Donnerstag, 20. Juni 2019

Steuerfahnder Jäger des verborgenen Schatzes

Steuerfahnder: Wenn der Steuerfahnder klingelt
dapd

5. Teil: Die Informanten: Ehefrauen sind häufig exzellente Quellen

Auch Ehefrauen sind häufig exzellente Quellen, vor allem wenn sie ihren Mann bei seiner Geliebten ertappt haben. Mit einer strafbefreienden Selbstanzeige bringen sie sich in Sicherheit - und ihren Mann ins Gefängnis. So wie die Frau des Chefarztes einer rheinischen Klinik, der sich mit einer Arzthelferin eingelassen hatte. Die Gattin lieferte die Kontoverbindungen in der Schweiz, eine detaillierte Vermögensaufstellung und sogar das Passwort für den PC.

Jedes zehnte Steuerstrafverfahren geht auf Anzeigen von Privatpersonen zurück. Bei 25 Prozent der Verfahren stammen die Informationen aus anderen Behörden (siehe Grafik).

Informanten: Auslöser von Steuerstrafverfahren, in Prozent
manager magazin
Informanten: Auslöser von Steuerstrafverfahren, in Prozent
"Die Bargeldkontrolleure an der Schweizer Grenze gehören zu unseren zuverlässigsten Lieferanten", sagt Steuerfahnderin Diedrichs-Prinz. 2295 Grenzgänger wurden im vergangenen Jahr mit mehr als den erlaubten 10.000 Euro Bargeld ertappt, der Zoll stellte deutschlandweit mehr als 14 Millionen Euro sicher. Bei einem Großteil der Aufgegriffenen löste die anschließende Kontrollmitteilung an das Finanzamt des Heimatortes ein Steuerverfahren aus.

Auch Gerichte haben sich als zuverlässige Informanten bewährt. Werden in einem Scheidungsprozess etwa Vermögenswerte in der Schweiz aufgeteilt, schreiben die Familienrichter automatisch eine Kontrollmitteilung.

Die wirklich lukrativen Fälle aber kommen von den Betriebsprüfern, die für das Finanzamt regelmäßig die Bücher von Unternehmen, Arztpraxen und Anwaltskanzleien unter die Lupe nehmen. Die wissen bestens über die Verhältnisse in einem Unternehmen Bescheid: Sie kennen Buchhaltung und Geschäftsmodell sowie Organigramme und Zuständigkeiten der leitenden Angestellten.

Und mit ihrer Branchenexpertise können sie oft sicher beurteilen, ob die Relation zwischen Einnahmen und Ausgaben einer Firma plausibel erscheint oder ob an den Zahlen gedreht wurde.

© manager magazin 12/2012
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