Samstag, 7. Dezember 2019

Roberto Colombo Der Luxusweber

Feinste Stoffe: Der Luxusweber Roberto Colombo
Guido Clerici für manager magazin

2. Teil: Einkauf in der Steppe

Der Einsatz von solcherlei Tierhaar macht Colombo zum Avantgardisten der Branche. "Wir waren die Ersten, die auch Albinokamelhaar verarbeitet haben, die Mischungen von Kaschmir mit Nerz, Chinchilla und Hermelin hergestellt haben", sagt Colombo. "Und ich möchte unterstreichen, dass die Tiere nicht getötet werden, sondern ihnen lediglich der Flaum ausgekämmt wird, den sie im Frühjahr natürlich verlieren."

Den Scout für die beste Wolle spielt Bruder Giancarlo, gelernter Politikwissenschaftler und Weltenbummler. Seit Mitte der 70er Jahre reist er, manchmal auf abenteuerlichen Wegen, in die abgelegensten Ecken der Erde - Peru, Argentinien, Mongolei, immer auf der Suche nach Rohstoffen.

Es kommt vor, dass Giancarlo auf alten Lkw fünf Tage durch die Steppe rumpelt, zu den Jurten der Züchter, getrocknetes Yak-Fleisch und vergorene Milch zum Frühstück. Einmal, in den 90er Jahren, erzählt Roberto, habe auch er so eine Reise unternommen, nach Patagonien. Seither besitzt die Firma dort eine eigene Guanaco-Zucht, einige Tausend Tiere.

Es wird gewebt, gestrickt, geschneidert, genäht und gekürschnert

Durch das Garnmagazin, wo die Kästen mit dicken Rollen in Hochregalen lagern, führt der Weg in eine Halle mit lärmenden Webstühlen, hochmodern, fast menschenleer. Maschinenwelt. "Wir haben immer investiert in Technik und Fortentwicklung", sagt Colombo. "Als wir erstmals mehr als 500.000 Meter reinsten Kaschmirstoff in einem Jahr geschafft hatten, habe ich gesagt: Die erste Epoche der Colombo-Brüder geht zu Ende, wir müssen eine neue beginnen."

Seither wird nicht mehr nur gewebt, sondern auch gestrickt und geschneidert, genäht und gekürschnert. Schals, Stolen, Pullover, Jacken, Mäntel, Hosen, jetzt mit dem Markenlabel Colombo. Im Direktvertrieb in über 15 Läden weltweit angeboten. Zu denen jedes Jahr zwei, drei neue kommen. Ohne Schulden zu machen, betont Colombo.

"Wir wissen, dass wir langsam wachsen", sagt der Unternehmer. "Wir wollen keine schnelle Expansion über Kredite, keine Überschuldung. Das Beispiel Italien ist uns eine Lehre."

Besonders wichtig ist ihm, dass die Investitionen in die Produktion und die in den Vertrieb ineinandergriffen. Was nütze denn die Tankstelle ohne Erdöl, das Erdöl ohne die Tankstelle, fragt Colombo. Noch ergibt sich der Umsatz zu 70 Prozent aus dem Stoffgeschäft, der Bekleidungsanteil liegt bei 30 Prozent. In fünf Jahren, so der Plan, soll das Verhältnis bei 50:50 liegen.

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© manager magazin 10/2012
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