Donnerstag, 23. Mai 2019

Wie Audi, BMW und Mercedes gegen Elon Musk bestehen wollen Alle gegen Tesla - Deutschlands digitale Car-Guys

Autoindustrie: Deutsche Autobauer im Existenzkampf
BMW

7. Teil: V. Das Beste aus beiden Welten - oder das Schlechteste?

Noch suchen alle den Heiligen Gral. GM-CEO Mary Barra (54) hat vergangenes Jahr 30 Topmanager viermal für eine Woche ins Zukunftscamp geschickt. Gemeinsam mit Forschern der kalifornischen Universität Stanford hat die Truppe, darunter auch Opels Marketingmuse Tina Müller (47), die Glaskugel befragt.

Toyota-Chef Akio Toyoda investiert eine Milliarde Dollar in ein Zentrum für künstliche Intelligenz, natürlich im Silicon Valley. Und Ford-Lenker Mark Fields (55) hat einen ganz neuen Markt für seinen Konzern entdeckt. Er will nicht länger nur Autos verkaufen, sondern Transporte. Eine Zahl für das potenzielle Transportvolumen liefert er gleich mit: 5,4 Billionen Dollar im Jahr.

Daimler gibt sich da deutlich bescheidener. Eine Milliarde Euro Umsatz hat Konzernchef Zetsche für seine Tochter Moovel als Ziel für 2020 ausgegeben. Moovel soll einmal zur Mobilitätsplattform werden. Heute vereint das Unternehmen unter anderem die App My Taxi und den Mietwagenanbieter Car2Go. Das sei "echtes Geschäft", sagt Zetsches Digitalstar Sajjad Khan, "da müssen wir weiter angreifen."

Doch der Konzernboss bremst. Car2Go schreibt Verlust, und zwar dreistellig. Apple-Chef Tim Cook (55) mag über solche Summen lächeln. Wenn er einen Wachstumsmarkt ausgemacht hat, spielt Geld keine Rolle. Bei Dieter Zetsche ist das anders. Car2Go zieht sich aus den ersten Städten zurück. Daimler saniert sein derzeit größtes Zukunftsprojekt. Nicht Glaube regiert, sondern Realismus.

Doch funktioniert die automobile Revolution auch in kleinen Schritten? Kann man gleichzeitig die Rendite maximieren und die Autowelt neu erfinden? Wenn Rupert Stadler sich die Zukunft malen könnte, dann so: 50 Prozent des Geschäfts steuern bei Audi künftig Software- und Serviceangebote bei, das ergäbe aus heutiger Sicht gut 2,6 Milliarden Euro Gewinn. 2020 könne es so weit sein, hat Stadler mal gesagt. Da war er ein bisschen zu forsch. "Irgendwann", heißt es jetzt.

Also mehr Weckruf als Vision. Stadler will seinen Leuten aufzeigen, was möglich sein muss. Ihm schwebt ein Upgrade (und Update) des traditionellen Geschäfts vor.

Auch da ist Tesla der Konkurrenz längst enteilt. Die Amerikaner bieten zum Beispiel seit 2015 den "ludicrous mode" an. Wer will, kann sich diesen "Wahnsinnsmodus" übers Internet aufspielen lassen. Das Model S beschleunigt mit dem Leistungspaket in 3,0 Sekunden von null auf hundert, das schwerere Model X in 3,4 Sekunden.

Stadler staunt. Über die Extrapower, noch mehr aber über die Extraeinnahmen. 10.000 Dollar kostet das Software-Update.

Anmerkung: Dieser Text erschien zuerst in der April-Ausgabe von manager magazin (4/2016)

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