Deutschlands mächtigster Krisenberater Der Einflüsterer der Deutschland AG

Alexander Geiser, Frontmann der Kommunikationsberatung Hering Schuppener, hat enormen Einfluss auf die Anführer der Deutschland AG. Seine Macht wirkt schier unheimlich, wie manager magazin in einem Portrait in der Februar-Ausgabe beschrieb.
Alexander Geiser: Wenn's brennt ist er zur Stelle

Alexander Geiser: Wenn's brennt ist er zur Stelle

Matthias Müller (62), gerade zum VW-Chef berufen, und seine Presse-Entourage möchten auf Nummer sicher gehen. Sie wollen den Besten, den Crack der Branche. Dass der für seine Dienste schon mal 1000 Euro die Stunde veranschlagt - egal. Die Existenz des zweitgrößten Autobauers der Welt steht auf dem Spiel.

Ein Anruf und drei Stunden später ist Alexander Geiser, Partner der Kommunikationsberatung Hering Schuppener in Frankfurt, an diesem Tag Ende September 2015 in Wolfsburg.

Gleich, was er gerade um die Ohren hat, wenn in Corporate Germany ein Großbrand tobt, ist der Mann zur Stelle. So wie es der legendäre US-Feuerwehrmann Red Adair hielt, sobald in Texas oder Alaska eine Ölquelle loderte.

Mit seinen knapp zwei Metern Körperlänge ragt Geiser schon naturbedingt heraus. Dazu kommt ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein. Der Verstand arbeitet blitzfix. Der Mann punktet mit Internationalität. In der Nähe von Montreal hat er die Teenager- und Studienzeit verbracht, New York war lange sein Zuhause, weshalb er früher besser Englisch als Deutsch sprach. Mit gerade mal 40 Lebensjahren verfügt er obendrein über Reste jugendlicher Vitalität.

Geisers Kunden kommt es freilich vor allem darauf an, dass der Berater Manager und deren Machenschaften ins rechte Licht zu rücken vermag. So wie bei Germanwings, wo Geiser und seine Leute dazu beitrugen, dass die Airline nach der Selbstmord-Katastrophe in den französischen Alpen keinen Totalschaden erlitt.

Für die Oberen der Deutschen Bank war er lange Zeit so unverzichtbar, dass er sich als Einziger auf dem Vorstandsflur ohne Krawatte zeigen durfte. Heinrich Hiesinger (55) und ThyssenKrupp, Peter Terium (52) und RWE - klar, auch in diesen Krisengebieten hilft der Mann aus, seit Jahren schon.

Nun am Mittellandkanal. Die 170-köpfige Pressetruppe ist in der Dieselgate-Affäre anfänglich hoffnungslos überfordert. Allein in den ersten drei Tagen gehen 2000 Presseanfragen ein. Geiser weiß, was zu tun ist. Generalstabsmäßig spult er in kurzer Zeit sein Programm ab.

Aus dem Chaos eine Story machen

Er stellt zwei erfahrene Kollegen der mehr als 160 Mitarbeiter starken Hering-Schuppener-Truppe ab und richtet einen Krisenstab ein. Eine Kommunikationsstrategie wird entworfen. Geiser sorgt dafür, dass die VW-Belegschaften Infos bekommen und die Pressesprecher Skripte, sodass sie mit einer Stimme sprechen. An Aufsichtsräte, Aktionäre und Kunden gehen Briefe raus. Vorstände bekommen Redetexte und Präsentationen.

So wird aus dem Chaos nach und nach eine Story, die sich verkaufen lässt. Im sogenannten Fünf-Punkte-Plan, den Müller Ende Oktober vorstellt, dessen Spiritus Rector aber Geiser ist, geht sie um die Welt. Der simple Kern: Wir haben verstanden. Wir werden uns grundlegend wandeln. Wir werden die Probleme lösen. Der Meister hält seine Botschaften gern einfach. Dann sind sie umso einprägsamer. Und es bleibt genügend Raum, um nachzulegen.

Einen PR-Gau wie jenes Radiointerview bei der Detroit Motor Show, in dessen erster Fassung Müller insistiert, "wir haben nicht gelogen", hätte Geiser wohl gern verhindert. Die US-Reise des VW-Chefs hatte zwar die amerikanische Agentur Edelman betreut. Geiser muss sich allerdings vorwerfen lassen, den schlecht Englisch sprechenden Müller nicht prinzipiell vor Liveinterviews bewahrt zu haben.

VW ist Geisers zurzeit spektakulärster Fall. Aber längst nicht das einzige Großmandat. Der Kommunikationsprofi hat die deutsche Konzernelite geradezu abhängig von sich gemacht. In den Topetagen der Deutschland AG genießt er eine Stellung, die bisher lediglich einzelnen Staranwälten wie Michael Hoffmann-Becking (72; Hengeler Mueller) oder Investmentbankern wie Alexander Dibelius (56; vormals Goldman Sachs) vorbehalten war. Neben ihm kommt nichts - was auch daran liegt, dass Geisers Konkurrenten schwächer geworden sind (siehe Kasten Seite 66).

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Top-Kunden: Wen Geiser durch die Krise lotst

Foto: Olaf Schleef / Manager Magazin / Michael Spohn / AP / PA

Meist betreut er rund zehn Mandate gleichzeitig, über alle Branchen hinweg, quer durch Dax und M-Dax, von A wie Adidas bis O wie Osram. In aller Stille.

Ganz in der Manier eines Consigliere tritt er nach außen hin praktisch nie in Erscheinung. In der Regel lässt er andere nach seinen Drehbüchern und Regieanweisungen agieren. Selbst aufmerksame Unternehmensbeobachter bekommen mitunter nicht mit, wenn Geiser im Hintergrund denkt und lenkt.

Hohe Konzentration von Insiderwissen und Macht

Ist der Mann wirklich so einzigartig? Oder hat er eine Dienstleistungslücke entdeckt, die dringend professioneller Besetzung harrte? Fest steht: Bei Geiser ballt sich eine Machtfülle, von der man noch nicht weiß, wem sie am Ende mehr nutzt: ihm, dem Mandanten, dessen Unternehmen oder den Stakeholdern? Die Gefahr, dass ein externer Spindoktor wie Geiser eine eingespielte Konzernorganisation durcheinanderbringt und so die Geschäfte behindert, ist jedenfalls groß. Überdies erlangt er weitreichendes Insiderwissen, was zu massiven Interessenkonflikten führen kann. Zumal seine Zunft keinen strikten Regeln unterworfen ist, wie die Anwaltschaft oder Bankergilde.

Keiner weiß das besser als der - böser Vergleich - Godfather selbst. Tatsächlich kann sich der CEO-Flüsterer zurücknehmen wie ein englischer Butler. Geiser muss sich dazu nicht mal verstellen, die öffentliche Nichtexistenz kommt seinem Wesen entgegen. Sein Markenzeichen ist Coolness. Bis heute haftet dem Großverdiener nichts Verkäuferisches an wie manch anderem aus der Zunft. Und schon gar nichts Schmieriges.

Seinen Kunden unterbreitet Geiser Optionen, er erteilt keine Anweisungen. Er glänzt vor allem durch Klugheit und dadurch, dass er im Nullkommanichts in jeder erdenklichen Lage eine Storyline parat hat, die beeindruckt. Geiser baut auf die Überzeugungskraft seines Könnens. Manch einer mag darin einen Hang zur Selbstgefälligkeit erkennen, die meisten sind froh, einen wie ihn an ihrer Seite zu wissen.

Ja, der Mann hat einen Stil gefunden, der offenbar kaum Angriffsfläche bietet. Die typischen Insignien der Macht sind ihm nicht wichtig. Ins Büro fährt er morgens mit einem VW-Golf, die Heimspiele seines Lieblingsvereins 1. FC Köln (für den ihn als gebürtigen Frankfurter ein Onkel begeisterte) guckt er sich nicht von der Promiloge aus an, sondern aus der Südkurve des Müngersdorfer Stadions.

Nicht nur im Stadion, Geiser hat Stehvermögen. Was ihn weit gebracht hat. Anders als die meisten Vertreter seiner Zunft kann er kein berufliches Vorleben als Journalist oder als Unternehmenssprecher vorweisen. Geiser hat seine gesamte Karriere in den Reihen von Hering Schuppener verbracht.

Die frühen Jahre

1998, unmittelbar nach dem BWL-Examen in Kanada, stieg er bei der damals noch jungen Düsseldorfer Agentur ein. Eigentlich wollte er Investmentbanker oder Unternehmensberater werden. "Ich bin ein Zahlenmensch", sagt Geiser. Doch Co-Gründer Ralf Hering (59) überzeugte ihn von den Reizen der Kommunikationsberatung und holte ihn nach Deutschland zum Aufbau eines europäischen Agenturnetzwerks.

Es folgten Stationen in London und New York bei Grey, dem Haupteigner von Hering Schuppener. Dort lernte Geiser von hartgesottenen Profis das Handwerkszeug, um Übernahmeattacken als gut und notwendig oder aber als abscheulich und ablehnenswürdig erscheinen zu lassen - je nach Mandat.

Deutschlands mächtigste Kommunikatoren:

Als nach der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone die Merger-Mania auch Deutschland ergriff, kehrte Geiser zu Hering Schuppener zurück. Ruhm und Geld lagen für gewiefte Kommunikatoren damals regelrecht auf der Straße.

Der erste fette Auftrag kam von Udo Stark (68), damals Chef der Gea-Vorläuferfirma MG Technologies, der Unterstützung beim Verkauf von Dynamit Nobel benötigte. Die Tochter sollte ausgerechnet an eine Heuschrecke abgestoßen werden: KKR. Gewerkschaften, Mitarbeiter und einzelne Anteilseigner liefen Sturm. Der Deal ging trotzdem über die Bühne.

Später suchten die Commerzbank-Granden Klaus-Peter Müller (71) und Martin Blessing (52) Geisers Rat, als sich die Bank gegen Gerüchte einer angeblichen Liquiditätskrise erwehren musste. Beim Kauf der Dresdner Bank war er ebenfalls dabei. Mittlerweile kommt Geiser nach eigener Erinnerung auf mehr als 150 Deals, bei denen er hinter den Kulissen mitgewirkt hat.

Ruhm bringt Geld

Die Spezialisierung hat ihm Verbindungen eingebracht, die seine Kunden heute zum Teil ehrfürchtig bestaunen, stets aber hoch schätzen. Kein namhafter Investmentbanker im deutschsprachigen oder europäischen Raum, mit dem er nicht schon einmal zu tun gehabt hätte. Kaum ein bedeutender Finanzinvestor, den er nicht kennen würde.

KKR und dessen Europa-Chef Johannes Huth (55) ließen sich mehrere Jahre ausschließlich von Geiser betreuen. Auch Candover, Carlyle und Cinven war er zu Diensten.

Sein Meisterstück lieferte er ohne Heuschrecken-Beteiligung ab, als er 2008 bei der Verteidigung des Autozulieferers Conti gegen die Schaeffler-Gruppe mitwirkt. Heute noch gerät Geiser darüber ins Schwärmen, wie die damaligen Conti-CEOs Manfred Wennemer (68) und Karl-Thomas Neumann (54), Topanwälte und natürlich er selbst dafür gesorgt haben, dass die Hannoveraner größtmögliche Eigenständigkeit behielten und so im Dax bleiben konnten. Geiser: "Obwohl wir von Tag eins an schachmatt waren."

Der "Geschichtenerzähler"

Tatsächlich sah es damals äußerst schlecht für Conti aus. Die Investmenbanker von Goldman Sachs hatten zwar zunächst Hoffnung geweckt. Sie wollten Knorr-Bremse-Eigner Heinz Hermann Thiele (74) als Retter gewinnen. Doch der mochte sich partout nicht an Conti beteiligen, nur, um Maria-Elisabeth Schaeffler in die Parade zu fahren.

Notgedrungen verlegten sich die Verteidiger auf juristische Spitzfindigkeiten: Schaeffler habe sich rechtswidrig angeschlichen, lautete die Abwehrparole.

Geiser brachte sie unters Volk. Er ist maßgeblich dafür verantwortlich, dass die elegante Dame aus Franken bald als hässliche Angreiferin dastand, die sich - pfui Teufel - aus dem Hinterhalt genähert und vor Bekanntgabe ihrer Attacke heimlich Aktien eingesammelt habe. Mit dieser Aktion handelte sich Geiser den zweifelhaften Ruf eines "Geschichtenerzählers" ("FAZ") ein.

Womit man ihm allerdings unrecht tut - zumindest in diesem Fall. Denn Wennemers legendärer Dreiklang, mit dem er die Schaefflers als "egoistisch, selbstherrlich und verantwortungslos" brandmarkte, soll von Wennemer selbst stammen und nicht vom großen Ghostwriter.

Der Fall "Deutsche Bank"

Wirklich zu dick aufgetragen hat Geiser erst später, an anderer Stelle. In Frankfurt war's, bei seinem Deutsche-Bank-Mandat. Da hat er sich hinreißen lassen - auch weil er selbst geblendet war.

Als geradezu heldenhaft und brillant hat er den damaligen Institutsleiter Anshu Jain (53) verkauft. Selbst dann noch, als dem die vielen Affären und Skandale der Bank längst zugeschrieben wurden und er als Heilsbringer nicht mehr vermittelbar war. Surreal sei das gewesen, lästern Journalisten.

Vertraute erzählen, Geiser habe daraus gelernt. Heute würde er das Deutsche-Bank-Duo Jain und Jürgen Fitschen (67) zurückhaltender verkaufen. Allerdings sei kaum ein Mandat in seiner Karriere so komplex gewesen, und die Unsicherheit über die Bankenregulation habe die Strategiefindung bei Deutschlands Nummer eins nicht leichter gemacht. Die Taktik hat sich jedenfalls als falsch herausgestellt, das Ergebnis ist bekannt: Die Doppelspitze Jain/Fitschen ist Geschichte, bevor sie richtig loslegen konnte.

Dr. No sagt nein

Geiser ist der Sonne hier einfach zu nah gekommen. Eng wie mit kaum einem Zweiten sei er mit dem strahlenden Investmentbanker Jain gewesen, berichten Insider. Da hätten sich zwei getroffen, die die gleiche Sprache sprechen, eine ähnlich schnelle Auffassungsgabe haben und scharf analysieren können. Die intellektuelle Verbrüderung reichte bis ins Private, in London verabredeten sich die beiden des Öfteren gemeinsam mit ihren Ehefrauen und anderen Gästen zum Dinner.

Für Jain - und für ein siebenstelliges Jahreshonorar - zog Geiser alle Register. Bis heute erzählt man sich in Frankfurt gern die Geschichte von Dr. No, der größten Blamage von Jain und seinem Chefvermarkter.

Anshu Jain (l.): Bei der deutschen Bank ließ sich Geiser von der Strahlkraft des einstigen Co-Chefs blenden / Peter Terium (r.) : Auch Geiser hat nicht verhindern können, dass sein Kunde RWE zum Ernergiefossil wurde

Anshu Jain (l.): Bei der deutschen Bank ließ sich Geiser von der Strahlkraft des einstigen Co-Chefs blenden / Peter Terium (r.) : Auch Geiser hat nicht verhindern können, dass sein Kunde RWE zum Ernergiefossil wurde

Foto: Ole Schleef / Manager Magazin / Rainer Unkel / Imago / Sepp Spiegel / Rapi / DPA / PA

Hinter dem Kürzel verbarg sich ein Amerikaner, der eigentlich auf den Namen William Broeksmit hörte und ein alter Weggefährte von Jain aus gemeinsamen Tagen bei der inzwischen untergegangenen Investmentbank Merrill Lynch war. Jain hatte seinen Kumpel als neuen Risikovorstand in seinem Kabinett vorgesehen. Der Aufsichtsrat hatte die Leitungsliste noch nicht abgesegnet, da durfte der <>-Trupp einzelne Journalisten schon hinter vorgehaltener Hand informieren, als einstimmende Maßnahme sozusagen.

Broeksmit sei ein ganz harter Knochen, ein Neinsager, streuten Geiser und seine Leute unter Chefredakteuren und Ressortleitern. Mit Dr. No komme ein neuer Zug ins Risikomanagement der Bank, er sei das nötige Gegengewicht zu Jain, der vielen ja als professioneller Zocker galt.

Geisers heftigster Fehler

Dummerweise sagte die Finanzaufsicht alsbald Nein zu dem angeblichen Neinsager, weil er nicht ausreichend Führungserfahrung nachweisen konnte. Deshalb trat der Mann, der später aus nicht geklärten Gründen den Freitod suchte, den Job gar nicht erst an.

Jain - das ist Geisers größter Patzer, aber bislang auch sein einziger. Und so versucht sich Geiser im Nachhinein als Berater der Bank zu positionieren. Der Spindoktor habe deutlich mehr Zeit mit Co-Leiter Fitschen und Kommunikationschef Thorsten Strauß (48) verbracht als mit Jain, sagen Insider bei der Deutschen Bank. Geiser selbst gibt nur zu Protokoll: "Ich arbeite niemals für eine einzelne Person, sondern immer für Institutionen. Das ist mein Mantra."

Das mag formal stimmen, zumal Geiser ein gewiefter Stratege ist, gerade auch in eigener Sache. Im Energiekonzern RWE etwa hat sich der Berater dermaßen festgekrallt, dass Experten von McKinsey oder Boston Consulting vor Neid platzen könnten angesichts des lang laufenden Mandats. Bei dem Energiefossil war Geiser schon für den Holländer Harry Roels (67) tätig - die Älteren erinnern sich. Danach, während der Ära von Jürgen "Big" Großmann (63), half er bei Deals. Nun assistiert er der dritten Führungsgeneration, angeführt von Peter Terium.

Die Politik des Geschäfts

Diesmal geht es um die Aufspaltung sowie die Suche nach einem Finanzinvestor für die neue, grüne RWE. Die Sezession ist für Geiser eine gute Sache. Anschlussaufträge in dem einen oder dem anderen Unternehmensteil sind wahrscheinlich. Schließlich kennt keiner den Moloch RWE und dessen handelnde Personen besser als Alexander Geiser.

Und der ist seinen Kunden gegenüber loyal, solange dies mit anderen Mandaten vereinbar ist - und sich lohnt. Den Klienten Commerzbank etwa ließ er zugunsten der imageträchtigeren Deutschen Bank fallen. Seine Arbeit für den schwedischen Finanzinvestor Cevian und dessen Deutschlandvertreter Jens Tischendorf (42) gab er auf, weil der Fonds 2013 beim Dauerkunden ThyssenKrupp einstieg.

Bei dem Essener Konglomerat ist Geiser inzwischen fast so lange wie Konzernchef Hiesinger. Die Ablösung der Edelstahlsparte hat er ebenso begleitet wie den Notverkauf des US-Stahlwerks. Sein Hauptjob ist allerdings, bei der Neuerfindung des schlingernden Traditionskonzerns zu helfen. Im Hiesinger-Konzern geht es ums große Ganze.

Diese Aufgabe entspricht auch dem neuen Selbstverständnis und den Ambitionen des Einflüsterers. Firmentransaktionen, Börsengänge, das war gestern. Heute haben es ihm "die großen Veränderungsprozesse" angetan. Geiser: "Die interessieren mich extrem."

Umworbener Zuträger

Zumeist schlüpft er dann in die Rolle des Zuträgers. "Er sagt einem, welche Themen gerade heiß diskutiert werden, welche Probleme die anderen haben, wie unser Konzern am Kapitalmarkt gesehen wird, und was Investoren und Öffentlichkeit von unserem Vorstandschef halten", berichtet der Kommunikator eines Dax-Konzerns.

"Wir können uns dann überlegen, wie wir darauf am besten reagieren." Matthias Zachert (48), Chef des Kölner Chemiekonzerns Lanxess, hat sich Geisers Dienste gesichert, damit er ihm medial den Rücken freihält. Der Berater soll berichten, sobald sich auch nur im Ansatz etwas gegen den Vorstandschef zusammenbraut. Die leidvollen Erfahrungen von Vorgänger Axel Heitmann (56), der am Ende mit Schimpf und Schande vom Hof gejagt wurde, dienen als Warnung.

ThyssenKrupp, Lanxess, Deutsche Bank, VW und all die anderen Mitglieder der Dax-Familie - bei jedem Mandat lernt auch er dazu. Natürlich gebe er bei einem anderen Kunden nichts davon preis, betont er. "Ich bin absolut diskret." Man muss es glauben, überprüfen lässt sich das kaum.

Fest steht nur: Wo Geiser antritt, ist er allgegenwärtig. Das bekommen die Kommunikationsabteilungen vom ersten Tag an zu spüren. Nicht immer, aber häufig genug, haben Konzernsprecher dann einen schweren Stand. Ihnen sitzt der hochgewachsene Berater stets im Nacken - alles, was wichtig ist, läuft über seinen Schreibtisch.

Beliebt macht sich Geiser so nicht.

Aber das muss er auch gar nicht. Solange er beim Chef gut ankommt.

Anmerkung: Dieser Text erschien zuerst in der Februar-Ausgabe von Manager Magazin (2/2016).

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