Donnerstag, 5. Dezember 2019

Pudding-Clan Oetker-Sippe in rauer See

Oetker: Welche Sparten Probleme haben - und wer neue Rezepte liefern soll
DPA

5. Teil: Für den großen Wurf fehlt das Geld - Hilfe durch Modell "Henkel light"?

Eine Not lastet auf allen Sparten: Kapitalmangel. Für den richtig großen Wurf fehlt Oetker nicht nur der Wille, sondern auch das Geld. "Wir haben begrenzte finanzielle Möglichkeiten", räumt Alfred Oetker ein, "und so müssen wir vernünftige Entscheidungen treffen." Er berichtet von Spartenchefs, die laufend nach zusätzlichen Mitteln fragten. Oetker könne jedoch nicht alle Segmente gleichermaßen bedienen: "Das ist eine Herausforderung, die sich uns ständig stellt."

Ein möglicher Ausweg aus dem Dilemma: Oetker könnte sich stärker in Richtung eines professionellen Großkonzerns entwickeln - und damit unabhängiger von der Familie entfalten.

Ein Industrieklassiker aus Düsseldorf liefert die Vorlage für Planspiele: Der Erfolg des fremdgeführten Henkel-Konzerns beflügelt die Fantasien vieler Oetkers. Der ehemalige Henkel-Chef Ulrich Lehner sitzt passenderweise im Oetker-Beirat und hat dort schon mehrfach das Düsseldorfer Modell vorgestellt.

Zwar wollen die Oetkers nichts überstürzen. Einen baldigen Börsengang nach dem Vorbild Henkels schließt die Mehrheit des Clans weiter kategorisch aus. Was den Firmenerben stattdessen vorschwebt, ist eine Art "Henkel light": Die Familie könnte das externe Management weiter stärken - und sich selbst auf die Kontrolle beschränken.

Mehr Bewegung im Oetker-Reich

Erste Maßnahmen zur Öffnung hat sie bereits ergriffen. 2012 erweiterte sie den Beirat um mehrere Familienfremde: den Kaffeeerben Andreas Jacobs (49), den Lufthansa-Vorstand Carsten Spohr (45) sowie Christoph von Grolman (53), der eine Holding der Familie Thyssen lenkt.

Als Nächstes könnte Oetker auch die operative Führung reformieren. Das überkommene Konstrukt der persönlich haftenden Gesellschafter (phG) steht zur Disposition. Die Familie denkt darüber nach, die phG auf mittlere Sicht durch gewöhnliche Geschäftsführer zu ersetzen. Der Vorteil: Manager ohne Sonderrechte ließen sich leichter austauschen. In die starre Führungsstruktur des Oetker-Reichs käme mehr Bewegung.

Völlig offen ist hingegen, ob weiterhin ein Namensträger an der Spitze stehen wird. Ehemalige Manager orakeln, Richard Oetker könnte das letzte Familienmitglied mit Chefwürden sein.

Noch kämpft Alfred Oetker um seinen Anspruch. Und wappnet sich für die kommenden heiklen Debatten der Gesellschafter. Gemeinsam mit seinem Bruder Carl Ferdinand entwickelt der vermeintliche Kronprinz Strategieoptionen für die Zukunft des Konzerns. Änderungen im Portfolio stehen dabei genauso zur Debatte wie eine mögliche Neuaufstellung der Führungsetage.

Allzu revolutionäres Gedankengut meidet Alfred Oetker jedoch, schon aus politischem Kalkül. Der Aspirant empfiehlt sich auch als ein Bewahrer. "Familienunternehmen stehen immer zwischen Tradition und Moderne", druckst er beim Auftritt in Bremen. Historische Wurzeln müssten gepflegt und manchmal "flexibel gemacht" werden. Manchmal jedoch hilft nur ein radikaler Baumschnitt.

© manager magazin 1/2013
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