Achten Sie auf: Philippe von Borries "Mein Leben ist der Job"

Philippe von Borries, der deutsche Gründer des digitalen Frauenmagazins "Refinery 29", über Heimat und Zuhause.
Frauenversteher: Philippe von Borries gründete "Refinery 29" 2005 mit einem Freund, zuvor arbeitete er beim Magazin "The Globalist". Was als Onlineshop für Mode begann, ist heute ein digitales Frauenmagazin, das über 25 Millionen Leser im Monat erreicht.

Frauenversteher: Philippe von Borries gründete "Refinery 29" 2005 mit einem Freund, zuvor arbeitete er beim Magazin "The Globalist". Was als Onlineshop für Mode begann, ist heute ein digitales Frauenmagazin, das über 25 Millionen Leser im Monat erreicht.

Foto: manager magazin

Das folgende Porträt stammt aus der September-Ausgabe 2016 des manager magazins.

Philippe von Borries (37), eigentlich New Yorker, ist zum Deutschland-Start seines digitalen Frauenmagazins "Refinery 29" nach Berlin gekommen. Als Treffpunkt hat er das "Café am Neuen See" vorgeschlagen, ein zünftiger Biergarten nahe der Siegessäule. Von Borries - schmal, jung, kumpelhaft - bestellt Maispoulardenbrust auf Rucola-Salat. Dazu ein Wasser.

manager magazin: Herr von Borries, Sie sind in Köln aufgewachsen und trinken Wasser in einem Biergarten. Mögen Sie kein Kölsch?

Philippe von Borries: Wir können gern ein Kölsch bestellen. Aber nur, wenn Sie auch eins trinken.

mm: Ich muss arbeiten.

von Borries: Ich etwa nicht? Kölsch ist in den USA übrigens richtig groß geworden, Kölsch-Style-Beer. Die sprechen das "Kolsch" aus. Ein Laden namens "Loreley" verkauft in Brooklyn echtes Reissdorf!

mm: Dann hält sich Ihr Heimweh ja in Grenzen. Wann haben Sie Köln verlassen?

von Borries: Als ich 16 war, ich ging für ein Auslandsjahr auf ein Internat in Massachusetts.

mm: Warum Amerika?

von Borries: Ich wollte immer dorthin. Individualität, Freiheit - das klassische Klischee. The Land of Opportunity! Ich bin als Einzelkind groß geworden. Deutschland und Köln erschienen mir damals ziemlich klein. Viele Freunde hatte ich auch nicht. In meiner Familie gibt es so vorgegebene Schwimmlinien, die meisten werden Doktor oder Consultant. Man muss in eine Box passen.

mm: Na ja, kein Wunder: Von Borries ist ein altes Adelsgeschlecht. Und Tradition will gepflegt werden.

von Borries: Genau, der Großteil unserer Familie wohnt in Bonn, es gibt regelmäßige Familientreffen. Aber die habe ich bis heute erfolgreich gemieden.

mm: Wie kamen Sie denn als Adelsmann in dem US-Internat so an?

von Borries: Zunächst gehörte ich nicht dazu, war der Exchange-Student mit dem gegelten Haar, der mit anderen Ausländern rumhing. In Köln hatte ich als erste Fremdsprache Latein gewählt, mein Englisch war nicht besonders.

mm: Trotzdem wollten Sie nach dem einen Jahr nicht zurück?

von Borries: Nein, ich hatte mich gerade eingelebt und fühlte mich so wohl, dass ich meine Eltern schließlich überredete, mich bleiben zu lassen. Rückblickend war das eine der wichtigsten Entscheidungen meines Lebens.

mm: Auf dem Internat in den USA haben Sie auch Ihren Kompagnon Justin Stefano kennengelernt.

von Borries: Justin war einen Jahrgang unter mir, wir wurden bald beste Freunde. Ich bin dann zum Studium an die Columbia University in New York gegangen, Justin kam später nach, an die NYU. Erst 2004 begannen wir in Brooklyn, an "Refinery 29" zu arbeiten.

mm: Wie kam es dazu?

"Wir saßen abends beim Bier und hatten eine einfache Idee"

von Borries: Wir saßen abends beim Bier und hatten eine einfache Idee: Warum übertragen wir das Konzept der amerikanischen Mall nicht aufs Internet? Das wäre genial! Statt der Massenware großer Ketten würde man bei uns nur die besten kleinen Läden aus Brooklyn oder Paris finden. Heute sind wir natürlich viel breiter aufgestellt.

mm: Sie haben Ihr gesamtes soziales Umfeld im Unternehmen versammelt. Neben weiteren Freunden arbeitet auch Ihre Frau Piera Gelardi bei "Refinery 29", als Kreativdirektorin.

von Borries: Ja, wir waren aber schon vor der Gründung zusammen. Wir haben sie damals mit einer Freundin in die Firma geholt. Justin und ich waren fürs Geschäft zuständig, die Frauen fürs Kreative.

mm: Ganz schön traditionell.

von Borries: Hat sich so ergeben. Wir vier sind der Kern der Firma, wir identifizieren uns mit ihr, und wir vertrauen einander. Es war nie unser Ziel, "Refinery 29" schnell wachsen zu lassen, um es dann teuer zu verkaufen. Wir wollen etwas Langfristiges schaffen.

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mm: Können Sie noch zwischen Privatleben und Arbeit trennen?

von Borries: Mein privates Leben ist der Job. Das geht gar nicht anders, wenn man so ambitioniert ist. Piera und ich sind seit zehn Jahren verheiratet, unsere Beziehung ist auch wegen "Refinery 29" so intensiv.

mm: Und wie ist das bei Justin?

von Borries: Der ist gerade Vater geworden. Es ist der erste Moment in unserem Leben, in dem nicht mehr 100 Prozent der Zeit allein der Firma gehören.

mm: Würden Sie die Firma als Ihr Zuhause bezeichnen?

von Borries: Ja, auf jeden Fall. Um ein Unternehmen aufzubauen, musst du 200 Prozent geben - jeden Tag. Ich habe dem erst spät Grenzen gesetzt.

mm: Wie sehen die aus?

von Borries: Ich schreibe Mitarbeitern nicht mehr wie verrückt E-Mails, obwohl eigentlich Wochenende ist. Das respektiere ich heute.