Bugaboo-CEO und Chefdesigner Max Barenbrug "Ich glaube, ich habe ADS"

Bugaboo-Chef Max Barenbrug über seinen Zwang zu effizientem Design.
Von Christian Baulig
Baby und Business: Max Barenbrug ist CEO und Chefdesigner von Bugaboo. Den gleichnamigen Kinderwagen hat er lange vor der Geburt seiner Kinder erfunden. Seit Neuestem produziert die Firma auch eine Gepäckserie, die vor allem für Geschäftsleute gedacht ist.

Baby und Business: Max Barenbrug ist CEO und Chefdesigner von Bugaboo. Den gleichnamigen Kinderwagen hat er lange vor der Geburt seiner Kinder erfunden. Seit Neuestem produziert die Firma auch eine Gepäckserie, die vor allem für Geschäftsleute gedacht ist.

Foto: manager magazin

Das folgende Porträt stammt aus der Oktober-Ausgabe 2016 des manager magazins.

Ein Treffen außerhalb des Büros? Schwierig. Die Präsentation der neuen Kofferserie steht kurz bevor - der Bugaboo-Chef hat eigentlich keine Zeit. Also schnell ins "Carteblanche". Der Kaffee- und Sandwichladen liegt unweit der Firmenzentrale in Holendrecht, einem gesichtslosen Gewerbeviertel im Südosten Amsterdams. Unprätentiöser Loftchic für das Bürovolk aus der Umgebung. Barenbrug zwängt seine zwei Meter Körperlänge hinter einen der kleinen Tische und bestellt eine Runde Cappuccino.

Bugaboo Boxer: Acht Jahre Entwicklungszeit sollen in dem Koffer-Konzept stecken

Bugaboo Boxer: Acht Jahre Entwicklungszeit sollen in dem Koffer-Konzept stecken

Foto: Bugaboo

manager magazin: Kennen Sie "Up in the air"?

Max Barenbrug: Den Film, in dem George Clooney diesen neurotischen Vielflieger spielt ...

mm: ... der alle Dinge pingelig genau in seinem Koffer verstaut und nur mit Handgepäck reist, weil es schneller geht. Sind Sie auf Reisen auch so perfekt organisiert?

Barenbrug: Tatsächlich bin ich in unserer Familie mit dem Packen meist als Erster fertig - und ich habe immer noch etwas Platz im Koffer. Meine beiden Töchter kommen dann immer an: "Papa, kannst du dieses oder jenes Teil von uns noch bei dir unterbringen?" Ein Neurotiker bin ich jedoch nicht, so hoffe ich jedenfalls.

mm: Aber jemand, der Effizienz sehr schätzt.

Barenbrug: Nein. Ja. Nein. Ich weiß nicht. Das Leben ist mir manchmal zu kompliziert. Dann komme ich mit dem ganzen Input nicht mehr klar. Ich muss Komplexität reduzieren, Dinge vereinfachen. So ist die ganze Sache mit den Kinderwagen ja auch entstanden: Alles ist modular und leicht zu bedienen. Während meines Designstudiums Anfang der 90er Jahre wohnte ich gegenüber einer Kirche und sah immer, wie sich Eltern vor dem Eingang abmühten, ihren Nachwuchs auf dem Fahrradsitz oder im Kinderwagen zu verstauen. So kam ich auf die Idee.

mm: Klingt so, als hätten Sie immer ein klares Ziel vor Augen.

Barenbrug: Wenn es ums Geschäft geht, denke ich schon sehr geradlinig. Mir ist immer klar: "Da müssen wir hin." Aber Design funktioniert nicht so. Es gibt ein stetiges Auf und Ab. Wir verwerfen Ideen, entwickeln neue. Ich bin furchtbar kritisch bei allem, was das Team produziert. Wenn ich von einer Lösung enttäuscht bin, weil sie vielleicht günstig ist, aber nicht richtig durchdacht, werde ich sauer und sage: "Fuck business - make something nice!" Das kostet viel Zeit. Bei unserer Gepäckserie hat der Designprozess acht Jahre gedauert.

mm: In der Zeit entwickeln andere acht Serien.

Barenbrug: Für den Preis, den die Leute bei uns zahlen, erwarten sie nun mal eine perfekte Lösung und nicht eine, die bloß okay ist.

mm: Ihre Karriere verlief auch nicht gerade geradlinig.

Barenbrug: Als Kind bin ich nach der Schule immer im Schuppen verschwunden, habe irgendwelche Gefährte zusammengebaut: extralange Fahrräder, Karts, mit denen man auf dem Eis fahren kann - solche Sachen. Für die Hausaufgaben blieb höchstens eine halbe Stunde am Tag. In der Hinsicht war ich ein Minimalist. Meinen Eltern war mein Talent nicht bewusst. Sie dachten, ich hätte ein Faible für Technik, und haben mich in naturwissenschaftliche Fächer gedrängt, dabei hat mich das einen Dreck interessiert. Nach der Schule habe ich dann zunächst Verwaltungswissenschaften studiert - bevor ich endlich zur Designhochschule gewechselt bin. Da war ich schon Mitte 20.

Fotostrecke

Travel Hacks: So sind Sie smarter unterwegs

Foto: AP/ Imaginechina

mm: Freitags sind Sie seit der Geburt Ihrer ersten Tochter immer out of Office. Ist die Viertagewoche ein Privileg des Chefs?

Barenbrug: Nein, das dürfen alle Mütter und Väter in unserer Designabteilung so handhaben. Das ist auch effizient für die ganze Firma: Die Besprechungen konzentrieren sich so auf Montag bis Donnerstag, wenn alle da sind.

mm: Wo kommen Ihnen die Ideen für neue Produkte?

Barenbrug: Eigentlich brauche ich keinen bestimmten Ort für eine Inspiration, ich brauche eine Umgebung, in der sich meine Ideen im Kopf weiterentwickeln können. Das ist bei mir mein Zuhause. Auf ständigen Austausch mit anderen kann ich verzichten. Das meiste mache ich mit mir allein aus. Meine Frau interessiert sich für Buddhismus - der muss ich nicht mit irgendwelchen materiellen Dingen kommen. Und Design ist nun mal über Materie.

mm: Sie sind also einer dieser komischen Eigenbrötler?

Barenbrug: Vielleicht wirke ich so. Ich habe oft Schwierigkeiten, mich zu konzentrieren. Ich glaube, ich habe ADS, also ein Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom. Es kommt vor, dass ich bei einer Unterhaltung etwas höre, was in mir eine visuelle Assoziation auslöst - und schon bin ich mit den Gedanken weg. Das ist dann leider ziemlich blöd für meinen Gesprächspartner.

Lesen Sie auch:

Follow me: Dieser Koffer rollt Ihnen selbständig hinterher

Modobag: Fahr schon mal den Koffer vor

Sie suchen intellektuelle Impulse für Ihre Veranstaltung und einen Redner, der Ihre Mitarbeiter geistig in Bewegung setzt? Keynotespeakers.eu , ein Partner von manager-magazin.de, hilft Ihnen gerne.