Perspektiven Die Grünen entdecken die Wirtschaft

Die Öko-Partei versucht sich als angebotspolitisches Gewissen der neuen Regierung zu profilieren

Christine Scheel (42)

,
Vorsitzende im Finanzausschuß des Bundestags
Die gelernte Pädagogin genießt parteiübergreifend hohes Ansehen, wenn es um Fragen der Steuerpolitik geht. Sie hat das grüne Reformkonzept gestaltet.

Oswald Metzger (43),
Haushaltspolitischer Sprecher bei Bündnis 90/Die Grünen
Der Etatexperte sieht sich selbst als Ordoliberalen. Von Nachfragesteuerung hält er wenig. Dafür setzt er sich für eine strikte Sparpolitik und ausgeglichene Haushaltsabschlüsse ein.

Klaus Müller (27),
Finanzexperte der Grünen
Der Diplom-Volkswirt wurde als Neuling gleich zum Vizekoordinator für Wirtschaft und Finanzen bestimmt. Er steht für einen Ausgleich zwischen Angebots- und Nachfragepolitik.

Als Öko-Partei sind die Grünen für viele Wirtschaftsvertreter nach wie vor ein Schreckgespenst. In Sachen Wirtschaftspolitik aber findet der neue kleine Koalitionspartner in Bonn zunehmend Freunde.

Bei den Verhandlungen zur Steuerreform setzte sich die Partei für eine stärkere Senkung der Spitzensätze ein. Die Rentenreform der konservativ-liberalen Vorgängerregierung hätten die Grünen vorerst beibehalten. Und beim Thema Sparen drängten sie auf Streichung der 13. Monatspension für Beamte.

Ginge es nach dem Haushaltsexperten Oskar Metzger, würden die Grünen sogar zum liberalen Gewissen der neuen Regierung. Damit könne sich die Fraktion in der Rolle des Juniorpartners profilieren. Anders als SPD oder FDP sei die Partei wirtschaftspolitisch nicht so sehr in das Geflecht althergebrachter Interessen gebunden.

An Experten, die selbst von Konservativen gelobt werden, mangelt es der Fraktion keineswegs. Die Finanzexpertin Christine Scheel hat sich als ausgewiesene Kennerin in Steuerfragen einen Namen gemacht. Ihr gelang es, der SPD den Vorsitz im Finanzausschuß des neuen Bundestags abzuringen.

Als kompetente Gesprächspartner werden überdies die Wirtschaftspolitiker Margareta Wolf (41) und Werner Schulz (48) geschätzt. Als Neuling etabliert hat sich auch der Volkswirt Klaus Müller. Der 27jährige studierte beim liberalen Kieler Wirtschaftsprofessor Klaus-Werner Schatz, der zuletzt Rexrodts Grundsatzabteilung im Wirtschaftsministerium leitete. Müllers Abschlußnote: 1,25.

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