Donnerstag, 17. Oktober 2019

Vermögensaufbau Reich nach Plan - trotz Euro-Krise

Überblick: Die Anlagestrategien erfolgreicher Unternehmer
Corbis

2. Teil: Wann wollen Sie sterben?

Wer wissen will, wie der Unternehmer Lang mit dieser Herausforderung umgeht, bekommt zwei Versionen zu hören: Die eine ist theoretisch gut begründet und braucht deshalb vier Absätze. Die andere ist viel einfacher. Aber dazu später.

Beginnen wir mit der finanzwissenschaftlich fundierten Version der Vorsorgestrategie. Die geht in etwa so: Wenn Lang im Alter 100.000 Euro Jahreseinkommen vor Steuern erzielen will, entspricht das bei einer Inflation von 2,5 Prozent pro anno im Jahr 2032 einem Betrag von gut 160.000 Euro.

Dann ist abzuschätzen, wie viele Jahre Lang denn ein solches Einkommen benötigen wird. Keine einfache Sache, denn für eine korrekte Antwort müsste ein Sparer wissen, wann er stirbt. Pragmatisch betrachtet genügt es den meisten Menschen, bis zum Alter von 90 Jahren finanziell abgesichert zu sein. Wenn Lang also mit 65 beruflich kürzertreten will, sollte sein Vermögen für 25 Jahre Rentendauer ausreichen.

Wie viel Kapital Lang zu Beginn seines Ruhestands im Depot haben muss, um dieses Einkommen zu erzielen, hängt stark davon ab, welche Rendite er beim Ansparen erzielt. Wenn der Unternehmer für seine Investitionen nur 1,5 Prozent Rendite bekäme, so wie aktuell bei Bundesanleihen, bräuchte er 3,4 Millionen Euro angespartes Kapital. Bei 7 Prozent Rendite sieht die Rechnung schon freundlicher aus: Dann würden zwei Millionen Euro genügen.

5 bis 7 Prozent wollen Lang und Herodek deshalb erreichen. Eine solche Rendite hilft übrigens auch dabei, das Kapital überhaupt erst aufzubauen. Bei einer Verzinsung des Sparkapitals von 7 Prozent würden 2000 Euro pro Monat genügen für den Aufbau einer weiteren Million Euro. Steckt ein Anleger dagegen alles in Bundesanleihen, müsste er pro Monat dafür fast 5000 Euro sparen (siehe Tabelle links) .

Abseits der Mathematik: Geld beiseite legen, wann immer es möglich ist

So viel zur Finanzmathematik. Die einfache Version der Anlagestrategie von Nils Lang geht so: Der Unternehmer weiß nicht genau, wie viel er mit 65 gespart haben muss. Er weiß auch nicht, wie lange er danach noch Rente braucht. Er hat kein Ziel, wie viel Euro er pro Monat sparen will, nicht einmal pro Jahr. Lang legt einfach Geld beiseite, wenn er es sich gerade leisten kann und es die Situation des Unternehmens erlaubt.

Dann hofft er, dass Monica Herodek mit dem Geld vernünftig arbeitet. Wie viel Prozent Rendite das genau sind, ist ihm eher egal.

So geht es selbst Menschen, die sehr viel Erfahrung mit der Altersvorsorge haben, etwa Edmund Kuhlmann (83). "Unter Prozenten kann ich mir nichts vorstellen, so wenig wie die meisten Menschen", sagt der ehemalige Personalleiter von British American Tobacco (BAT) Börsen-Chart zeigen in Hamburg. "Als ich 1959 bei BAT anfing, wollte ich innerhalb von fünf bis zehn Jahren genug Geld haben, um aus den Erträgen die Miete zu zahlen. Damit kann ich etwas anfangen."

Dem Ex-Manager, der heute in Mölln wohnt, hat es geholfen, solch konkrete Ziele für die Finanzplanung festzulegen - und beim Sparen motiviert. Von den anfänglich 800 Mark Bruttogehalt legte er jeden Monat 300 Mark zurück. Mehr als 50 Jahre lang hat er investiert: zuerst in Fonds, dann in Aktien und auch in Optionen, die als Glücksspiel galten, daher waren die Gewinne steuerfrei. "Das war eine Money Making Machine", schmunzelt Kuhlmann.

"Ich habe einige Millionen an der Börse verdient, obwohl ich nackt auf die Welt gekommen bin", sagt er. Wie viel Prozent Plus er pro Jahr im Durchschnitt gemacht hat, das kann er nicht sagen. Es interessiert ihn auch nicht so brennend. Sein erstes Ziel hatte er schnell erreicht. Ein Haus kostete damals, in den 60er Jahren, rund 300.000 Mark. Als er das Geld zusammenhatte, legte er die Messlatte höher: eine Million Mark. "Damit ich das Ziel konkret vor Augen hatte, habe ich mir einen Geldschein aus der Inflationszeit eingerahmt und ins Büro gehängt."

Sparsamkeit und kluge Anlagestrategie führten dazu, dass stolze Summen zusammenkamen. Eine von Kuhlmann gegründete Stiftung fördert Schüler, Auszubildende und Studenten. Weitere Millionen werden dorthin fließen, wenn Kuhlmann und seine Frau das Geld nicht mehr benötigen; das Paar hat keine Kinder.

© manager magazin 1/2013
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