Sonntag, 15. Dezember 2019

Luftfahrt Generation Golf

Etihad, Qatar, Emirates: Kampfpiloten, Provokateure und Strategen
REUTERS

Emirates, Qatar und Etihad fischen den europäischen Airlines die Passagiere weg. Sind die Fluglinien aus Mittelost noch zu stoppen?

Hamburg - Da klingt Liebe durch. "Ich hatte niemals einen schlechten Flug mit Lufthansa", schwärmt Tim Clark (63), "ich habe es oft sogar genossen." Und wenn er mal von Hamburg nach Toulouse müsse, "fliege ich bestimmt nicht über Paris, sondern über München, mit Lufthansa."

Komplimente eines Kenners - Tim Clark, ein englischer Gentleman, ist Präsident von Emirates Airline aus Dubai, einem Erzrivalen der deutschen Nationallinie. Immerhin wissen die Lufthanseaten jetzt, dass keine persönlichen Animositäten im Spiel sind, wenn Clark und seine Emirates alles daransetzen, den Kranich zu rupfen.

Nein, der Mann hat die Logik auf seiner Seite und steht dabei ja auch nicht allein. Gleich in Clarks Nachbarschaft, in Abu Dhabi und Katar, keilen sich zwei Gleichgesinnte um die internationalen Passagiere: Etihad und Qatar Airways.

Sie alle wachsen wie gedopt. 55 neue Ziele hat das Trio in den vergangenen drei Jahren in den Flugplan aufgenommen, rechnet die Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) vor. Die etablierten Langstrecken-Airlines kamen derweil lediglich auf acht neue Destinationen. Emirates fliegt schon heute mit deutlich mehr Langstreckenjets als die Lufthansa Börsen-Chart zeigen.

Airlines vom Golf: Vom Kuriosum zur Wirtschaftsmacht

Qatar besaß vor 15 Jahren erst 4 Maschinen, heute bestellt sie eben mal 30 Boeing-Dreamliner auf einen Schlag. Etihad-Chef James Hogan (56) baut nach eigenen Angaben die "schnellstwachsende Fluggesellschaft in der Geschichte der kommerziellen Luftfahrt" - und kein Experte bezweifelt den Superlativ.

Vom Kuriosum zur Wirtschaftsmacht - die Golf-Airlines lassen ihrem maßlosen Ehrgeiz Taten folgen. Mit Riesenmaschinen und Kampfpreisen setzen sie den herkömmlichen Linien immer heftiger zu. Nichts hat die Aufsteiger bisher aufhalten können, weder Lobbydruck noch Finanzkrisen oder verspätet gelieferte Flugzeuge.

Was, fragen sich die Strategen, bleibt den Klassikern wie Lufthansa oder Air France-KLM zur Gegenwehr? Sind die Golf-Airlines noch zu stoppen?

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