Mittwoch, 17. Juli 2019

Vermögensaufbau Reich nach Plan - trotz Euro-Krise

Überblick: Die Anlagestrategien erfolgreicher Unternehmer
Corbis

3. Teil: Der Renditevorteil von Aktien

Schon vor 50 Jahren hat der ehemalige BAT-Manager begonnen, Investmentlehrbücher auf Englisch zu lesen. "Das ist mein Hobby, ich hatte keinen Platz für eine Modelleisenbahn", sagt er. Für den Autodidakten ist klar, was der Hauptbaustein für den Vermögensaufbau sein sollte: Aktien. Seine Argumente dafür sind übrigens ganz unabhängig von der aktuellen Staatsschuldenkrise: "Mit Aktien verdient man auf lange Sicht 2 Prozentpunkte pro Jahr mehr als mit Zinspapieren", sagt er. "Denn es gibt immer Menschen, die unsere Wirtschaft vorantreiben. Bei denen müssen Sie investiert sein." In den vergangenen 100 Jahren war der Renditevorteil von Aktien im Durchschnitt sogar noch größer (siehe Grafik "Rendite" links) .

Der Anlageveteran setzt auf Unternehmen, die sich jahrzehntelang bewährt haben. "In den 60er Jahren waren Aktien ein Symbol für Wohlstand. Damals kam die Idee des Volkssparens auf, durch die Volkswagen-Aktie", erinnert er sich. "Und Volkswagen Börsen-Chart zeigen gibt es heute immer noch, die verkaufen Mobilität." Sicher, es gebe auch in der Elektronik, der Nanotechnologie oder der Windkraft diverse Wachstumschancen. "Aber wer findet da die richtige Firma? Ich jedenfalls nicht", sagt der Warren-Buffett-Fan aus Mölln.

Um zu entscheiden, ob eine Aktie günstig oder teuer ist, hält er sich an eine bewährte Investmentregel: Kurs-Gewinn-Verhältnisse schwanken um einen Mittelwert. Nach einem überzogenen Anstieg oder einem übertriebenen Absturz kehren sie meist wieder zu ihrem Mittelwert zurück.

Konkret ausgedrückt: "Wenn ich sehe, dass die Versorgeraktie Eon einmal 50 Euro gekostet hat und jetzt 14 Euro, dann denke ich mir, dass das Mittel irgendwo dazwischen ist, so zwischen 20 und 25 Euro. Es wird keine fünf Jahre dauern, bis der Kurs wieder dort ist." Jedenfalls dann, wenn der Konzern zu alter Ertragskraft zurückfindet. Die Aktie von BP hat Kuhlmann nach der Ölkatastrophe aus dem gleichen Grund gekauft, ebenso wie Hobby-J.-R. Asbeck es tat.

Dank seines Glaubens an den Mittelwert hat Kuhlmann bei Börsenturbulenzen gut verdient. Seit 1997 ist das Vermögen seiner Stiftung von 137.000 auf mehr als zwei Millionen Euro gestiegen, "nicht trotz, sondern wegen der Krise", sagt der Hobbysegler. "Weil ich eben so einen Riecher habe, dass nach dem Orkan immer eine Windstille kommt. Immer. Man weiß nur nicht, wann."

Auf jeden Orkan folgt eine Windstille

Aber kann man denn wirklich mit Aktien heute noch Geld verdienen, trotz der schwelenden Finanzkrise? "Man kann nicht nur, man muss, wenn man überhaupt Geld verdienen will", sagt Kuhlmann. "Mit Staatsanleihen können Sie das nicht!"

Für Solarworld-Chef Asbeck ist ebenfalls klar, wo er in Zeiten niedriger Zinsen sein Geld anlegt: "In Aktien von erstklassigen Unternehmen, die über eine attraktive und ausbaufähige Dividende verfügen", sagt er. Mehr als die Hälfte seines liquiden Vermögens hat er in Unternehmensanteile investiert.

Mit solch einer Strategie kann man selbst zum ungünstigsten Zeitpunkt beginnen: So wie Asbeck, der wenige Monate vor dem Kollaps von Lehman Brothers sein Geld den Vermögensverwaltern von Wagner & Florack anvertraute. Zu Beginn ließen sie es vorsichtig angehen, denn die Warnsignale waren bereits 2007 deutlich erkennbar: "Damals kollabierten die ersten Hedgefonds, bald darauf war es auch mit der Investmentbank Bear Stearns vorbei. Das Marktrisiko wurde mir zu groß, und wir haben die Aktienquote stark reduziert", sagt Asbeck.

Durch das Jahr 2008 ging er mit viel Gold und Anleihen im Depot. "Ab dem Frühjahr 2009 erschienen uns Aktien dann wieder günstig, und wir haben gekauft", so Asbeck. "Ebenso wie im Sommer 2010 - und auch jetzt."

Selbst wenn die Euro-Krise und andere Probleme kurzfristig die Kurse senken sollten, ist Berater Wagner überzeugt: "Unternehmen mit führender Marktposition, die Krisenresistenz und Inflationsschutz bieten, werden langfristig profitieren." Und: Dividendenrenditen von 4 Prozent sind drin, das hilft unmittelbar beim Vermögensaufbau.

© manager magazin 1/2013
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