Freitag, 3. April 2020

Portrait René Benko Bubenstück - was Benko vorhat

Karstadt: Bubenstück
Philipp Horak

3. Teil: Dachböden zu Penthäusern

Geschenkt wurde ihm nichts. René wuchs in bescheidenen Verhältnissen in der Tiroler Hauptstadt Innsbruck auf. Der Vater, dessen Ahnen noch den ungarischen Namen Benkö trugen, war Stadtangestellter, die Mutter Kindergärtnerin.

Während seiner Gymnasialzeit arbeitete er als Assistent eines Projektentwicklers - und verbrachte irgendwann mehr Stunden in dessen Firma und auf Baustellen als im Klassenzimmer. Mit dem Ergebnis, dass die Lehrer seine Leistungen als "nicht beurteilt" einstuften.

Da es ihm nun verwehrt war, die Matura abzulegen, wie die Österreicher das Abitur nennen, schmiss er mit 17 die Schule - zum Entsetzen des Vaters, der sich erhofft hatte, dass sein Sohn es einmal weiter brächte als er selbst. Heute ist der Filius in Österreich ganz oben und seine jüngere Schwester Verena sitzt - mit Matura - in seinem Vorzimmer.

1999, mit 21 Jahren, machte Benko sich selbstständig. Mit der inzwischen erworbenen Expertise baute er Dachgeschosse von Mietskasernen aus der K.u.k.-Zeit zu Penthäusern aus. Das Geschäftsmodell war simpel: Den Hausbesitzern versprach er den Einbau von Fahrstühlen. Im Gegenzug bekam der Jungunternehmer die Dachböden billig oder umsonst.

Bald darauf lernte er seinen ersten Finanzier kennen, den 29 Jahre älteren Multimillionär Karl Kovarik, dessen Familie einst in Österreich ein Netz von 134 Tankstellen gehörte. Sein Schwager hatte eine von Benkos Dachwohnungen gekauft. Kovarik investierte 25 Millionen Euro in Benkos Firma, die damals noch Immofina hieß. Er öffnete dem jungen Mann auch die Türen bei den Banken.

Das Geschäft schwoll an und machte Benko zum Neureichen. Der erste Ferrari, teure Klamotten, Protz und Prunk - kurz: ein Lebensstil, der negativ auffiel.

Da war es ein Glücksfall, dass ein pensionierter Tiroler Volksbankdirektor namens Helmut Holzmann auf Benko aufmerksam wurde. Er scharte ein Beratergremium aus älteren Herren um ihn, unter anderen den früheren Chef der Bremer Landesbank, Peter Haßkamp (75), der über reichlich Österreich-Erfahrung verfügt. Haßkamp holte den Immobilienexperten Rainer de Backere (71) hinzu, einst Vorstand der Westfälischen Provinzial. Auch der Tiroler Skiweltmeister Harti Weirather (55), heute Sportpromoter, berät Benko seit damals.

Gemeinsam wirkten sie, wie Haßkamp es formuliert, "dämpfend" auf seinen Lebenswandel ein. Doch noch immer verkehrt Benko im Jetset, man trifft sich in Kitzbühel, wo Signa das Hahnenkammrennen mitsponsert, oder bei der Hochzeit von Tina Turner. Jährlich im November bittet er 300 erlesene Gäste zum Törggelen, dem Weinverkosten nach Tiroler Art, in seine Wiener Dependance, das mondäne Palais Harrach.

Immerhin schirmt er sein Privatleben inzwischen besser ab. Zur Befriedung seines Daseins gehörte auch, dass er die Beziehung zu seiner Schweizer Freundin Nathalie (30) legalisierte. Aus erster und zweiter Ehe hat er drei Kinder.

Der Ferrari bleibt heute meist in der Garage. Die am Mittelmeer liegende Jacht wird verchartert - wenn Benko darauf keine Gäste-Events veranstaltet, wie zur Immobilienmesse Mipim in Cannes. Keine Abstriche gab es bei den Flugzeugen. Sie gelten ihm als unverzichtbar, da er seinen Lebens- und Arbeitsmittelpunkt im abgeschiedenen Innsbruck hat.

© manager magazin 12/2013
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