Freitag, 19. April 2019

Immigration Einwanderer - Deutschlands neue Hoffnung

Einwanderung: Die fünfte Welle - und die neuen Einwanderer
DPA

4. Teil: Deutschlands Boomregionen buhlen um die besten Köpfe.

Sein Arbeitgeber hat bereits ein Dutzend spanische Ingenieure eingestellt und will 20 weitere herholen. "Das ist eine einmalige Gelegenheit. Die wollen wir uns nicht entgehen lassen", sagt Invenio-CEO Kai Wißler. Nach kurzer Einarbeitungsphase seien die neuen Kollegen voll einsetzbar. Derzeit beschäftigt Invenio in Deutschland 450 Ingenieure. Aufträge könne Wißler locker für 650 akquirieren, sagt er - wenn der Engpassfaktor Ing. nicht die Expansion beschränkte. Deutschlands Boomregionen buhlen um die besten Köpfe.

Die hessischen Minister Florian Rentsch (Wirtschaft) und Stefan Grüttner (Soziales) haben kürzlich in Madrid einen Kooperationsvertrag geschlossen. Fast zeitgleich kündigte Jörg-Uwe Hahn (Integration) an, sein Job werde wohl bald nicht mehr gebraucht. Während die Republik immer noch darüber diskutiert, ob der muslimisch geprägte Berliner Problemkiez Neukölln "überall" ist, während die OECD Deutschland gerade mal wieder mäßige Leistungen bei der Integration von Migranten attestiert hat, scheint die Eingliederung der Euro-Ausländer wie von selbst zu gehen.

25.000 Fachkräfte aus Spanien, Portugal, Griechenland und Italien haben Deutschlands Arbeitgeber von April 2011 bis März 2012 eingestellt. Wer als Brotgeber einen international glänzenden Ruf hat, tut sich naturgemäß leichter mit der Besetzung.

Beispiel Volkswagen Börsen-Chart zeigen: Der dynamisch wachsende Autobauer (zwölf Marken) ist stets auf der Suche nach qualifiziertem Personal. Die besten Ingenieure ziehen die Wolfsburger längst an, Ingenieurinnen natürlich auch. IT-Kräfte hingegen sind knapp, die zielen dann doch eher auf Google Börsen-Chart zeigen oder Microsoft Börsen-Chart zeigen.

Personalvorstand Horst Neumann beschreitet neue Wege, um das Arbeitskräftereservoir noch besser auszuschöpfen.

Mit dem im Sommer gestarteten Traineeprogramm "StartUp Europe" bietet er Hochschulabsolventen aus den Krisenländern Spanien und Portugal eine Karrierechance. 3600 haben sich beworben - auf 104 Plätze. Die Trainees werden zunächst in iberischen VW-Werken beschäftigt, kommen dann in eine deutsche Konzerngesellschaft. Diese Maßnahme, die jetzt auf Italien ausgeweitet werden soll, versteht VW auch als Goodwill-Aktion. "Der Konzern zeigt Verantwortung für die Region," sagt Neumann (siehe Interview links).

Thank you for travelling

Der Softwareriese SAP Börsen-Chart zeigen zielt mit der sogenannten "Academy Cube Initiative" auch auf junge Fachkräfte aus südeuropäischen Ländern. Gemeinsam mit Unternehmen wie Microsoft, Bosch und ThyssenKrupp Börsen-Chart zeigen will SAP eine E-Learning-Plattform starten.

Junge, joblose Talente sollen in neuen IT-Techniken unterrichtet werden; im März wird das Angebot auf der Computermesse Cebit vorgestellt. Vor Ort wollen die Walldorfer ihre Bemühungen ebenfalls intensivieren: Im Jahr 2013, so die Vorgabe, soll "die Arbeitgebermarke SAP" in Südeuropa gestärkt werden.

Thank you for travelling - sogar die Deutsche Bahn unternimmt, wie es heißt, "erste Schritte", um Beschäftigte aus Südeuropa zu gewinnen. Recruiterteams fahnden vor allem nach Ingenieuren der Fachrichtung Bau, Maschinenbau und Elektrotechnik. Zudem gibt es Überlegungen, im Ausland ein duales Ausbildungssystem nach deutschem Muster zu etablieren; die ersten Lehrwerkstätten könnten in Spanien entstehen.

Keine Frage, die Multis, in vielen Ländern vertreten, sind das bevorzugte Ziel qualifizierter Zuwanderer. Die Konzerne kauften sich die Besten weg, sagt Michael Vassiliadis, Vorsitzender der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE). "Cherry picking" nennt der Arbeiterführer diese Praxis. "So verschärft sich das wahre Fachkräfteproblem", so der IG-BCE-Chef, "und das hat der Mittelständler in der Provinz."

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