Donnerstag, 17. Oktober 2019

Vermögensaufbau Reich nach Plan - trotz Euro-Krise

Überblick: Die Anlagestrategien erfolgreicher Unternehmer
Corbis

4. Teil: Abkassiert dank Lehman Brothers

Doch Aktien sind nicht das einzige Element einer ausgewogenen Anlagestrategie. Bei IT-Unternehmer Lang kommen nicht mehr als 30 Prozent Dividendentitel ins Depot, wegen der Kursschwankungen. Sein Hauptbaustein für die Altersvorsorge sind Unternehmensanleihen, weil sie die Rückzahlung des Kapitals versprechen und Gläubiger im Insolvenzfall eine bessere Stellung haben als Aktionäre. "Bei Anleihen haben Sie nur selten einen Totalverlust", sagt Lang.

Auch Zinspapiere können lukrative Investments sein. So brachte der Anleihefonds Acatis IfK Value Renten in den vergangenen drei Jahren im Durchschnitt 8,4 Prozent Plus pro Jahr.

In der Finanzkrise ließen sich Verwerfungen an den Anleihemärkten ausnutzen. Nach dem Kollaps von Lehman Brothers Börsen-Chart zeigen 2008 fielen auch Anleihen solider Konzerne so stark im Kurs, dass Schnäppchenkäufer dank Preisabschlag plus Zinsen zum Beispiel 8 Prozent Rendite mit BMW-Bonds verdienten.

Aktuell bringen sichere Anleiheinvestments jedoch oft nur noch 2 Prozent ein. "Das macht es schwerer. Wir entdecken aber weiterhin viele Anleihen, die Werterhalt und gute Verzinsung bieten", sagt Langs Vermögensverwalterin Herodek.

Sabine Christiansen setzt auf China, Südamerika und Afrika

Auch die Wachstumsmärkte Asiens und Südamerikas bieten wertvolle Bausteine für die langfristige Strategie. Dort ist eine Frau viel unterwegs, die Deutschlands Fernsehzuschauer eher mit den "Tagesthemen" und ihrer Talkshow verbinden: Sabine Christiansen (55).

Im Berliner Villenviertel Grunewald sitzt ihre Produktionsfirma TV21. Allerdings ist es nicht leicht, sie dort zu erreichen. An diesem sonnigen Herbsttag Mitte November ist sie nur für 24 Stunden hier; zwei Tage zuvor war sie noch in China, um die Aktivitäten des Logistikers Hermes Europe kennenzulernen, in dessen Aufsichtsrat sie sitzt. Das Unternehmen gehört zur Otto Group, Eigentümer Michael Otto kennt Christiansen seit mehr als 25 Jahren.

"Ich bin investiert in China, in Südamerika, auch in Afrika. Ich glaube, dass die Wachstumsmärkte dort sehr erfolgreich sein werden", sagt sie.

Investmentideen aus ihrem Managernetzwerk und von ihren Reisen bespricht Christiansen mit der Vermögensverwalterin Constanze Hintze aus München. Im Juni 2011 zum Beispiel kaufte Christiansen auf Empfehlung ihrer Beraterin einen Türkei-Aktienfonds. Das Land überzeugte sie wegen der Nähe zu Europa sowie der jungen und wachsenden Bevölkerung. Ein gutes Jahr später freut sich Christiansen über mehr als 25 Prozent Plus mit dem Fonds.

Seit 2008 arbeitet Christiansen mit Hintze zusammen. Bisher haben sie jedes Jahr mehr als 10 Prozent Rendite geschafft. Dabei ist zu verschmerzen, dass gelegentlich etwas schiefläuft in den aussichtsreichen, aber auch riskanten Weltregionen, in denen das Damenduo anlegt. Mit einem Fonds setzte Christiansen vor einigen Monaten auf kleine Börsen, die als nächste Generation der Wachstumsmärkte angepriesen werden ("Next 11") - und zog einige Monate später nach deutlichen Verlusten die Notbremse. "Ich bin jemand, der auch mal radikal verkauft", erzählt sie.

© manager magazin 1/2013
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