Dienstag, 17. September 2019

Steuerfahnder Jäger des verborgenen Schatzes

Steuerfahnder: Wenn der Steuerfahnder klingelt
dapd

7. Teil: Verräterisches auf Facebook

Inzwischen sind die IT-Fachleute der Steuerfahnder bei jeder größeren Durchsuchung dabei. Sie kopieren Daten, rekonstruieren gelöschte Festplatten und lesen Mobiltelefone aus. Ein Passwort zu knacken gehört zur täglichen Routine.

Einzelne Ermittler konzentrieren sich auf die Suche nach Hinweisen im Internet. Ein hessischer Autohändler etwa geriet ins Blickfeld der Netzdetektive, weil sich aus den Fahrzeugen, die auf seiner Internetseite gehandelt wurden, ein höherer Umsatz errechnete, als er dem Finanzamt gemeldet hatte.

Verfolgen die Ermittler erst einmal eine Spur, dann suchen sie auch nach Fotos von Jachten, Luxusautos oder Ferienhäusern, die so gar nicht zur Ertrags- und Vermögenslage passen, die ein Verdächtigter beim Finanzamt hinterlassen hat. Für den Zugang zu den sozialen Netzwerken brauchen die Fahnder noch nicht einmal eine Scheinidentität. Die Anfrage beim Betreiber genügt: Sobald ein Durchsuchungsbeschluss vorliegt, sind Firmen wie Facebook auskunftspflichtig.

Tatsächlich gehören E-Mails heute zu den wichtigsten Beweismitteln. "Es ist unglaublich, was da alles mitgeteilt wird", sagt Steuerfahnderin Diedrichs-Prinz. Systematisch durchforsten ihre Kollegen Mail-Konten und Festplatten nach Schlüsselwörtern und Querverbindungen.

Wenn 100-Lufthansa-Piloten in einer Wohnung wohnen

E-Mail-Konten und Handydaten können auch für Vielflieger verräterisch werden, die sich darauf verlegt haben, durch einen Scheinwohnsitz in einem Niedrigsteuerland ihre Abgaben an den Fiskus zu minimieren.

Mehr als 100 Lufthansa-Piloten waren etwa auf diesen Trick verfallen. Sie behaupteten, im Emirat Dubai zu wohnen, wo Ausländer oft überhaupt keine Steuern zahlen. Dort residierten sie gleich zu Dutzenden im selben Briefkasten. Am Ende machten sie alle Bekanntschaft mit der deutschen Steuerfahndung.

Dubai und Abu Dhabi sind gerade bei den Besserverdienenden, die ohnehin den Großteil der Woche mit Dienstreisen verbringen, weiterhin extrem beliebt. Aktuell stehen deutsche Unternehmensberater und Rechtsanwälte mit Nahost- Hang im Blickfeld der Fahnder. Gegen einige haben sie bereits Verfahren eröffnet.

Trotz Rasterfahndung und hochgerüsteter IT - oft kommt den Ermittlern noch immer der Zufall zu Hilfe. Bei einer Durchsuchung im Haus eines Stuttgarter Zahnarztes etwa wurden die Fahnder von dem sieben Jahre alten Sohn des Dentisten gefragt, warum sie denn überall herumsuchen dürften. Die Beamten erklärten dem Jungen in väterlichem Tonfall: "Dein Papa schaut doch auch in deinem Zimmer nach, ob alles ordentlich ist. Das machen wir jetzt auch."

Am Ende der Durchsuchung tauchte der Junge noch einmal bei den Fahndern auf und sagte: "Hier müsst ihr aber noch nachsehen, da schaut der Papa auch immer nach." Das Kind zeigte auf eine lose Fliese in der Einfahrt, unter der sich die Unterlagen zum Schwarzgeldkonto in der Schweiz verbargen. Adresse, Kontoauszüge, Zugangscode, alles frei Haus.

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