Montag, 17. Februar 2020

Autotest Audi Q7 - Was der Autopilot kann und was nicht Autoritär und freudlos

Audi Q7: Alle in einem
Audi

Die Assistenzsysteme des Audi Q7 sollen den Fahrer entlasten. Beim "autonomen Fahren" können sie aber ziemlich autoritär sein.

Der Kalorienwert hat sich deutlich verbessert: Der neue Q7 von Audi ist 300 Kilo leichter als sein Vorgänger, und er frisst (auf dem Prüfstand) auch 28 Prozent weniger Sprit. Seinen äußeren Werten hingegen bleibt das SUV treu: Mit 5,05 Meter Gesamtlänge, 1,74 Außenhöhe und 1,57 maximaler Innenbreite schafft der Q7 genügend Platz für eine Großfamilie - der dritten Sitzreihe im Kofferraum (gegen Aufpreis) sei Dank.

Auf eine Bewertung des Dreiliter-Turbobenziner-Motors sei hier in Anbetracht des Abgasskandals im VW-Konzern verzichtet. Das Fahrwerk, beim Testwagen mit adaptiver Luftfederung, ist tadellos. Und beim Allrad macht Audi sowieso niemand was vor.

So weit, so nüchtern. Viel reizvoller ist da schon die neue Hightech, die weitere Schritte in Richtung autonomes Fahren erlaubt. Meine Ausfahrt, bei der ich damit ein wenig experimentieren möchte, führt mich von Nürnberg über die Fränkische Schweiz nach Leipzig. Auf der Landstraße im Pegnitztal überlasse ich es der Automatik, Getriebeschaltung, Motortemperament, ASR und ESP auf meine Fahrweise abzustimmen: Prompt wieselt der Q7 sicher und präzise, ohne zu wanken, durch die zum Teil scharfen Kurven - trotz nassen Asphalts. Das Leergewicht von über zwei Tonnen macht sich kaum bemerkbar.

Abenteuer wider Willen im Parkhaus

Auf der Autobahn lasse ich dann den "Autopiloten" das Tempo selbstständig auf das geltende Tempolimit regulieren. Das klappt passabel, bis die Außenkameras irrtümlich Verkehrsschilder auf der Nachbarspur lesen. Wenn dort, etwa in einer Baustelle auf einem Rasthausparkplatz, Tempo 30 herrscht, bremst der Audi auf der Autobahn ziemlich abrupt ab. Das ist lästig, kann sogar gefährlich werden. Außerdem schaltet die Abstandsautomatik immer wieder auf die weiteste Distanz zum Vordermann - ohne dies dem Fahrer mitzuteilen. Das macht Überholvorgänge langwierig.

Ausfahrt
Andreas Chudowski
Michael O. R. Kröher
testet jeden Monat ein anderes Führungs-kraftfahrzeug.
Erst recht, wenn zuvor der "Spritspar"-Modus "Efficiency" gewählt wurde. Dann fährt sich der zuvor so agile Q7 temperamentlos, reagiert fast nur noch auf maximalen Kick-down. Wenn die Assistenzsysteme zu mächtig werden, gleicht autonomes Fahren einem Ausflug mit der Gouvernante: autoritär und freudlos.

Das Parkhaus am Zielort wird dann zu einem Abenteuer wider Willen. Zwar verfügt der Q7 über alle erdenklichen Parkhilfen: Ultraschallsensoren auch an den Seiten, Kameras vorn und hinten, eine Draufsicht-Panoramasimulation im Monitor. Der Rangiervorgang selbst erinnert dann aber doch eher an den einer Güterlok.

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