Mittwoch, 27. Mai 2020

Apple, Google, Facebook, Uber American Hybris

2. Teil: Ubers Cowboy-Masche: Erst mal rein in den Markt, dann die Gesetze ändern

Das Problem von Uber-Chef Travis Kalanick: Bei der Cowboynummer "Erst durchstarten und dann die Gesetze passend machen" ist die Expansion aus der Spur geraten. Nirgendwo lässt sich das gegenwärtig besser beobachten als in good old Germany.
Es sind die immer gleichen Botschaften, die Uber-Chef Travis Kalanick in Deutschland verbreitet. Er wolle doch das Leben nur verbessern, deshalb solle man ihn einfach machen lassen. So fragte er neulich auf dem wichtigsten Branchentreffen, der Digital-Life-Design in München, warum die Politik eigentlich so erpicht darauf sei, das Auslaufmodell Taxi zu beschützen. Uber könne doch stattdessen 50.000 Arbeitsplätze in Europa schaffen.

Deutschland-Statthalter Fabien Nestmann (34) untermauerte die Visionen seines Chefs in der Nacht vor einem politischen Fachgespräch noch schnell mit Studien, die er den Bundestagsabgeordneten der Unionsfraktion aushändigte. Die unter anderem von einem Princeton-Professor durchgeführten Untersuchungen sollten belegen, wie positiv sich Ubers Existenz auf die Beschäftigung in den USA auswirkte.

Intern hingegen spielt die Rettung der Welt eine eher untergeordnete Rolle. Da setzt Kalanick vor allem auf die Überzeugungskraft des Geldes, lockt Manager mit dem Versprechen, unglaublich schnell unglaublich reich zu werden, auch weil er ihnen millionenschwere Anteilspakete offeriert.

So versammelte er die wohl hungrigste und zugleich großmäuligste Truppe des Valleys um sich; Manager, die sich im Firmenblog damit brüsten, dass sie die Nutzerdaten der Kunden bei Bedarf nach deren One-Night-Stands sortieren könnten.

Das Problem: Bei der Cowboynummer "Erst durchstarten und dann die Gesetze passend machen" ist die Expansion aus der Spur geraten. Nirgendwo lässt sich das gegenwärtig besser beobachten als in good old Germany.

Egal wo Deutschland-Statthalter Nestmann gerade vorfährt, es häufen sich Ablehnung, Verbote, Gerichtsverfahren. In Frankfurt ist eines anhängig, das das Schicksal des in Amerika erfolgreichen Chauffeurdienstes Uber-Pop hierzulande besiegeln könnte. Denn auch private Fahrer brauchen einen Personenbeförderungsschein. Vielerorts wurde der Dienst daher erst mal verboten.

Uber wird immer häufiger verboten - und hängt in Boommärkten fest

Das Wirtschaftsministerium in Berlin lässt ausrichten, Ubers Jobangaben seien "nicht nachvollziehbar". Ziel der Bundesregierung sei "vorrangig die Schaffung vollwertiger Arbeitsplätze" und nicht, wie von Uber angestrebt, das Schaffen neuer "Minijobs für Selbstständige". Das Fazit des SPD-geführten Ressorts: Eine Verdrängung sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung sei "wenig wünschenswert".

Weitgehende gesetzliche Änderungen, wie Uber sie fordert, sind kaum durchsetzbar. Die Expansion in Deutschland hat Nestmann vorerst gestoppt, er konzentriert sich nun auf das legale Geschäft mit der Vermittlung von Taxis per App. Und liefert sich einen brutalen Rabattkrieg mit dem Rivalen My Taxi. In Berlin will er ein Mietwagenunternehmen gründen, um wenigstens den gesetzlichen Anforderungen für einen Limousinenservice zu genügen.

Vom margenstarken Kerngeschäft, das für die Vermittlung von Privatfahrern 20 Prozent Provision abwirft, ist diese Variante weit entfernt. Branchenkenner schätzen, dass Uber-Pop hierzulande gerade mal wenige Hundert zahlende Kunden hat. Kalanick ist in Deutschland also vor allem eines: Ubertreibung.

Und in Ländern wie Südkorea, Vietnam, Spanien, Frankreich oder Brasilien sieht es nicht viel anders aus: Uber wird immer häufiger verboten, hängt in Boommärkten wie Indien und China fest oder muss sich gegen lokale Marktführer wehren, die mit Milliarden gegenhalten. In der Volksrepublik beherrschen die Internetgiganten Alibaba Börsen-Chart zeigen und Tencent nach der Fusion ihrer Taxi-Apps 99 Prozent des Marktes.

Nie zuvor in der Geschichte des Valleys ist ein zu Hause so frenetisch gefeiertes Start-up global derart gegen die Wand gefahren. Um die hohe Bewertung zu rechtfertigen, müsste Kalanick heute schon Weltmarktführer sein. Ansonsten wird der Börsengang zum Offenbarungseid.

Noch scheinen den Investoren solche Zweifel fremd, sie setzen weiter auf Kalanicks Visionen. Google Börsen-Chart zeigen, Amazon-Gründer Jeff Bezos (51), der Investmentfonds des Emirats Katar, die Investmentbank Goldman Sachs Börsen-Chart zeigen, Private-Equity-Häuser wie die Texas Pacific Group, Publikumsfondsgesellschaften wie Black Rock: Alle halten sie Uber-Anteile, und sie haben Kalanick erst kürzlich wieder 2,2 Milliarden Dollar spendiert, rund eine Milliarde mehr, als er eigentlich haben wollte.

© manager magazin 4/2015
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