Montag, 11. November 2019

Art consulting Die neuen Broker

Art Consultants: Die Broker des Kunstmarkts
Robert Brembeck für manager magazin

Ein Bild kaufen? Einfach. Eine Sammlung aufbauen? Schwer. Eine kleine verschwiegene Schar von Beratern bietet professionelle Hilfe für die wachsende Gemeinde reicher Sammler auf ihren Beutezügen.

München - Sie ist eine der prominentesten Beraterinnen des Landes, und doch ist ihr Arbeitsplatz bescheiden: ein riesiger alter Holztisch, um den herum zwei Katzen streichen. Viel mehr braucht Mon Muellerschoen in ihrer Schwabinger Altbauwohnung nicht, wenn sie Kunden empfängt, hoch in der Wirtschaft angesiedelte Menschen, die ihre Neigung zur Kunst (und deren Erwerb) entdeckt haben. Und dabei Rat suchen.

Die Namen ihrer Klienten sind Geschäftsgeheimnis, Diskretion ist in dieser Welt des großen Geldes erstes Gebot. Nur einige wenige darf sie nennen, und die sprechen für sich: Roland Berger, Hubert Burda, Christiane zu Salm.

Auch ein junger Mann im Alter ihrer Söhne, Student und mit einem Start-up zu reichlich Geld gekommen, macht ihr viel Freude. Er wandte sich kürzlich an sie mit der Bitte, für 50.000 Euro eine kleine Sammlung zu begründen.

"Im Moment sind es etwa 7000 Kunstwerke, die wir hier betreuen", sagt die gelernte Kunsthistorikerin. Sieben bis acht große Sammlungen und noch ein paar kleinere. Dafür nimmt sie ein Honorar von 3 bis 15 Prozent, je nach Auftragsumfang.

Eine Kunstsammlung als Lifestyle-Tool

Ebenfalls mit im Angebot: Auktionsbesuche, Konzepte, nach denen die Werke ausgewählt werden, ein Allroundservice für die Sammler, vom Ateliertreffen bis zu Versicherung und Steuertipps. Und freudiges Networking zwischen den Schicken und Mondänen längs der Isar, das oftmals neue Kundschaft ins Haus bringt. "Ich bin ein Workaholic, mich kann man twenty-four-seven erreichen."

Mon Muellerschoen gehört zur Spitzenriege der kleinen, aber seit einem Jahrzehnt zügig wachsenden Schar der Kunstberater oder, angelsächsisch, Art Consultants. Deren Dienste gern beansprucht werden, wo es unter reichen Privatleuten schick geworden ist, sich mit Kunst zu umgeben. Eine eigene Kollektion sei heute das ultimative "Lifestyle-Tool", sagt Muellerschoen, das Statussymbol schlechthin.

Noch dazu eines, das in besseren Kreisen immer häufiger als sichere, oft sogar äußerst rentable Geldanlage geschätzt wird. Immer vorausgesetzt, der Investor blickt durch im Dickicht der Stile und Moden, der Namen und Preise, der Steuervorteile und Marktusancen. Mit anderen Worten: Wer in der Kunstwelt mitmischen will, ohne sich zu blamieren oder draufzuzahlen, braucht Hilfe.

Das Geschäft der Art Consultants. In den USA, dem Mutterland der Kunstberater, sind das Leute wie Thea Westreich, die eine stattliche Anzahl großkalibriger Privatsammlungen betreut, oder Sandy Heller, der persönliche Berater von Hedgefondsmanager Steven Cohen. Sie ermöglichen Kontakte, Zugriff auf rare Kunstware, stattliche Rabatte für eine oftmals anonyme Kundschaft. 95 Prozent des New Yorker Kunsthandels, schätzte Brett Gorvey, Vizechef bei Christie's, bereits vor Jahren, würden von Scharen hochprofessionell arbeitender Kunstberater generiert - für ihre sammelwütigen Klienten.

© manager magazin 1/2014
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