Freitag, 6. Dezember 2019

Pudding-Clan Oetker-Sippe in rauer See

Oetker: Welche Sparten Probleme haben - und wer neue Rezepte liefern soll
DPA

6. Teil: Ein neuer Finanzmann

Schon heute liegt die operative Führung zu großen Teilen bei familienfremden Managern, mit wenigen Ausnahmen. Richard Oetker leitet als Konzernchef formal die Lebensmittelsparte, überlässt jedoch viele Präsenztermine seinen Leuten. Alfred Oetker verantwortet das Geschäft in den Niederlanden.

Die nächste Generation indes - also die Kinder der Erben - zeigt wenig Interesse an unternehmerischer Arbeit im Familienbetrieb.

Die Oetkers kennen die schwierigen Fragen für die Zukunft ihrer Gruppe. Doch der Clan ist unschlüssig, wie viel Henkel er wagen will.

In diesem Vakuum braucht die Familie mehr denn je einen starken Finanzmann, der die heterogenen Geschäfte zusammenhält. Die Sippe hat deshalb jetzt einen Nachfolger für den langjährigen Kassenwart Ernst F. Schröder (64) bestimmt. Albert Christmann (49), von Schröder über Jahre gefördert und zuletzt Chef der Biersparte, soll ab 2014 die Finanzen hüten. Christmann gilt als kundig, muss allerdings mit dem Makel leben, dass Oetker am Biermarkt hinter den strategischen Zielen zurückblieb.

Wachwechsel im Management

Seinem Mentor Schröder war es stets gelungen, die Familie zu zügeln. Die jährlichen Ausschüttungen hielt er mit weniger als 10 Prozent des Gewinns niedrig; in der Regel schütten börsennotierte Unternehmen deutlich mehr aus. Statt Geldgeschenke zu verteilen, päppelte Schröder das Eigenkapital auf 2,5 Milliarden Euro, beachtliche 34 Prozent der Bilanzsumme. Eigentlich ein ordentliches Polster. Dennoch zeigte sich der erfahrene Finanzer zuletzt beunruhigt.

Die jüngste Bilanz kommentierte er ungewohnt drastisch. Der Gewinn habe "merklich unter dem Vorjahr und deutlich unter unseren Planungen" gelegen. Insbesondere die Performance der schwächelnden Reederei bezeichnete er als "große Enttäuschung".

Alfred Oetker hingegen wirkt zufrieden, als er das Podium in Bremen verlässt. Die Zuhörer klatschen brav, Dr. Oetker öffnet sich eine dunkelrote Bionade-Brause und plaudert.

Den Studenten gibt er an diesem Abend einen Karrieretipp mit auf den Weg. In manchen Phasen müsse man sich "ruhig und geduldig" verhalten, doziert er. "Zeigen Sie der Welt, wie gut Sie sind - und fragen Sie nicht gleich nach der nächsten Beförderung."

© manager magazin 1/2013
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