Mittwoch, 20. November 2019

Steuerfahnder Jäger des verborgenen Schatzes

Steuerfahnder: Wenn der Steuerfahnder klingelt
dapd

4. Teil: Leibesvisitation gehört zum Standardrepertoire

Den Betroffenen bleibt nichts anderes übrig, als schweigend auf ihren Anwalt zu warten und das Ganze über sich ergehen zu lassen. Dies gilt vor allem für die körperliche Durchsuchung, die zum Standardrepertoire gehört. Der Grund: Heute finden sich die entscheidenden Dokumente häufig nicht mehr in dicken Aktenordnern, sondern gespeichert auf kleinen USB-Sticks.

"Viele tragen diese Dinger ständig bei sich", sagt Steuerfahnderin Diedrichs-Prinz. "Wir holen sie aus Hosentaschen und finden sie am Schlüsselbund." Selbst als Einbauten in Armbanduhren und als Schließe eines Büstenhalters getarnt sind die Datenträger schon aufgetaucht.

Stehen die Fahnder erst einmal in der Wohnung, wissen sie oft bereits ganz genau, wo sie suchen müssen. Die Informationen stammen häufig aus erster Hand. Sie gehen von Freunden und Verwandten direkt an den Bereitschaftsdienst der Finanzbehörden. Besonders in den Wochen nach Weihnachten und Ostern klingelt das Telefon.

"Wenn der Cousin über die Feiertage bereits zum dritten Mal mit einem neuen BMW vorgefahren ist und am Kaffeetisch auch noch damit angibt, wie er das Auto am Finanzamt vorbei finanziert hat, kochen Neid und Ärger hoch", erzählt ein Steuerfahnder aus dem Ruhrgebiet. "Dank solcher Hinweise haben wir erst kürzlich einen Tresorschlüssel im Gefrierfach gefunden."

Dass sie nur die Holzverkleidung im Schlafzimmer ein wenig zur Seite rücken mussten, um auch den passenden Geldschrank zu finden, wussten die Beamten ebenfalls schon.

© manager magazin 12/2012
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