Samstag, 7. Dezember 2019

Pudding-Clan Oetker-Sippe in rauer See

Oetker: Welche Sparten Probleme haben - und wer neue Rezepte liefern soll
DPA

3. Teil: Reederei Hamburg Süd wird zum Großrisiko

Alfreds jüngerer Bruder Carl Ferdinand muss sich ganz hinten anstellen. Eigentlich wollte der Bankier zum persönlich haftenden Gesellschafter der hauseigenen Privatbank Lampe aufsteigen. Doch er hat sich mit der schwächeren Funktion des Generalbevollmächtigten zu begnügen.

Lediglich auf einen Minimalkonsens konnte sich der Clan verständigen: Offener Streit ist tabu. Die Öffentlichkeit darf vom Zwist möglichst nichts mitbekommen. Ruft ein Journalist bei einem Familienmitglied an, ist ein paar Stunden später die ganze Sippe alarmiert. Zumindest nach außen soll der Schein der Geschlossenheit gewahrt bleiben.

Dabei müsste die Familie gerade jetzt nicht nur formal zusammenstehen. Sondern auch handeln. Denn die wirtschaftliche Lage wird zusehends schwierig.

Vorbei die Zeiten, da die Oetkers von ihrer ungewöhnlich breiten Aufstellung profitierten. Vom Backpulvertütchen bis zum Containerschiff - irgendetwas lief immer. Inzwischen jedoch haben sich die Gewichte ungut verschoben.

Fusion von Hamburg Süd und Hapag Lloyd wird geprüft

Zum Großrisiko entwickelt sich die konzerneigene Reederei Hamburg Süd. Unter Rudolf August Oetker war sie ursprünglich mehr ein Beiwerk, um Steuern zu sparen. Inzwischen indes steuert die maritime Abteilung fast die Hälfte des Umsatzes bei - und rückt Oetker damit mitten in den Sturm auf dem Schifffahrtsmarkt.

Gewaltige Überkapazitäten belasten den Markt und verderben die Preise, die Treibstoffkosten eskalieren, ein Ende der Depression ist nicht abzusehen. Praktisch alle bekannten Linien schreiben rote Zahlen. Auch Hamburg Süd dürfte in diesem Jahr wieder Geld verlieren. Hohe Investitionen drohen das Ergebnis erneut zu belasten. Bereits 2011 steckte Oetker 479 Millionen Euro in die Schifffahrt, fast zwei Drittel der gesamten Investitionen des Konzerns (siehe Grafik links "Oetkers Dilemma") .

Nicht einmal der Branchenführer, die dänische Reederei Maersk, hat noch Freude am Geschäft. Unlängst kündigte Maersk an, man werde die Investitionsmittel künftig lieber in andere Geschäftsfelder lenken.

Oetker hingegen scheut große Schritte. Schon heute hat die im Vergleich nur mittelgroße Hamburg Süd Mühe, gegen die Wucht der Branchenriesen zu bestehen. Das Größenproblem ist den Oetkers durchaus bewusst; immer wieder führten sie Gespräche mit dem Hamburger Wettbewerber Hapag-Lloyd über ein Zusammengehen. Auch die Stadt Hamburg als Großeigner von Hapag-Lloyd würde den maritimen Standort gern stärken und die beiden größten Reedereien der Hansestadt verheiraten. Inzwischen hat sich der Oetker-Clan immerhin dazu durchgerungen, eine Fusion mit Hapag-Lloyd eingehend zu prüfen.

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