Freitag, 13. Dezember 2019

Pudding-Clan Oetker-Sippe in rauer See

Oetker: Welche Sparten Probleme haben - und wer neue Rezepte liefern soll
DPA

4. Teil: Backmischung und Tiefkühlpizza stoßen in Asien auf Barrieren

Als Notgroschen für schwere Zeiten will Oetker nun rund 400 Millionen Euro beiseitelegen. Diesen Betrag dürfte der beschlossene Verkauf des 26-Prozent-Anteils an der Parfümerieholding Douglas Börsen-Chart zeigen einspielen.

Das alte Stammgeschäft, die Nahrungsmittelsparte, fällt als Rückversicherung zunehmend aus. Zwar erzielt die Einheit Branchenschätzungen zufolge noch eine Umsatzrendite im hohen einstelligen Prozentbereich, was einem Jahresgewinn von etwa 200 Millionen Euro entspräche. Doch das Wachstum stockt. Die Oetkers verkaufen ihre Lebensmittel vor allem in Europa, die Euro-Krise trifft sie voll.

"Oetker müsste im Ausland größere und mutigere Schritte gehen", konstatiert Andreas Bauer, Partner und Konsumgüterexperte der Unternehmensberatung Roland Berger. "Wachstum außerhalb Europas ist meist nur mit Akquisitionen zu erzielen."

Für die Bielefelder gilt das ganz besonders. Denn mit dem aktuellen Portfolio stößt die Expansion in frohwüchsigen Schwellenländern an harte Barrieren. Ob Backmischung, ob Tiefkühlpizza - für zahlreiche Produkte benötigen die Kunden einen Ofen. Der fehlt jedoch in vielen asiatischen Haushalten, vor allem in China. Globale Markenmultis wie Nestlé Börsen-Chart zeigen oder Unilever Börsen-Chart zeigen kommen da mit ihren Produkten - etwa Kaffee oder Margarine - besser voran. Oetker bleiben nur Mini-Akquisitionen, wie jüngst in Malaysia, die den Umsatz um ein paar handverlesene Milliönchen aufbessern.

Bunter Mix regionaler Biere

Hinzu kommt eine gewisse Fantasielosigkeit. In den Vereinigten Staaten will Oetker mit Tiefkühlpizzen reüssieren - ausgerechnet in einem Land, das schon jetzt vor Convenience-Nahrung überquillt.

Wenig überzeugend auch die Lage der Biersparte. Oetker nennt sich deutscher Marktführer, verfügt aber kaum über zugkräftige Marken von nationalem Format. Echte Größenvorteile lassen sich mit dem bunten Mix regionaler Biere (Schlösser Alt, Allgäuer Brauhaus, Küppers Kölsch) kaum erzielen. Und selbst das Vorzeigeprodukt Radeberger Pils hat nur in Ostdeutschland Erfolg. In den westlichen Absatzregionen brach der Verkauf zuletzt zum Teil zweistellig ein.

Das eigene Ziel, einen Marktanteil von 20 Prozent, hat Oetker mit einer Quote von zuletzt rund 13 Prozent klar verfehlt. Die preiswerten Handelsmarken ziehen den Bielefeldern davon.

Eine Attacke im alkoholfreien Segment schlug fehl; Oetker kaufte die einstige Fabelmarke Bionade genau zu dem Zeitpunkt, als ihr Niedergang begann. Anders als vom Konzern gern dargestellt, hält die Schwindsucht des Ex-Hoffnungsträgers an: Bionade verliert Marktanteile an neue Modebrausen von Rivalen wie Krombacher oder Veltins. Und international fehlt dem Oetker-Bräu ohnehin jede Chance gegen Giganten wie AB Inbev (Bud Light, Stella Artois, Beck's) oder Heineken Börsen-Chart zeigen.

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