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Neue Energie: Industrie schöpft Hoffnung

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Erneuerbare Energien Sonne am Ende des Tunnels

In der krisengeschüttelten Wind- und Solarindustrie keimt Zuversicht. Die Nachfrage zieht in vielen Ländern an, neue Märkte locken auch deutsche Firmen. Zu den wichtigsten Hoffnungsregionen zählen ausgerechnet die mit Öl und Gas gesegneten USA.

Hamburg - Bei Aleo Solar in Prenzlau tun die Mitarbeiter seit Anfang der Woche wieder das, wofür sie bezahlt werden: Fotovoltaikmodule zusammenbauen. Gut drei Monate waren sie auf Kurzarbeit, sämtliche Zeitarbeiter mussten gehen. Die Nachfrage nach den neuen, leistungsstärkeren Komponenten entwickele sich nun aber ordentlich, deutet eine Sprecherin an.

"Jetzt startet Aleo wieder durch", sagt gar der örtliche IG-Metall-Mann Nico Faupel. Zuletzt musste er sich überwiegend mit Stellenstreichungen und Fabrikschließungen wie von First Solar in Frankfurt an der Oder beschäftigen.

Eine gute Portion Zweckoptimismus schwingt in Brandenburg wohl mit - hat die Bosch-Tochter doch gerade erst Horrorzahlen für 2012 angekündigt. Der Umsatz brach nach vorläufigen Angaben um knapp 40 Prozent ein, das Ergebnis ist demnach deutlich negativ. Nur eine Kreditlinie des Mutterkonzerns hält die Firma über Wasser. Noch geht es Aleo mindestens so schlecht wie dem Rest der Branche.

Der Paukenschlag des Warren Buffett

Doch wenn die Bosch-Manager in Kürze über die Zukunft der Solarsparte entscheiden, müssen sie berücksichtigen: Die Aussichten für erneuerbare Energien haben sich zuletzt verbessert. Rund um den Globus gedeihen Pläne für neue Wind- und Solarparks, nicht zuletzt aufgrund der gesunkenen Preise, die der Branche zuletzt so zugesetzt haben. Südamerika, Südafrika, Japan - neue Märkte eröffnen Firmen Chancen, zudem hat Wind- und Solargigant China seine Ausbaupläne für die erneuerbaren Energien jüngst erneut erhöht.

Für einen Paukenschlag, der auch außerhalb von Fachkreisen aufhorchen ließ, sorgte Anfang des Jahres Star-Investor Warren Buffet. Bis zu 2,5 Milliarden Dollar steckt er in das mit 579 Megawatt weltgrößte Solarprojekt in Kalifornien, "Antelope Valley". Die Börsenkurse von Solarfirmen jeglicher Couleur machten einen kräftigen Sprung nach oben.

"Buffets Investment ist ein Signal für die Branche, gerade weil er antizyklisch investiert und dabei Erfolg hat", sagt Branchenanalyst Markus Lohr von EUPD Research."Er glaubt daran, dass die Solarenergie zur Energieversorgung der Zukunft dazugehört."

Diese Annahme hatten viele Anleger offenbar bereits vor dem Buffett-Coup getroffen. Die Papiere des angeschlagenen Modulherstellers Solarworld  kletterten seit Mitte Dezember um zwischenzeitlich 75 Prozent, die des Wechselrichter-Hersteller SMA Solar  legten im selben Zeitraum um etwa 40 Prozent zu. Besonders groß ist die Zuversicht in den USA. Platzhirsch First Solar  hat seinen Marktwert seit Juni mehr als verdoppelt.

Siemens sieht wieder Chancen für Windenergie in den USA

Tatsächlich sind es ausgerechnet auch die Vereinigten Staaten, die die gesamte Erneuerbare-Energien-Branche hoffen lassen. Zwar erfreut sich das Land eines nicht gekannten Booms von Öl und Gas. Dennoch eilen die Installationen für erneuerbare Energien vor Rekord zu Rekord, weil auch deren Preise rasch sinken.

Im vergangenen Jahr floss in den Staaten trotz der Schiefergasschwemme mehr Geld in die Windenergie als in neue Gaskraftwerke (siehe Fotostrecke). Zudem wurden nach ersten Schätzungen Solaranlagen mit einer Leistung mit etwa drei Gigawatt installiert - so viel wie noch nie (in Deutschland waren es 7,6 Gigawatt).

In Kalifornien ist Strom aus der eigenen Solaranlage laut dem Branchendienst NPD Solarbuzz inzwischen nicht mehr teurer als mittägliche Spitzenlast-Elektrizität aus dem Netz. Leasingprogramme senken die Installationskosten für Hausbesitzer auf Null.

US-Windbranche feiert Wiederauferstehung

Vor allem bei der Windenergie herrschte trotz des Booms in den USA zuletzt jedoch Katzenjammer. Von einer "Grabesstimmung" und leeren Hallen spricht der Präsident des Bundesverbandes Windenergie, Hermann Albers, wenn er an die Messen des vergangenen Jahres in den USA denkt - staatliche Vergünstigungen drohten im Gerangel um die Fiskalklippe wegzufallen.

Doch die Haushaltsverhandlungen zwischen Demokraten und Republikanern brachten unverhofften Rückenwind, der US-Kongress verlängerte die Steuerrabatte für Solar- und Windenergie. "Heute feiert die gesamte Branche", jubelte der amerikanische Windenergieverband am Neujahrstag.

Auch für deutsche Firmen spielen die USA damit wieder eine größere Rolle, es macht sich allgemein vorsichtiger Optimismus breit. Nordex  wartete zuletzt mit einem Höchststand beim Auftragseingang auf. Bei Investoren kamen auch die Nachrichten aus den USA gut an - die Aktie hat sich etwas aus ihrem Tal befreit.

Für Konkurrent Siemens  sieht die Lage in den Vereinigten Staaten ebenfalls wieder besser aus. "Der US-Energiemarkt bleibt sehr wettbewerbsintensiv, die Preise für Erdgas liegen auf einem Rekordtief, und die Energienachfrage steigt nur langsam; doch je nach Auftragseingang für neue Windturbinen werden wir unsere Windkraftaktivitäten entsprechend anpassen", sagt ein Siemens-Sprecher gegenüber manager magazin online. Der Münchener Konzern hatte noch im Herbst 615 Stellen in seiner US-Windkraft-Sparte gestrichen.

Analyst: "Solarstrom gegenüber Kohlestrom schon wettbewerbsfähig"

Wie Siemens haben die meisten deutsche Firmen im Bereich der erneuerbaren Energien nur noch Chancen, wenn sie weltweit aktiv sind und den regionalen Schwerpunkt bei Bedarf schnell wechseln. In der Solarbranche sieht es zudem für reine Modulhersteller weiter schlecht aus.

Besser dürfte es für Kraftwerksprojektierern wie Juwi, Gehrlicher, Wirsol oder Belectric ergehen. Sie sind in der Lage sich von heimischen Regionen zu lösen und mit ihrem Know-how neuen Märkten auf den Sprung zu helfen. Denn Deutschland oder Südeuropa verlieren 2013 weiter an Bedeutung, sind Branchenkenner überzeugt.

Das hat auch damit zu tun, dass sich die erneuerbaren Energien zusehends aus ihren Kinderschuhen hinausentwickeln. Förderprogramme wie in Deutschland, Italien oder Spanien sind auf dem Rückzug. In den Fokus geraten Länder, in denen der Energiebedarf stark wächst.

Dort ist beispielsweise die Solarenergie kein teurer Luxus mehr. "Wo viel Strom gebraucht wird und die Sonne scheint, ist Solarenergie wettbewerbsfähig - auch mit Strom aus Kohlekraftwerken", sagt EUPD-Mann Lohr. Dies sei beispielsweise in China der Fall. Laut Siemens ist Strom aus Steinkohle noch mindestens zwei Cent günstiger pro Kilowattstunde als Solarstrom (siehe Fotostrecke).

Vielerorts, wo noch gar keine Stromversorgung vorhanden ist, ist Fotovoltaik inzwischen erste Wahl. Um etwa 10 Prozent auf 35 Gigawatt werde der Weltmarkt in diesem Jahr auch deshalb wachsen, erwarten EUPD und andere Branchendienste wie IHS - obwohl die alten Märkte schrumpfen.

Ob und wie Aleo Solar in der Lage ist, sich davon auf Dauer ein ordentliches Stück zu schnappen, erörtern nun die Manager des Mutterkonzern Bosch. In der Uckermark probt der Fotovoltaikhersteller jedoch schon einmal die Wiederauferstehung. Außer den knapp 700 Festangestellten könnten bald auch wieder Zeitarbeiter mit Hand anlegen, heißt es im Werk.

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