Perspektiven System Lafontaine

Das Finanzministerium ist die Machtzentrale des SPD-Chefs

Die Denker

Heiner Flassbeck (47),
Finanzstaatssekretär für Internationales

Der bisherige Konjunkturchef beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat Lafontaines wirtschaftspolitische Thesen maßgeblich geprägt. In der Ökonomenszene gilt er als brillanter Denker und Enfant terrible zugleich. Er steht für eine klare Nachfragepolitik.

Claus Noé (60),
Finanzstaatssekretär für Grundsatzfragen

Der promovierte Politologe und ehemalige Mitarbeiter Karl Schillers setzt sich wie Heiner Flassbeck dafür ein, die Arbeitslosigkeit vor allem durch eine expansivere Geld- und Einkommenspolitik abzubauen.


Die Kontakter

Karl Diller (57),
Parlamentarischer Staatssekretär, zuständig für Haushaltsfragen
Der ehemalige haushaltspolitische Sprecher der SPD im Bundestag hat sich vor allem dadurch einen Namen gemacht, daß er Haushaltstricks von Theo Waigel kritisierte. Mit dem neuen Hausherrn Lafontaine wird der studierte Lehrer sicherlich vorsichtiger umgehen.

Barbara Hendricks (46),
Parlamentarische Staatssekretärin, zuständig für Steuerfragen
Die gelernte Lehrerin gilt als ausgewiesene Steuerexpertin. Ihre Ernennung dürfte allerdings in erster Linie dem Druck der SPD-Frauen zu danken sein. Wie Diller wird sie künftig den Kontakt zur Fraktion pflegen.


Getreue im Hintergrund

Neben den Posten der beamteten Staatssekretäre hat Oskar Lafontaine auch einige Abteilungsleiterstellen im Finanzressort mit Vertrauten besetzt. Ein Beispiel dafür ist Joachim Schwarzer (46), der neue Leiter der Haushaltsabteilung. Schwarzer wirkte in der Vergangenheit unter anderem als Leiter der Saarland-Vertretung in Bonn. Zuletzt stand er dem Büro des SPD-Chefs in der Bonner Parteizentrale vor.

Zu den Neubesetzungen im Finanzministerium zählt auch Karl Kühn, der zum Leiter der Zentralabteilung ernannt wurde. Das SPD-Mitglied war unter Lafontaine-Vorgänger Waigel Unterabteilungsleiter.

Schwieriger war für Lafontaine die Suche nach einem renommierten Ökonomen fürs Internationale. Jetzt soll der Trierer Wirtschaftsprofessor Wolfgang Filc die Abteilung für internationale Währungs- und Finanzbeziehungen leiten und Vorschläge für die Reform des Währungssystems vorbereiten.

System Schröder


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