Mittwoch, 23. Oktober 2019

Fiat-Chrysler-Manager wechselt zum iPhone-Konzern Apple wildert weiter in der Autobranche

Bislang ist Apple in der Autobranche nur mit der Software CarPlay vertreten. Ab 2020 soll Berichten zufolge auch das erste Auto von Apple auf den Markt kommen - sofern der Vorstand das Projekt nicht noch stoppt

Apple hat sich den nächsten Experten aus der Autoindustrie geschnappt. Der iPhone-Hersteller heuerte den früheren Fiat-Chrysler-Manager Doug Betts. Er war beim italienisch-amerikanischen Konzern bis Ende 2014 für das Qualitätsmanagement zuständig. Betts verließ das Unternehmen nur einen Tag nach der Veröffentlichung einer Studie, in der die Zuverlässigkeit der Fiat Chrysler Autos kritisiert wurde. Betts neuer Arbeitgeber ist über sein Profil auf dem Karrierenetzwerk Linkedin einzusehen. Das berichtete zuerst das "Wall Street Journal" (€).

Der iPhone-Hersteller soll verschiedenen Medienberichten zufolge an der Entwicklung eines Elektroautos arbeiten. Das Projekt laufe intern unter dem Namen "Titan". Sofern der Vorstand die Entwicklung nicht noch einstellen lässt, soll das erste Auto von Apple im Jahr 2020 auf den Markt kommen. Das Unternehmen aus Cupertino hat die Pläne bislang nie offiziell bestätigt - genauso wie es das bei keiner anderen neuen Produktkategorie jemals vor einer Präsentation gemacht hat.

Die Pläne von Apple und Wettbewerber Google werden in der Autobranche genauestens beobachtet. Die Chefs deutscher Autobauer wie Daimler und Volkswagen äußerten sich bislang mit Respekt, aber ohne Furcht.

Was Betts genau macht, darüber gibt er auf Linkedin keine Auskunft. Theoretisch könnte er auch an anderen Apple-Produkten arbeiten, was angesichts seines Profils aber eher unwahrscheinlich ist. Betts hatte vor seiner Station bei Fiat Chrysler bereits bei Nissan und Toyota im Qualitätsmanagement gearbeitet und sich bei beiden Unternehmen auch mit der Zulieferkette auseinander gesetzt. Das ist zumindest seinem Linkedin-Profil zu entnehmen.

Apple will angeblich ein Team von 1000 Mitarbeitern zusammenstellen, das die Entwicklung eines Elektroautos vorantreiben soll. Angeführt werde es von Steve Zadesky, einem langjährigen Apple-Manager und Ex-Mitarbeiter des Autokonzerns Ford.

Neben Betts hatte Apple zuvor bereits bei Daimler einen Manager abgeworben und aggressiv beim Elektroautobauer Tesla gewildert. Unternehmenschef Elon Musk hatte über von Apple angebotene Wechselprämien für Tesla-Mitarbeiter in Höhe von 250.000 Dollar berichtet. Außerdem hatte der IT-Konzern zahlreiche Mitarbeiter des Batterieherstellers A123 Systems abgeworben, woraufhin dieser gegen das wertvollste Unternehmen der Welt Klage einreichte. A123 Systems hatte seinen früheren Mitarbeitern Vertragsbruch vorgeworfen, wofür Apple verantwortlich sein sollte. Aus Meldungen an die Börsenaufsicht SEC geht hervor, dass beide Parteien im März dieses Jahres kurz vor einer Einigung standen.

Das "Wall Street Journal" berichtete aktuell zudem, Apple habe auch Paul Furgale von der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich abgeworben. Furgale war dort stellvertretender Direktor der Autonomous Systems Lab und war unter anderem an gemeinsamen Projekten mit Google und der Europäischen Kommission beteiligt. Bei letzterem ging es um Fahrzeuge, die selbstständig einparken können. Furgale habe bereits damit begonnen, für Apple Studierende und Wissenschaftler anzuwerben.

Apple wird heute Abend nach Börsenschluss Geschäftszahlen für das abgelaufene Quartal vorlegen und voraussichtlich einen neuen Rekordstand für die Kapitalreserven nennen. Angesichts von annährend 200 Milliarden Dollar Cash-Reserven trauen Experten Apple durchaus Chancen im Automarkt zu. Bislang verdient der Konzern allen voran sein Geld mit dem Verkauf von Millionen iPhones.

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