Mittwoch, 22. Mai 2019

Immigration Einwanderer - Deutschlands neue Hoffnung

Einwanderung: Die fünfte Welle - und die neuen Einwanderer
DPA

3. Teil: Der erste Kontakt: Frostig

Der Headhunter Stavros Antoniou ging 2008 als Einzelkämpfer an den Start, mittlerweile steht der Grieche als Managing Director einer Firma mit dem passenden Namen Grecruitment (Sitz: Thessaloniki) vor. Antoniou besorgt hoch qualifizierten Landsleuten Jobs, vor allem im deutschsprachigen Ausland. Ärzte, Ingenieure, IT-Fachkräfte - das ist seine Stammkundschaft. Neuerdings hat er auch eine Dependance in Spanien.

Was treibt die Griechen-Elite nach Deutschland? "Manche haben in den vergangenen vier Monaten kein Geld mehr bekommen", erzählt Antoniou. An Deutschland schätzen sie nicht nur die pünktliche Lohnzahlung. Sondern auch die Aussicht auf Zuverlässigkeit, Ordnung, Stabilität für sich und ihre Familien. Und dann ist man auch nur ein paar Flugstunden von der Heimat entfernt.

Antoniou hat auch Chrysanthi Bountola nach Deutschland vermittelt. Die 24-jährige Griechin, die am Goethe-Institut Deutsch gelernt hat, beendete im Sommer 2012 in Thessaloniki ihr Medizinstudium. Berufswunsch: Kardiologin.

Auf einen Ausbildungsplatz an einer finanziell ausgezehrten griechischen Klinik hätte sie fünf Jahre warten müssen. Also bewarb sie sich in Koblenz, in Tübingen; schließlich unterschrieb sie einen Vertrag als Assistenzärztin am Klinikum Wolfsburg. Sie will die nächsten Jahre auf jeden Fall in Deutschland bleiben, fühlt sich wohl in der Autostadt: "Ich bin hier kein Exot. Ich arbeite mit Kollegen aus Indien, Russland, Bulgarien zusammen." Weihnachten allerdings feiert sie mit ihren Eltern in Griechenland.

Spanische Ingenieure im kühlen und strengen Schwabenland

2013 will die Arbeitsagentur verstärkt auch außerhalb der EU werben. Pflegekräfte sollen aus Balkanländern wie Serbien und Bosnien-Herzegowina kommen, auch aus Tunesien, wie BA-Vorstand Becker ankündigt.

Währenddessen ist die deutsche Industrie in Südeuropa auf der Suche nach Ingenieuren und Auszubildenden für technische Berufe. Gerade Mittelständler begeben sich aktiv auf Anwerbetour.

Und wenn sie Glück haben, stoßen sie auf Menschen wie Luis Martín Lorenzo Rodríguez. Bis voriges Jahr verdingte sich der 25-jährige Maschinenbauingenieur als Praktikant in seiner spanischen Heimat, hangelte sich von Sechsmonatsvertrag zu Sechsmonatsvertrag.

So wollte er nicht weitermachen. Über die europäische Arbeitsvermittlung EURES kam er mit der "Aktion Nikolaus" in Kontakt, einer Initiative der baden-württembergischen Wirtschaft. Am 6. Dezember 2011 flog Rodríguez mit einer Gruppe von 96 spanischen Ingenieuren in Stuttgart ein, bei Regen und Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt. Aber gut, zum Spaß ist er schließlich nicht hier, sondern zum Arbeiten.

Seit Januar schafft Rodríguez im Ingenieurbüro Invenio in Ludwigsburg, hilft Bosch und Daimler Börsen-Chart zeigen bei der Entwicklung neuer Elektroautos. Es scheint ihm im ebenso kühlen wie strengen Schwabenland zu gefallen: "Ich kann mir gut vorstellen, auf Dauer hierzubleiben." Auch privaten Anschluss zu finden sei kein Problem; Facebook Börsen-Chart zeigen hilft beim Knüpfen von Kontakten zu Landsleuten vor Ort.

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