Mittwoch, 27. Mai 2020

Achten Sie auf: Emilio Matthaei Dieser Mann befehligt ein Heer von Roboter-Anwälten

Emilio Matthaei: "Das System spricht 18 Sprachen und lernt mit jedem Dokument hinzu."
Ole Schleef für manager magazin
Emilio Matthaei: "Das System spricht 18 Sprachen und lernt mit jedem Dokument hinzu."

Das Start-up Leverton produziert Roboteranwälte. Die sind oft billiger und besser.

Braver Haarschnitt, ruhige Stimme, bescheidener Auftritt: Emilio Matthaei tarnt sich als Tiefstapler. Nur selten blitzen Superlative hervor, wenn der CEO über Leverton spricht, polternde Gründerfolklore vermeidet er.

Ein cleverer Zug, wenn man für seine Kunden Bedrohung und Chance zugleich ist: Leverton hat zusammen mit dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz eine Art Robojuristen erschaffen, der Verträge ausliest - und versteht. Er nimmt Anwälten einen mühsamen und langweiligen Teil ihrer Arbeit ab, der andererseits zuverlässig das Stundenkonto füllte. Cornelia Thaler, die bei der Sozietät Clifford Chance das Immobiliengeschäft leitet, spricht bereits liebevoll vom "Kollegen Algorithmus, der uns besser und effizienter macht".

So locker dürften es wohl nicht alle Juristen sehen. Levertons Technologie, die die neuronalen Netze des menschlichen Gehirns imitiert, ist ihnen zum Teil schon überlegen: Das System spricht 18 Sprachen und lernt mit jedem Dokument hinzu. In Tausenden Seiten Klauseln, Zusatzvereinbarungen oder Protokollen kann es innerhalb von Minuten Verknüpfungen erkennen oder Fehler aufspüren.

Händisch Vertragsseite für Vertragsseite lesen, zuordnen, Notizen machen - wofür ein Anwalt drei Stunden benötigt, so erzählt ein Kunde, das erledigt die Software in 20 Minuten. O-Ton Matthaei: "eine ziemlich weitreichende Disruption".

Zu Levertons Kunden gehören Konzerne wie Union Investment, die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen, Matthaeis Ex-Arbeitgeber Goldman Sachs Börsen-Chart zeigen, aber auch Anwaltskanzleien wie Clifford Chance. Das Start-up, gegründet 2012, arbeitet seit zwei Jahren profitabel und konnte im Juni Daniel Hopp als Investor gewinnen, der für fünf Millionen Euro 20 Prozent der Anteile erwarb.

Bislang haben sich Matthaei und seine Partner Reinhard Edelmann (COO) und Florian Kuhlmann (CTO) auf das Immobilienbusiness konzentriert und ihre Software entsprechend dressiert. Im August half Leverton Union Investment dabei, den Verkauf eines milliardenschweren Portfolios an die französische Amundi-Gruppe einzutüten: Mit der Software konnte Union den Interessenten die juristischen Dokumente zu 17 Gebäuden transparent machen. Früher ein undurchdringlicher Dschungel aus 25.000 Seiten, der in fünf Sprachen von Sonderkündigungsrechten oder Kaltmieten jeder einzelnen Liegenschaft erzählt und lediglich per Stichprobe überprüft werden konnte.

Nach den Immobilien will sich Leverton nun die Banken vornehmen, danach Branche für Branche durchpflügen. Prinzipiell, sagt Matthaei, komme die Software mit jedem Dokumententyp klar.

Dabei hat der neue Roboteranwalt noch nicht mal das erste Staatsexamen.

Das obige Porträt stammt aus der Februar-Ausgabe 2016 des manager magazins.

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