Währungsunion Exportschlager

Ost-Erweiterung des Euro: Die EU-Kandidaten werden auch der Währungsunion beitreten. Überraschenderweise könnten sie den Euro stärken.

Euroland wird wachsen - und wie. Schon in einem Jahrzehnt könnten 27 Staaten dazugehören - alle heutigen 15 EU-Mitglieder plus 12 Kandidaten. Die meisten Regierungen der Beitrittsländer warten ungeduldig auf Einlass in den exklusiven Währungsverbund.

Der Euro - ein Exportschlager.

Kann das gut gehen? Oder ruiniert ein so großer Teilnehmerkreis die gemeinsame Währung?

Schockwirkung: Probleme werden vor allem die unterschiedlichen Wirtschaftsstrukturen aufwerfen. In einer Währungsunion aus derart heterogenen Ländern läuft die wirtschaftliche Entwicklung leicht auseinander - einige Länder lahmen, während der Rest der Euro-Zone boomt. Die Europäische Zentralbank (EZB) kann nicht mit niedrigen Zinsen helfen: Sie muss sich am Euroland-Durchschnitt orientieren.

Wenn die Geldpolitik für nationale Maßnahmen ausfällt, wird sich die Krise andere Ventile suchen - üppige Hilfszahlungen aus den übrigen EU-Ländern und Auswanderungswellen. Um dies zu vermeiden, raten viele Ökonomen von einer raschen Euro-Ost-Erweiterung ab.

Hürdenlauf: Sicher ist, dass es keine überstürzte Währungsfusion geben wird. Zunächst müssen die Kandidaten die Beitrittskriterien des Maastricht-Vertrags erfüllen. Vorsorglich hat die EZB gemahnt, der EU und der Eurozone beizutreten, das seien "zwei getrennte Schritte".

Erst bei niedrigen Inflationsraten, stabilen Wechselkursen und sanierten Staatshaushalten gibt es den Euro.

Die heißesten Beitrittskandidaten - Ungarn, Tschechien, Estland, Slowenien und Polen - könnten den Maastricht-Test bereits in wenigen Jahren bestehen. Sie seien "schon viel näher" dran als die südeuropäischen EU-Länder in den frühen 90er Jahren, meint Daniel Gros vom Brüsseler Centre for European Policy Studies.

Damals erschien es undenkbar, dass Italien, Spanien und Portugal - der einst für laxe Wirtschaftspolitik berüchtigte "Club Med" - 1999 Euro-Gründungsmitglieder werden könnten.

Wachstumsschub: Das Beispiel der Südeuropäer zeigt, wie groß die Chancen sind. Ihr Beitritt zur Währungsunion hat Stabilität einkehren lassen. Die Zinsen sind dramatisch gesunken. Folglich erleben derzeit Spanien, Portugal und Griechenland (Letzteres kommt Anfang 2001 dazu) einen kräftigen Aufschwung.

So könnte sich auch Osteuropa entwickeln. Krisen in Russland, die noch 1998 die ganze Region erschütterten, wären dann kein Thema mehr. Der Euro könnte die Basis für einen Aufholprozess legen, von dem auch Westeuropa profitieren würde.

Am Ende, meint der belgische Ökonom Gros, könne die Euro-Ost-Erweiterung die Europäische Union "dynamischer" machen. Und eigentlich müsse dann auch der Euro gegenüber Dollar und Yen stärker werden - jedenfalls "aus rein ökonomischen Gründen".

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