufliches Interesse: Die Meilenwerke, die in deutschen Großstädten bisher vor allem Old- und Youngtimer restaurieren, ausstellen und mit ihnen handeln, sollen sich zu Zentren der automobilen Kultur mausern, mithin zukunftsweisende Konzepte präsentieren. Halder engagiert sich zu diesem Thema in einem überparteilichen "Parlamentskreis".

An diesem Morgen in der Hauptstadt prallen nun zwei Welten aufeinander: Hier Porsche-Pilot Halder, dessen maisgelber Targa so alt ist wie der Manager selbst: 44 Jahre. Dort die ultramoderne Zweisitzflunder von VW. Gebaut aus Carbonfasern, Magnesium und anderen Ultraleichtmaterialien, vollgepackt mit Lithium-Ionen-Batterien, Kamerasystemen und allem, was sonst noch an Hightech auf die Straße darf.

Die Vorbereitungen zur Ausfahrt fallen kürzer aus als gewohnt: Die Sitze aus Carbon - die längs versetzte Anordnung erlaubt eine schmalere Bauweise, was den Luftwiderstand verringert - lassen sich nicht verschieben. Auch die Spiegel müssen nicht eingestellt werden: Statt der aerodynamisch ungünstigen Außenteile blicken zwei winzige - folglich windschlüpfrige - Kameras nach hinten. Kleine Farbdisplays in den Türen geben ihre Weitwinkelaufnahmen wieder: ein Überraschungseffekt, der besseren Überblick bietet als erwartet. Die Fummelei am Innenspiegel entfällt ebenfalls, da der XL1 kein Heckfenster besitzt.

Eine Kreuzung aus Motorsäge und Sowjetpanzer dröhnt los

Halder beginnt die Testfahrt im EV-Modus. Das Auto wird dann nur elektrisch angetrieben; nach Werksangaben reicht die am Stromnetz aufladbare ("Plug-in") Fahrbatterie für 50 Kilometer. Tatsächlich schwimmt der XL1 mühelos mit im Stadtverkehr. Vorder- und Hinterachse allerdings poltern wie bei einem abgerockten Kieslaster. Das mag mit der Leichtbauweise des XL1 zusammenhängen. Allerdings, merkt Martin Halder kritisch an, "hätte VW ruhig das eine oder andere Kilo Dämmmaterial spendieren dürfen". Was aber unterblieb, um das Leergewicht unter 800 Kilo zu halten.

Beim Abbiegen auf die Stadtautobahn drückt Halder das rechte Pedal durch. Sofort schaltet sich der Zweizylinder zu - und erzeugt im Rücken der Insassen ein Getöse, als hätten die Techniker eine Kreuzung aus Motorsäge und Sowjetpanzer im Heck eingebaut. Der Tester erinnert erneut an die segensreiche Wirkung von etwas Dämmwolle.

Mit Beschleunigung und kombinierter Motorleistung aber ist Halder "vollauf zufrieden". Auf der Avus erreicht der XL1 mühelos seine Höchstgeschwindigkeit von Tempo 160. "Das reicht", findet Halder. Prompt regelt die Elektronik den Kleinwagen automatisch ab.

Nach 60 Kilometern Testfahrt hat sich laut Anzeige der Füllstand des Zehn-Liter-Tanks kaum verändert; die Batterie ist noch zu 30 Prozent geladen. Dank seines spektakulären Designs sei der XL1 "die derzeit wohl schönste Form, Energie zu sparen", bilanziert Martin Halder. Über einen Kauf will er nachdenken, sobald VW den Preis für die geplante Kleinserie bekannt gibt.

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