Sonntag, 20. Oktober 2019

Billige Energie Die Fracking-Blase

Fracking: Fatale Kettenreaktion
manager magazin

Das neue US-Wirtschaftswunder ist viel weniger nachhaltig als erhofft. Dennoch könnte es der deutschen Industrie schwer schaden. Auch für die US-Industrie könnte die billige Energie bald zum Bumerang werden.

Die meisten bahnbrechenden Innovationen haben eines gemeinsam: Experten überschlagen sich mit Prognosen, von denen viele interessengeleitet sind und sich im Nachhinein als falsch herausstellen. Wetten genug Marktteilnehmer auf die so geschürten Erwartungen, entstehen Blasen, bei deren Platzen eine Menge Leute eine Menge Geld verlieren.

So geschehen, als im Jahr 2000 die Interneteuphorie abrupt zerstob und gleich ein ganzes Börsensegment, den Neuen Markt, mit dahinraffte. Oder als 2008 die Kreditverbriefung implodierte und die Finanzmärkte rund um den Globus ins Verderben riss.

Die neueste bahnbrechende Entwicklung, die derzeit halb Amerika euphorisiert, heißt Fracking, eine Methode, um Schiefergas und -öl in bisher unerreichbar tiefen Gesteinsschichten zu fördern. Dabei wird ein Gemisch aus Wasser, Sand und (teils giftigen) Chemikalien in Tausenden Metern Tiefe mit Hochdruck ins Gestein gepresst. Dort öffnet es Poren, in denen Öl und Gas über Millionen Jahre gefangen waren. Durch die Risse strömt der fossile Brennstoff an die Oberfläche.

USA: Selbstversorger statt am Tropf der Opec

Für "beinahe 100 Jahre" würden diese Gasvorräte reichen, schwärmte US-Präsident Barack Obama bereits. Nach Jahrzehnten am Tropf der Opec könnte Amerika endlich zum Selbstversorger werden und - weil Energie jetzt wieder so schön billig ist - seine bereits halbtote Industrie wiederbeleben.

Die Welt, so der neue amerikanische Traum, stehe am Anfang einer neuen Energieordnung, in der vor allem einer als strahlender Gewinner hervorsticht: das Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

Fürs alte Europa inklusive Deutschland sagen US-Experten dagegen einen schleichenden Verfall der Wettbewerbsfähigkeit voraus. Deutschland riskiere mit der Energiewende "einen Großteil seiner industriellen Basis", warnte Daniel Yergin, Vizepräsident der US-Analysefirma IHS in der "Zeit".

Wirklich? Wer genau hinschaut, erkennt, dass das Wirtschaftswunder made in the USA nicht annähernd so nachhaltig ist, wie von den Propheten verkündet. Amerika könnte schon bald zum Opfer seines Bohrwahns werden.

© manager magazin 2/2014
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