Perspektiven System Schröder

Wirtschaftsministerium und Kanzleramt sollen Lafontaine bremsen

Die Kabinettsriege

Bodo Hombach (46),
Kanzleramtsminister

Der studierte Sozialarbeiter zieht in der Bonner Machtzentrale die Fäden. Er fordert eine Angebotspolitik von links - ein Konzept, das mit der anfänglichen Grundphilosophie Lafontaines nur schwer vereinbar ist.

Werner Müller (52),
Minister für Wirtschaft und Technologie
Der Volkswirt berät Schröder seit 1991 in Fragen der Energiepolitik. Trotz geschrumpfter Kompetenzen will er sein Ressort als ordnungspolitische Mahninstanz erhalten und die Interessen des Mittelstands verteidigen.


Die Wirtschaftsfreunde

Siegmar Mosdorf (46),
Parlamentarischer Staatssekretär im Wirtschaftsressort
Der SPDler und ehemalige IG-Metaller hält von Globalsteuerung wenig, von Subventionsabbau und Mittelstandsförderung um so mehr.

Alfred Tacke (47),
Staatssekretär im Wirtschaftsressort
Der Volkswirt berät Schröder seit 1990. Als Staatssekretär sorgte er in Niedersachsen zuletzt für die Abwicklung industriepolitischer Notfälle - stets im Sinne der Unternehmen.

Rolf Schwanitz (39),
Staatsminister im Kanzleramt
Der SPDler ist für den Aufbau Ost zuständig, und der ist unter Schröder Chefsache.


Des Kanzlers Denkfabrik

In den vergangenen 16 Jahren fristete die Ökonomie im Kanzleramt ein Schattendasein. Das soll sich nun ändern. Um die Wirtschaftskompetenz der Schaltzentrale aufzuwerten, holte Gerhard Schröder den Aachener Wirtschaftsprofessor Klaus Gretschmann (49) ins Haus. Den Kontakt stellte Bodo Hombach her, für den der Finanzwissenschaftler in Nordrhein-Westfalen seit längerem beratend tätig war. Gretschmann wird nun die Abteilung Wirtschaft und Finanzen leiten und seine internationalen Kontakte einbringen. Der Ökonom forschte in Florenz und Washington, war als Berater für die OECD und den IWF tätig. Enge Kontakte hat er vor allem zur EU-Kommission, deren höhere Beamte er jahrelang fortbildete. In ein ideologisches Lager will sich Gretschmann nicht einordnen lassen. Er sei pragmatisch orientiert, weder Keynesianer noch einseitiger Angebotsanhänger. Es gelte beide Seiten auszubalancieren, lautet sein Credo.

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