Freitag, 18. Oktober 2019

Der Wechsel von Kasper Rorsted zu Adidas Nicht ohne mein Henkel-Gehalt

Neuer Adidas-Chef Rorsted: Nicht ohne mein Gehalt
DPA

Warum sich Kasper Rorsteds Wechsel nach Herzogenaurach über Monate hinzog, beschrieb manager magazin Ende Februar exklusiv in der März-Ausgabe des Magazins. Anlässlich seiner letzten Hauptversammlung für Henkeln veröffentlichen wir den Beitrag nun auch online.

Simone Bagel-Trah (47), die Aufsichtsratsvorsitzende von Henkel Börsen-Chart zeigen, war prinzipiell eingeweiht ("Er hat mich frühzeitig informiert"). Der Zeitpunkt des Abschieds jedoch kam für sie überraschend. Erst wenige Tage vor Bekanntgabe der Personalie hatte Noch-Vormann Kasper Rorsted (53) den Gesellschaftern mitgeteilt, dass er den Persil-Konzern gern kurzfristig verlassen wolle, genau genommen zum 30. April.

Der Abgang markiert den Schlusspunkt eines langwierigen Abschieds. Knapp drei Jahre dauerte es, bis der gebürtige Däne aus Düsseldorf endlich wegkam. Bei den Industrieunternehmen ABB Börsen-Chart zeigen (Zürich) und Linde Börsen-Chart zeigen (München) hatte Rorsted früher schon vorgesprochen. Mit Adidas Börsen-Chart zeigen klappt es nun.

Seinen Ende 2017 auslaufenden Vertrag werde er nicht verlängern, hatte der Sportfan im vergangenen Jahr bei Henkel angekündigt. Während Bagel-Trah fortan einen Nachfolger ausguckte - es wird der bisherige Kosmetikchef Hans Van Bylen (54) - rang Rorsted um die Modalitäten seiner Anstellung in Herzogenaurach.

Dabei ging es um den Zeitpunkt der Arbeitsaufnahme, aber auch um Pekuniäres. Rorsted hatte bei Henkel zuletzt rund sieben Millionen Euro verdient - und wollte sich im neuen Job bei Adidas finanziell keinesfalls verschlechtern.

Amtsinhaber Herbert Hainer (61) hatte sich noch mit 5,8 Millionen Euro inklusive Sonderzahlungen begnügen müssen. Dem dienstältesten Dax-Chef schien es eine Herzensangelegenheit, dass sein Nachfolger zumindest beim Grundgehalt nicht besser dasteht als er selbst. Und an Hainer geht in Herzogenaurach nun mal nichts vorbei. Weil Adidas inzwischen wieder zu alter Form zurückgefunden hat. Und weil der Vorstandsvorsitzende sich persönlich für die Verpflichtung von Rorsted eingesetzt hat. Bei einer Tour der Similauner-Manager-Seilschaft - wahrscheinlich im vergangenen Frühjahr - sollen sich die beiden Bergfreunde bereits auf den Stabwechsel verständigt haben.

Im Spätsommer führte Adidas-Aufsichtsratschef Igor Landau (71), der zunächst den Italiener Andrea Guerra (59; ehemals Chef des Brillenkonzerns Luxottica) favorisiert hatte, ein längeres Gespräch mit Kandidat Rorsted. Im Herbst musste man sich ein weiteres Mal treffen, ohne freilich ein komplettes Abkommen fixieren zu können.

Erst um die Jahreswende fand sich schließlich die rettende Gehaltsformel. Danach nimmt Rorsted bei seinem Fixgehalt gegenüber dem Henkel-Vertrag numerische Abstriche hin. Macht er seinen Job dann aber gut und treibt den Sportartikelkonzern in neue Gewinnsphären, wird die Gage unterm Strich höher ausfallen als bei seinem bisherigen Arbeitgeber.

Die Investoren von Adidas scheinen an dem Deal großen Gefallen zu finden, zumal US-Konkurrent Nike Börsen-Chart zeigen beim Profitstreben noch deutlich vorn liegt. Die Mitarbeiter in Herzogenaurach dagegen dürften vor allem die Peitsche des Kapitalmarkts zu spüren bekommen.

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