Montag, 22. Juli 2019

Achten Sie auf: Jan Schächtele und Christoph Hardt Die Ex-McKinseys mit dem Anti-McKinsey-Geschäftsmodell

Jan Schächtle (l.) und Christoph Hardt
Ole Schleef für manager magazin
Jan Schächtle (l.) und Christoph Hardt

Das Duo kam von McKinsey, jetzt vermitteln die Comatch-Gründer Managementberater auf einem Onlinemarktplatz.

Das folgende Porträt stammt aus der Dezember-Ausgabe 2016 des manager magazins.

Sechs Jahre hatte Jan Schächtele (35) als Projektleiter bei McKinsey wochentags Businesshotels erkundet und die Röstgrade von Bar-Erdnüssen getestet. Diese Welt hatte er 2013 über. Ähnlich erging es seinem Kollegen Christoph Hardt (36). Die beiden taten sich zusammen und wollten sich - ganz modern - auf einem Onlinemarktplatz registrieren lassen, um fortan freiberuflich dem Consultinggewerbe zu frönen. Nur: Es gab kein solches Angebot in Deutschland.

Nun denn, sie gründeten eines. Seit anderthalb Jahren vermittelt das Duo unter dem Label Comatch Strategieberater und Industrieexperten via Internet. Die Firma stellt, wenn es schnell gehen muss, binnen 72 Stunden Projektteams zusammen. Eine Art fixe Flexiberatung, angesichts derer Traditionalisten der Zunft die Nase rümpfen; anderen fährt der Schreck in die Glieder.

Denn die digitale Chose lässt sich gut an. Rund 20 Leute arbeiten für Comatch, in Berlins Gormannstraße beheimatet. 1500 Beraterprofile sind mittlerweile im Netz, bis Jahresende werden voraussichtlich 180 Projekte betreut. Wer mittun will, muss sich einer harten Auslese unterziehen: Lebenslaufchecks, Soft-Skills-Interviews - die Ablehnungsquote liegt bei 50 Prozent. Wer mehrere Male mies bewertet wurde, muss seine Dienstleistermarke abgeben.

Start-ups undMittelständler zählen zu den Kunden, sie fremdeln oft mit den großen US-Beratungshäusern. Auch die zweite und dritte Hierarchieebene in Großunternehmen, die für externe Helfer nicht so viel Geld ausgeben dürfen, bedienen sich der Plattform; darunter finden sich bekannte Namen wie Zalando, Tom Tailor und der Schweizer Chemiekonzern Clariant. 50 bis 70 Prozent günstiger als die Indianer vom Stamme McKinsey seien die Coma(n)tchen, sagt Ko-Chief Schächtele. Sprich: Klienten, die mit einem Tagessatz von rund 1300 Euro kalkulieren, liegen nicht ganz falsch.

Das Geld für Wachstum kommt von den Start-up-Finanziers Acton Capital Partners, Atlantic Labs und B-to-v. So konnte sich Comatch den Markteintritt in Skandinavien und Benelux leisten.

Nachahmer? Klar gibt es die. Etwa die in Wien gegründete Klaiton, mittlerweile auch im hiesigen Consultingland aktiv. Sei's drum, sagt Pionier Schächtele: "Der Markt ist groß genug für alle." Das allzu Menschliche dürfe man nicht vergessen, findet er. In München und Berlin hat Comatch Beraterstammtische schnitzen lassen, andere Regionen folgen. "Wir versuchen, der digitalen Anonymität Heimat entgegenzusetzen." Ganz analog läuft das ab: schwatzen, speisen - trinken.

© manager magazin 12/2016
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