Montag, 20. Mai 2019

Geldanlage für Hedonisten Die Gegenwartskunst ist zurück

Alex Katz: Einer der wenigen noch aktiven Begründer der Pop-Art
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Alex Katz: Einer der wenigen noch aktiven Begründer der Pop-Art

Pop-Art-Meister Alex Katz ist noch zu fairen Preisen zu haben.

Als Larry Gagosian am 15. November um 18.55 Uhr braun gebrannt und in strahlend blauem Anzug den Auktionssaal von Christie's in Manhattan betritt und zu seinem Platz in Reihe zehn am Mittelgang schreitet, ist er noch ein Champion in der höchsten Preiskategorie des Marktes: der Nachkriegs- und Gegenwartskunst. Das teuerste je versteigerte Bild ist bis zu diesem Zeitpunkt Pablo Picassos "Frauen von Algier", das Christie's 2015 für 179,4 Millionen Dollar verkaufte.

Roman Kräussl
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    Roman Kräussl ist Ökonom und forscht über Alternative Investments an der Luxemberg School of Finance und in Stanford.

Doch kurz vor 20 Uhr hat sich der Kunstmarkt für immer verändert. Gagosian diskutiert kopfschüttelnd mit seiner Begleiterin über das, was da soeben passiert war. Los 9, das Bild "Salvator Mundi" aus der Werkstatt Leonardo da Vincis, war gerade in einem 19-minütigen Bieterkampf unter den Hammer gekommen - für 400 Millionen Dollar plus 50 Millionen Dollar Gebühr. Das Bild ist damit deutlich teurer als alle Twomblys oder Rothkos, die nun niemanden im Saal mehr interessierten.

Christie's hatte den alten Meister in die Post-War-and-Contemporary-Kategorie verschoben, um die Marke da Vinci dort zu präsentieren, wo die Superreichen shoppen. Für den Käufer Saudi-Arabien und das verbündete Abu Dhabi ist das Bild eine strategische Investition: Als Herzstück des neuen Louvre-Ablegers soll es Touristen anlocken.

Die Kunstpreise insgesamt sind indes noch längst nicht wieder auf dem Rekordniveau von 2015 angelangt, vor allem bei den Gegenwartskünstlern, deren Werke im Schnitt um über 20 Prozent einbrachen. Als besonders spannend für Investoren gelten gegenwärtig Drucke des 90-jährigen Alex Katz, einem der wenigen noch aktiven Begründer der Pop-Art. Die Preise für seine Werke sind zuletzt langsamer gestiegen als im langfristigen Trend, eine Kaufgelegenheit.

Die Serie "Black Dress" von 2015 trifft mit lebensgroßen Porträts starker Frauen den Zeitgeist und dürfte wegen der kleinen Auflage (35 Stück) Potenzial haben. Der Druck "Sharon" wurde bei Dorotheum im Juni für 31.000 Dollar (mit Gebühren und Steuern) versteigert. Noch ist er bei anderen Galerien teils für 18.000 Dollar (plus Gebühren und Steuern) im Angebot.

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