Donnerstag, 18. Juli 2019

Roberto Colombo Der Luxusweber

Feinste Stoffe: Der Luxusweber Roberto Colombo
Guido Clerici für manager magazin

3. Teil: Treue Kundschaft und große Traditon

Eine Treppe höher findet sich die Finissage. Dort bekommen die Stoffe den Feinschliff. Denn direkt vom Webstuhl kommend, sind sie spröde und widerspenstig wie Sackleinen. Erst hier werden sie weich und schmiegsam: indem sie durch unendliche Wasserbäder geschickt, gespült, gekocht und gewalkt werden, indem sie mit den klettenartigen Fruchtständen der Karde traktiert werden, einer Wildpflanze, die eben deshalb auch Weber-, Woll- oder Tuchkarde genannt wird. Danach dürfen die Stoffe ausruhen vom Stress der Bearbeitung. Stunden-, manchmal tagelang werden sie einfach nur auf Rollen gedreht.

Am Ende der Produktionskette steht der Mustertisch. Darauf liegen Pappkarten, auf die immer zwölf Stoffproben aufgesteckt sind. Geordert von Karl Lagerfeld, Hermès, Gucci, Armani. "Unsere Stoffkunden", sagt Colombo, "sind seit 40 Jahren bei uns, da haben wir eine große Tradition, Kontakte, die schon mein Vater aufgebaut hat."

Der Unternehmer lädt zum Lunch in sein Privathaus. Ein paar Straßen von der Fabrik entfernt biegt er mit seinem Phaeton in einen Park ein. Und führt in einen mächtigen Villenbau, weiße Marmorwände, kostbare Dielenböden, feine Kristalllüster. Ein Bediensteter in weißer Livree empfängt die Gäste und führt sie in den Speisesaal.

Die Familie - Frau, zwei Töchter, ein Sohn - sei nicht zugegen, bedauert Colombo, sie tourten gerade durch die USA. Das Haus sei ehemals Hotel gewesen, erzählt er. Es habe dem italienischen Freiheitskämpfer Garibaldi als Stützpunkt gedient im Krieg gegen Habsburg. So besitzt der Unternehmer auch ein kleines Stück italienischer Geschichte. Auf das er durchaus stolz ist.

Denn Roberto Colombo ist ein Mann, der tieferen Gedanken zugetan ist. Er reflektiert über die Welt, den Luxus, das Wahre, das Schöne, das Business. Und die große Illusion hinter alldem. Was ihn bewegt, etwas Grundsätzliches anzufügen, etwas, das über das Weben und das Schneidern hinausreicht. "Mode", sagt er, "erlaubt dir, als jemand zu erscheinen, der du nicht bist. Der echte Luxus aber erlaubt dir, der zu sein, der du wirklich bist."

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