Donnerstag, 18. Juli 2019

Althippie und Uhrenmanager Jean-Claude Biver "Zweifel ist dein bester Freund"

Jean-Claude Biver

Jean-Claude Biver, Althippie und Uhrenmanager, über Instinkt und Diätpläne.

Das folgende Porträt stammt aus der April-Ausgabe 2017 des manager magazins.

Jean-Claude Biver ist ein umtriebiger Mann. Sein Erfolg basiert auf der Methode "rückwärts-innovativ". Als alle Welt auf Quarz setzte, sorgte er für die Renaissance der mechanischen Uhr. Jetzt hat er die Richtung geändert, wird gefeiert für die Smartwatch made in Switzerland. Gerade hat er seine Memoiren vollendet.

manager magazin: Herr Biver, ich erkenne Sie kaum wieder, so abgemagert sind Sie. War das Schreiben über Ihr Leben so auszehrend?

Jean-Claude Biver: Nein, aber vergangenes Jahr hat mein Sohn eine Chinesin geheiratet, in China. Da waren über 600 Gäste, und als Vater musste ich mit jedem trinken, das ist dort gute Sitte. Als ich wieder im Flugzeug saß, fix und fertig, es war der 29. April, schwor ich, erst mal keinen Alkohol mehr zu mir zu nehmen. Meine Frau und mein jüngster Sohn spotteten: Ach, das schaffst du nie. Euch werd ich's zeigen, dachte ich. Anderthalb Monate habe ich keinen Schluck getrunken.

mm: Und die Pfunde sind gepurzelt.

Biver: Und wie! Als die ersten zehn Kilo runter waren, hat mich der Ehrgeiz gepackt. Bis zu meinem Geburtstag am 20. September habe ich nichts getrunken. Je mehr Gewicht ich verlor, umso besser kam ich in Form. Ich konnte endlich wieder Sport treiben, bin um 4 Uhr morgens aufgestanden und eineinhalb Stunden Rad gefahren. Als der Winter kam, ging ich skiwandern. Ich bin seither in Topform, wie vor 30 Jahren.

mm: Und vor lauter Dopaminausstoß konnten Sie nicht anders, als Ihre Biografie zu schreiben?

Biver: Mich trägt eine unfassbare Euphorie. Dies ist mein größter Sieg: Ich habe gegen mich selbst gewonnen.

mm: Mehr geht für eine Naturgewalt wie Sie nicht?

Biver: Ich wünsche mir jedenfalls keinen Gegner wie mich selbst.

mm: Und jetzt, da diese Schlacht geschlagen ist, hören Sie die Uhr ticken. Deshalb ein "Biver's Best" für die Nachgeborenen?

Biver: Im Gegenteil. Ich bin so damit beschäftigt, den Anschluss an die Zukunft zu halten, dass ich kaum auf die Uhr schaue. Das größte Glück meines Lebens war, dass ich mit 51 noch einen Sohn bekam. Der ist heute 16, und ich lerne viel von ihm: über Kleidung, Musik, Marken. Ich merke gar nicht, dass meine Zeit abläuft. Zumal Leidenschaft keinen Ruhestand kennt.

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