Samstag, 14. Dezember 2019

Pudding-Clan Oetker-Sippe in rauer See

Oetker: Welche Sparten Probleme haben - und wer neue Rezepte liefern soll
DPA

2. Teil: Machtkampf zwischen alt und jung

Oetker gleicht bis heute mehr einem Hofstaat als einem modernen Großkonzern. Die Familie dominiert das Geschäft - mit all ihren Emotionen und Eitelkeiten. An der Spitze steht ein leibhaftiger Oetker, um die verschiedenen Sparten kümmern sich Geschäftsführer, die vasallengleich zu "persönlich haftenden Gesellschaftern" geadelt werden.

Doch seit dem Tod des Übervaters Rudolf August Oetker fehlt der Fixpunkt. "Wir bewegen uns von einem patriarchalischen System, einer Monarchie, hin zu einer Demokratie", beschreibt Alfred Oetker die Lage. "Man muss seine Mentalität ändern, um damit zu leben." Bislang scheint es, als hätte die Familie bei diesem Prozess nur ihre sinistre Seite entdeckt.

Alfred Oetker wäre der logische Nachfolger gewesen, als vor drei Jahren der älteste Sohn des Patriarchen, August Oetker (68), den Chefposten verließ. "Aus meiner Sicht spricht nichts gegen ihn", hatte August zuvor treuherzig erklärt und die Ambitionen seines Halbbruders Alfred gestärkt.

Affront gegen Alfred

Doch dann setzte er überraschend seinen Bruder Richard (61) durch, der eher als Pensionär in spe denn als kommender Konzernherr gegolten hatte. Ein Affront gegen Alfred, ja gegen alle drei Kinder aus der dritten Ehe des Altvorderen, also auch Alfreds Geschwister Carl Ferdinand (40) und Julia Oetker (33). Sie hatten auf einen Generationswechsel gehofft.

Spätestens seit diesem Vorfall ist der Oetker-Clan gespalten. Die Alten wollen den ehrgeizigen Alfred verhindern, auch weil sie ihn als allzu hochnäsig empfinden. "Er ist in der Familie sehr umstritten", heißt es aus dem Kreis der Gesellschafter. Ohnehin sei man von den Fähigkeiten des promovierten Betriebswirts nicht überzeugt.

Die Jungen wiederum verlieren zunehmend die Geduld: Sie schmieden eigene Pläne für die Zukunft des Familienimperiums.

Verflogen auch Alfreds Hoffnung, Richard werde den Chefposten nur wenige Jahre ausfüllen. Inzwischen haben sich die älteren Oetkers darauf verständigt, dass er unbedingt die gesamte Amtszeit durchhalten muss, bis Ende 2016. Richard Oetker ist seit seiner Entführung in den 70er Jahren gesundheitlich belastet. Die Familie kommt ihm entgegen, er darf den Job in Teilzeit ausführen. Ein zupackender Manager ist er zwar nicht, doch seine umgängliche Art kommt gut an.

Alfred Oetker bleiben nur Trippelschritte zur Macht. Im vergangenen Jahr immerhin ergatterte er einen Platz im Beirat.

© manager magazin 1/2013
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