Mittwoch, 20. November 2019

Steuerfahnder Jäger des verborgenen Schatzes

Steuerfahnder: Wenn der Steuerfahnder klingelt
dapd

6. Teil: Idea: Der elektronische Folterkasten der Fahnder

Dabei greifen die Prüfer seit zehn Jahren auf die vom kanadischen Rechnungshof entwickelte Prüfsoftware Idea zurück. Sie laden die Unternehmensdaten auf ihre Rechner und analysieren sie auf Unstimmigkeiten und Manipulationen.

Idea schlägt etwa dann Alarm, wenn Buchungseinträge unvollständig sind oder sich Zahlungen mit den gleichen Cent-Beträgen auffällig häufig wiederholen. Vielfach stellt sich dann heraus, dass manipuliert wurde, etwa der Gewinn zulasten der Staatskasse herunter- und die Ausgaben hochgerechnet wurden.

Im Idealfall deckt der "elektronische Folterkasten", wie das Programm bei den Steuerberatern heißt, die Tricks ganzer Branchen und Berufszweige auf. Vor einiger Zeit kamen etwa reihenweise Ermittler bei Deutschlands Augenärzten vorbei.

Besuch beim Augenarzt

Die Doktoren hatten von einem auf der britischen Kanalinsel Guernsey ansässigen Optikerbetrieb Linsen zu extrem günstigen Konditionen gekauft, die für eine Augenoperation mit Lasereinsatz benötigt werden. Einen Teil des großzügigen Rabatts bekamen sie in bar zurückerstattet. Versteuert hatte die Zahlungen allerdings kaum einer.

Ausgelöst hat die Softwareoffensive der Fahnder erst einmal eines: Schon seit Längerem sind Programme auf dem Markt, die es Freiberuflern und Kleinunternehmern ermöglichen, die Alarmschwellen von Idea zu unterlaufen. Großflächig zum Einsatz kam diese Art von Schummelsoftware bei Deutschlands Friseurbetrieben.

Betriebsausgaben für Shampoos und Färbemittel verschwanden genauso aus den Büchern wie die zugehörigen Einnahmen. Die Steuerfahnder beendeten das Treiben, indem sie die Büros des Softwareanbieters durchsuchten, die Kundenliste beschlagnahmten und sie dann Adresse für Adresse abarbeiteten.

Kürzlich geriet ein ähnliches Programm, das Apothekern bei der steuerschonenden Führung ihrer Bücher half, in den Fokus der Ermittler. Nun droht den Pharmazeuten ein ähnliches Schicksal wie zuvor den Friseuren.

© manager magazin 12/2012
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