Sonntag, 8. Dezember 2019

Flughafen Berlin Methode Mehdorn

Missmanagement: Methode Mehdorn
DPA

5. Teil: Mehdorn und die "bittere Realität"

Zwischenzeitlich schien Mehdorn zu erkennen, dass seine Mischung aus Wollen und Wünschen nicht zum Ziel führt. In der "FAZ" gestand er im September ein: "Anfangs war ich optimistisch. Bis ich Stück für Stück gemerkt habe, was noch alles gemacht werden muss." Das sei schwer zu erklären, "aber die bittere Realität".

Eine Beichte ohne Folgen. Der angebliche Antreiber macht weiter wie bisher. Einen "picobello Flughafen" wolle er in Betrieb nehmen, gab Mehdorn zu Protokoll. Tatsächlich duldet er Murks, nur damit es irgendwie vorangeht.

Das auffälligste Beispiel dafür sind die Rolltreppen, die vom Bahnhof des neuen Terminals zur Empfangshalle hochführen. Durch eine Planänderung liegt die sogenannte Plaza rund einen Meter höher als ursprünglich gedacht. Die Rolltreppen aber wurden nach dem alten Plan bestellt und sind entsprechend zu kurz. Mehdorn lehnte es ab, längere Rolltreppen zu beschaffen. Stattdessen werde er einen "Friedhofsgärtner" kommen lassen, der schnell ein paar Stufen dranbaut. So geht's nun treppauf, auch Proteste der Bahn halfen nichts.

Von Besonnenheit keine Spur. Entgegen allen Einwänden hält Mehdorn stur an seiner Idee fest, den sogenannten Nordpier vorzeitig zu eröffnen, zu Versuchszwecken. Ursprünglich sollte es schon im Oktober dieses Jahres so weit sein, mit Easyjet als Erstkunden. Der Termin fiel beim Bauamt durch, es fehlten diverse Genehmigungen. Easyjet Börsen-Chart zeigen erkannte schnell den Aberwitz und winkte ab. Jetzt soll die Kleinst-Airline Germania am Nordpier abheben, Mitte oder vielleicht erst Ende 2014. Wirklich testen lässt sich damit nichts, sagen Fachleute, die Umbaukosten von rund sechs Millionen Euro seien absehbar vergeudet.

Sprint-Programm ohne Folgen

"Mehdorn hat ein Rechtfertigungsproblem", analysiert der Berliner Verkehrspolitiker Martin Delius (29; Piraten), der sich als Vorsitzender des BER-Untersuchungsausschusses einen Namen gemacht hat. Der BER-Chef habe ein "Sprint"-Programm verkündet und merke jetzt, "dass er den Flughafen damit auch nicht schneller fertig bekommt".

Umso wichtiger scheinen für den Bauherrn Fanale der Entschlossenheit. Derzeit setzt Mehdorn alles in Bewegung, um bereits im kommenden Sommer die nördliche Landebahn zu sanieren, die derzeit vom alten Flughafen Schönefeld genutzt wird. Dabei hatte er sich lange gegen die Reparatur der Nordpiste gesperrt, er wollte sie bis 2017/18 aufschieben.

Irgendwann entdeckte Mehdorn wohl, dass die Arbeit an der Nordbahn einen hübschen Nebeneffekt hat. Zum Ausgleich für die nördliche Rollbahn kann er dann die stillliegende Südbahn eröffnen, zumindest vorübergehend. Die muss er zwar wieder schließen, sobald die Nordpiste saniert ist. Doch erst mal hätte er schon 2014 etwas eröffnet.

Das Risiko des Manövers ist erheblich. Womöglich reicht die Zeit nicht, um bis zur Jahresmitte die nötigen Genehmigungen zu beschaffen und Vorarbeiten zu erledigen. In diesem Fall könnte die Nordbahn-Reparatur in den Winter rutschen - eine Unzeit für Bauarbeiten unter freiem Himmel. Vernünftiger wäre es allemal, die Sanierung im Frühjahr 2015 anzusetzen. Aber wer fragt schon nach Vernunft, wenn es um Effekte geht?

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