Freitag, 6. Dezember 2019

Achten Sie auf: James Anderson Der Mann, der erst Bezos und Zuckerberg entdeckte - und jetzt Deutschland

James Anderson
Baillie Gifford & Co
James Anderson

Der Schotte James Anderson hat für den Vermögensverwalter Baillie Gifford erfolgreich in Amazon, Facebook und Google investiert. Jetzt steigt er auch in Deutschland ein.

Wenn Jeff Bezos und Warren Buffett darüber diskutieren, ob Amazons Cloud-Geschäft nun etwas Besonderes ist oder nicht, dann sitzt James Anderson (56) mit am Tisch. Wenn Anderson wissen will, wie es Facebook geht, dann fragt er Mark Zuckerberg persönlich. Und wenn Facebook-COO Sheryl Sandberg Bezos' Frau MacKenzie beim Dinner fragt, ob der Amazon-Chef auch im Haushalt helfe, dann hört Anderson als Sitznachbar amüsiert zu.

James Anderson ist in Deutschland noch unbekannter als Fußballspieler aus der dritten Liga. Aber in der Tech-Division spielt der Schotte längst erstklassig. Ein bulliger Typ, der durch jede Tür gehen kann, egal ob sie offen ist oder geschlossen. Und dabei ein Feingeist bleibt, Historiker, der er ist, an den großen Fragen interessiert.

Anderson managt den mehr als drei Milliarden Pfund schweren Scottish Mortgage Investment Trust des traditionsreichen Vermögensverwalters Baillie Gifford. Seine Portfolioliste liest sich wie das Who's who der globalen Tech-Szene: Amazon Börsen-Chart zeigen, Facebook Börsen-Chart zeigen, Alphabet Börsen-Chart zeigen (Google Börsen-Chart zeigen), Apple Börsen-Chart zeigen, Tesla Börsen-Chart zeigen, Salesforce Börsen-Chart zeigen, Netflix Börsen-Chart zeigen, Alibaba Börsen-Chart zeigen, Tencent - und das sind nur die großen Namen.

Jetzt investiert er in Deutschland. Erst stieg er in die Samwer-Kreationen Zalando Börsen-Chart zeigen und Rocket Internet Börsen-Chart zeigen ein, kürzlich beteiligte sich Andersons Trust am Tübinger Biotechunternehmen Curevac, so wie vor ihm Bill Gates. Anderson ist auf langfristige Engagements fixiert. Er beteiligt sich früh mit relativ überschaubaren Beträgen, höchstens niedrige dreistellige Millionensummen. Sein Gespür hat den Kurs des börsennotierten Trusts in den vergangenen fünf Jahren um über 100 Prozent steigen lassen. In Bezos' Amazon investierte er bereits im Jahr 2004. Es war sein erster Streich. Vor elf Jahren notierte das Papier bei gut 44 Dollar.

Die ökonomische Macht der Tech-Branche

Anderson bewundert die ökonomische Macht der Tech-Branche, sorgt sich aber zugleich um ihren zunehmenden Einfluss auf die Gesellschaft. Jede Gelegenheit müsse man deshalb nutzen, um die Mächtigen dieser Welt kennenzulernen, sagt Anderson.

Anfang 2014 zog er aus diesem Grund mit seiner Frau für ein paar Monate nach Berlin. Er war es leid, in der "Financial Times" oder dem "Economist" lesen zu müssen, was in Europa geschehen müsse, ohne dass dabei die deutsche Sicht eine größere Rolle spielte. Und das obwohl inzwischen in Berlin viele politische und wirtschaftliche Weichen gestellt würden, sagt Anderson.

Er wollte auch näher ran an die Entscheider von Zalando und Rocket - und muss sich jetzt fragen lassen, wie lange er den Samwers noch Vertrauen schenkt. Es ist eine Frage, die den Schotten zu freuen scheint. "Wir geben nicht auf, bloß weil der Aktienkurs schwach ist", sagt er. Das sei für ihn als Investor doch fast ein Geschenk. Denn wer auch in schweren Zeiten loyal bleibt, dessen Wort hat umso mehr Gewicht.

Als die Aktie von Facebook nach dem Börsengang einbrach, blieb Andersons Trust ebenfalls dabei. Zuckerberg bedankte sich bei ihm persönlich. Seither steigt der Kurs unaufhörlich.

Für Rocket sieht der Vermögensverwalter ebenfalls Chancen. Aus seiner Sicht kopiert die Start-up-Holding nicht nur Geschäftsmodelle, sie hat den Innovationsprozess "industrialisiert". Rocket liefere Start-ups vom Fließband mit einer gut geölten Managementmaschinerie. Mit Zalando hätten die Samwer-Brüder schon einmal bewiesen, dass sie ein Unternehmen sehr weit bringen können.

Andersons größter Wetteinsatz, das Investment in Amazon Börsen-Chart zeigen , hat sich ausgezahlt. Und nebenbei hat James Anderson noch erfahren, dass Jeff Bezos zu Hause abwäscht. Und das ziemlich schnell. Er glaubt nämlich, auch dafür die beste Methode erfunden zu haben.

Das Porträt stammt aus der Dezember-Ausgabe 2015 des manager magazins.

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