Montag, 9. Dezember 2019

Ex-Hugo-Boss-Chef Bruno Sälzer über das Älterwerden The Old Kid on the Block

Bench entwickelte sich vom Skateboardlabel zur Marke der digitalen Hipster.

2. Teil: Old Kid on the Block

Bruno Sälzer
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    Bruno Sälzer war Chef von Hugo Boss und Escada, ehe er sich 2014 bei Bench einkaufte. Er lebt mit Frau und vier Söhnen in München.

mm: Machen Sie denn die Nächte noch durch?

Sälzer: Ab und zu. Bei unserem letzten Event in London ist es halb sechs geworden. Wir hatten in Shoreditch eine Party gegeben und sind dann noch nach Soho weitergezogen.

mm: Wohin?

Sälzer: Ins "The Box". Wir riefen an und fragten, ob wir mit ein paar Leuten vorbeikommen können. Seid ihr wahnsinnig, sagten die erst mal, sie seien auf Monate ausgebucht. Wir haben aber coole Leute dabei, sagten wir, die Band Rudimental, Kreative, Fashion-Blogger. Am Ende jedenfalls, um halb drei morgens, waren wir alle drin. 37 Leute.

mm: In dieser Szene sind Sie eindeutig the old Kid on the Block.

Sälzer: The young Kid jedenfalls nicht. Ich verstehe mich aber gut mit der jüngeren Szene, eine solche Kreativcrowd hatte ich schon bei meinen vorherigen Jobs bei Boss und Escada ständig um mich.

mm: Androgyn, metrosexuell, unisex, Transgender, Slacker, Hacker, Dark Waver - blicken Sie noch durch, wer oder was gerade den Ton angibt?

Sälzer: Es gibt nicht mehr den einen Trend, den einen Look, sondern viele, die nebeneinander bestehen. Selbst in einer Clique treffen sich heute die unterschiedlichsten Typen. Ich kenne Leute, die treffen sich vor Mitternacht mit einer Szene, hängen danach mit einer anderen ab und morgens ab vier Uhr wieder mit einer anderen. Dafür gibt es den Begriff Social Butterflies.

mm: Auf was ist da noch Verlass?

Sälzer: Auf mein Gefühl und die Trends in den sozialen Medien. Snapchat ist jetzt wichtig für uns. Vor einem Jahr haben wir noch gedacht, es sei ausschließlich Instagram. Heute regiert die Sehnsucht nach dem Authentischen.

mm: Sie sind vom CEO des Establishments zum Powerhipster mutiert. Ist das noch authentisch?

Sälzer: Vor fünf Jahren, zu meinen früheren CEO-Zeiten, gab es meine heutige Zielgruppe noch gar nicht. Bei Bench geht es um Streetwear und Urban Culture, die entscheidende Facette ist das Digitale. Es war für mich nicht ganz einfach, mich da reinzusurfen. Wir mussten die Frage beantworten: An welche Community können wir mit Bench andocken?

mm: Die ständige Suche nach Hoodieland also?

Sälzer: Ganz genau, deshalb auch #LoveMyHood. Der Hoodie ist ein Kleidungsstück nah am Kopf. Das ist ein immenser Vorteil, denn Mode startet am und im Kopf.

mm: Sie werden dieses Jahr 60. Wann ist es für Sie an der Zeit, Ihren ganz persönlichen Hashtag zu ändern in #SellMyHood?

Sälzer: Nicht solange ich noch in die angesagten Klubs reinkomme.

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