Sonntag, 21. April 2019

Anno August Jagdfeld Alles nur Fassade

Jagdfelds Stolperfallen: Heiligendamm, Adlon und Co.
dapd

5. Teil: Die Nachfolge ungesichert, ein Großteil des Geldes verspielt

Die Kaufsumme war mit rund drei Millionen Euro gar nicht so hoch. Allerdings sind die Gebäude dringend sanierungsbedürftig. Vor zehn Jahren war noch die Rede davon, dass man den sogenannten Heinenhof wieder aufpäppeln werde. Seither jedoch bleibt er ungenutzt - offenkundig ist für die aufwendigen Renovierungsarbeiten nicht genügend Geld vorhanden.

Auffällig auch, dass Anne Maria Jagdfeld vor nicht allzu langer Zeit ihr Feriendomizil im belgischen Seebad Knokke verkauft hat. Und kürzlich ließ sie bei Christie's für 2,9 Millionen Dollar mehrere chinesische Gemälde versteigern. Ihr Mann sieht darin lediglich den Verkauf einer Sammlerin, die ihr Portfolio umschichtet.

Wie soll sich das alles noch zum Positiven wenden? Nicht einmal Jagdfeld selbst weiß so recht, wie es weitergehen soll. Er verweist darauf, demnächst eine Eigenheimsiedlung im mecklenburgischen Wittenbeck errichten zu wollen. Zudem erwähnt er seinen Biobauernhof bei Heiligendamm, der profitabel sei; ausbauen will er die Landwirtschaft aber nicht.

Und er spricht von lukrativen "Zufallsgeschäften". So kaufe er schon mal notleidende Baukredite auf, um sie später mit Gewinn weiterzureichen (oder darauf sitzenzubleiben). Auch der Handel mit sogenannten Ökopunkten bringe Geld ein. Gemeint sind damit Zertifikate, die Besitzer von Brachflächen an jene Firmen veräußern, die zum Beispiel mit der Verlegung von Gaspipelines die Gegend zerstören.

Sicherung des Vermögens

Im Grunde wolle er es jetzt "ruhiger angehen lassen" und Aufgaben vor allem an seine Söhne delegieren, sagt Jagdfeld. Die Kinder sollen sich nun tatsächlich um die Firmen kümmern, die ihnen offiziell bereits gehören, und sie sollen auch "Neues anfangen". Der Vater: "Jeder übernimmt Teilbereiche."

Vertraute der Familie bezweifeln indes, dass die Sprösslinge die ihnen zugewiesenen Aufgaben auch wirklich bewältigen können. Es mangele dem Quartett an Geschäftssinn und Erfahrung.

Die Nachfolge ungesichert, ein Großteil des Geldes verspielt, das Ansehen verloren - das Bauimperium, das Jagdfeld in vier Dekaden geschaffen hat, ist zur Resterampe verkommen. Dem Unternehmer scheint es heute weniger um Vermögensmehrung als um die Sicherung des Vermögens zu gehen.

Immerhin, Jagdfeld hat bereits einige Erfahrungen vorzuweisen, wie man Reste des Besitzes vor dem Zugriff durch Gläubiger retten kann - durch ständiges umfirmieren und weitgehenden Haftungsausschluss.

Die Eigentümergesellschaft des mit 145 Millionen Euro verschuldeten Berliner Quartiers 206 schlüpfte beispielsweise mehrfach in einen anderen Firmenmantel. Dabei verringerte Jagdfeld, ehemals persönlich haftender Gesellschafter, die Einlage von 22,6 Millionen Euro auf einige Zehntausend Euro. Zudem übertrug er in mehreren Schritten die Haftungsrisken - erst auf einzelne Söhne, dann auf Peter Sähn. Nun muss der 75-Jährige Jagdfeld-Vertraute für das Risiko geradestehen.

© manager magazin 9/2012
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