Samstag, 20. Juli 2019

Deutsche Bahn Außer Plan - warum Bahnchef Grube mehr Geld braucht

Sperrige Güter, teurer Bahnhof: Wo Konzernchef Grube besonders gefragt ist
DPA

Konzernchef Grube träumt von Erfolgen in aller Welt. Dabei braucht er in nächster Zeit vor allem mehr Geld vom Staat.

Die Schachtel wirkt verheißungsvoll wie eine Pralinenbox mit zwei Lagen. 26 mal 26 Zentimeter misst der Karton, gut vier Zentimeter ragt er auf. "Das ist unsere Dachstrategie", erläutert Bahn-Chef Rüdiger Grube (62) und scheint zu wachsen, während er den Pappklotz überreicht. Richtige Freude bleibt beim Öffnen allerdings aus. Unter dem Deckel mit dem Aufdruck "DB 2020" kommt nur eine schmale Broschüre zum Vorschein, dazu ein Datenstick und ansonsten ein dickes Brett aus Styropor.

Viel Luft, wenig Inhalt - der Befund gilt auch für die Strategiefibel selbst. Da stehen erbauliche Sätze wie: "Wir wollen bis 2020 profitabler Marktführer werden." Von "transformationaler Führung" ist die Rede (angeblich der Wissenschaft entnommen), und von einem "Motor für das Bahnsystem".

Rote Balken zeigen, wie sich der Umsatz binnen eines Jahrzehnts verdoppelt, auf 70 Milliarden Euro. Alles in allem ein buntes Wunschkonzert. Ohne griffige Hinweise, wie aus der DB jene Bahn wird, die Bürger und Steuerzahler sich wünschen.

Der beste Verkäufer, den die Bahn je hatte

Kein Zweifel: Rüdiger Grube ist der beste Verkäufer, den die Bahn je hatte. Glanz und große Worte liegen ihm. Immerhin: In fünf Jahren an der Spitze - Anfang Mai feierte er sein kleines Jubiläum - hat er viel für das Ansehen des Staatskonzerns getan. Sein Vorgänger Hartmut Mehdorn (71) suhlte sich geradezu in Feindschaften; schrieb böse Briefe wie andere Leute Einkaufszettel.

Grube hingegen hat eine Charmeoffensive gestartet und nie mehr damit aufgehört. Meisterhaft umgarnt er Politiker, lobt Mitarbeiter. Persönlich besänftigt er erboste Kunden. Mindestens drei Beschwerden tagtäglich beantwortet der Chef selbst, am Telefon. "Die Bahn", bilanziert Grube seinen Erfolg, "hat die besten Imagewerte seit 20 Jahren."

Geschäftlich indes läuft es neuerdings weniger rund. Nach drei Jahren mit steigendem Überschuss brach der Gewinn 2013 ein, das Ergebnis nach Steuern fiel von knapp 1,5 Milliarden Euro auf weniger als die Hälfte (649 Millionen Euro). Die neue, nach unten korrigierte Mittelfristplanung (siehe Grafiken) zeigt: Es war kein einmaliger Ausrutscher. Vielleicht schaut Deutschlands oberster Weichensteller auch deshalb so gern in eine leuchtende Zukunft - die Gegenwart bietet zu viel hässliches Grau.

Das beginnt ausgerechnet im Kerngeschäft. Im Fernverkehr ist die Bahn von früheren Bestleistungen deutlich entfernt und verliert neuerdings Kunden an Fernbusse. Die Güterbahn rollt von einer Notlage in die andere und brachte zuletzt Jahr für Jahr weniger statt mehr Verkehr auf die Schiene.

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